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Sind die Medien schuld?

16. Mai 2002

Die Tat des 19-Jährigen, der am letzten Freitag in einer Erfurter Schule 16 Menschen und sich selbst erschossen hat, ist unfassbar. Die Frage nach dem Warum wird entsprechend heftig diskutiert und wie in solchen Fällen üblich, wird dabei besonders nach der Rolle der Medien gefragt. Doch bevor man über Computerspiele oder Gewaltvideos redet, sind andere Fragen zu klären. Eine erste ist: Was ist in 19 Jahren eines jungen Lebens geschehen, das am Ende zu einer solchen Tat führt? Eine zweite Frage: Ist es richtig, dass ein junger Mensch in den Besitz von Waffen und Munition kommt und noch dazu in deren Handhabung eingeübt wird? Dann erst stellt sich die Frage nach den Medien: Dass gewalthaltige Medieninhalte verstärkende Wirkung haben können, ist wissenschaftlich ausreichend nachgewiesen. Gesichert ist auch, dass die verstärkende Wirkung bei denen besonders wahrscheinlich ist, die von realen Problemlagen belastet sind, seien es nun bildungsmäßige oder emotionale Defizite oder sei es mangelnder sozialer Halt. Betrachtet man die Medienvorlieben des Täters - bzw. das was die Medien über sie berichten - unter dem Aspekt der Verstärkung, wirft insbesondere die Vorliebe für Computerspiele, die unter dem Begriff Ego-Shooter gehandelt werden, Fragen auf. Bei diesen Spielen agiert man selbst als Täter und voll aus dessen Perspektive. Das geschieht in einem realistischen Ambiente, z.B. kämpfen Einsatzkommandos gegen Terroristen, die Waffen sind bis ins Detail in Optik und Funktionalität nachgebildet, die Spielwelt ist in Bild und Ton realitätsnah gestaltet und das gesamte Geschehen ist fast in Filmqualität in Szene gesetzt. Diese Merkmale und v.a. die Tatsache, dass in der Ich-Perspektive Gewalt ausgeübt wird, kann die Distanzierung vom Spielinhalt erschweren. Bisher fehlen gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, ob und wenn ja, welche Risiken daraus für reales Verhalten folgen. Trotzdem oder gerade deshalb ist es wichtig, dass Eltern darauf achten, mit welchen Computerspielen - und mit welchen Medienangeboten insgesamt - sich ihre Kinder beschäftigen und von welchen sie besonders angetan sind. Das ist die Voraussetzung, um problematischen Vorlieben gegensteuern zu können. Noch viel wichtiger ist es allerdings mitzubekommen, womit die Kinder sich in ihrer Wirklichkeit beschäftigen, was sie quält, ängstigt, frustriert, verwirrt, verzweifeln lässt.

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