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Statt vieler Diskussionen: Ein Mediennutzungsvertrag

26. Mai 2015
Statt vieler Diskussionen: Ein Mediennutzungsvertrag

„Nur noch ein bisschen ... Bitte, Bitteeee!“ Alle Register ihres Charmes zieht Lena (8), um ihre Mutter umzustimmen, als diese von ihr verlangt, den Fernseher auszuschalten. Situationen wie diese sind Eltern nur allzu vertraut. Kinder lieben das Fernsehen und Diskussionen darum, was und wie lange sie sehen dürfen, stehen in vielen Familien auf der Tagesordnung.

Fernsehregeln gehören dazu, doch stets konsequent zu bleiben, das ist für Eltern mitunter einfacher gesagt als getan. Besonders beim Fernsehen - aber nicht nur - handeln Kinder gerne aus. Denn das Aushandeln gehört zum Großwerden dazu. Wenn Kinder auf diese Weise Grenzen ausloten, üben sie sich zugleich darin, einen eigenen Standpunkt zu finden und ihn zu vertreten. Zu argumentieren, Kompromisse zu finden, zu überzeugen und sich überzeugen zu lassen, all das ist genauso wichtig zu lernen, wie es wichtig ist, sich an vereinbarte Absprachen zu halten. Und dennoch: Jeden Tag die gleichen Diskussionen mit den Kindern führen zu müssen, oft gefolgt von Streit und Tränen, das kann ganz schön an den Nerven zerren. Zumal ja nicht nur das Fernsehen, sondern auch der Computer, das Tablet oder Handy reichlich Konfliktpotenzial besitzen.

Ein gemeinsamer Vertrag kann Klarheit schaffen

Helfen kann es da, mit den Kindern gemeinsam einen sogenannten "Medienutzungsvertrag" zu schließen. Ein solcher Vertrag geht gleichermaßen auf die Wünsche von Kindern und Eltern ein und verschafft allen Klarheit darüber, wie der Medienkonsum im Familienleben geregelt ist: was möglich und was dazu notwendig ist, was sein darf und was nicht. Das ist gleichzeitig eine gute Gelegenheit, um sich mit den Kindern einmal über ihre Vorlieben ausführlich auszutauschen, sie ihre Wünsche begründen zu lassen, und auch zur Sprache zu bringen, inwieweit die Eltern ihren Kindern vertrauen, und wovor sie diese schützen möchten. So dürfen die "Vertragsverhandlungen" getrost etwas Zeit in Anspruch nehmen. Dafür bringt das fertige Werk für beide Seiten Vorteile:

  • Die Eltern können die Medienvorlieben ihrer Kinder besser einschätzen, sich an den fest zugesicherten Absprachen orientieren und müssen so nicht jeden Tag aufs Neue mit ihren Kindern verhandeln.
  • Die Kinder sind stolz darauf, einen „echten“ Vertrag unterschreiben zu dürfen, den sie noch dazu mit ausgehandelt haben. Sie fühlen sich von den Erwachsenen ernst genommen, können Grenzen nachvollziehen und lernen, ihren Medienkonsum zu reflektieren.
  • Eltern und Kinder können gemeinsame Medienzeiten ausmachen, aber auch Familienzeiten ohne Medien.

 

Der "Mediennutzungsvertrag" im Internet

Unter www.mediennutzungsvertrag.de bieten die Portale "internet-abc"und "klicksafe" eine sehr gut ausgearbeitete Vorlage samt Anregungen und Tipps. Nach dem Baukastenprinzip und mit wenigen Klicks kann sich die ganze Familie hier ihren Vertrag individuell zusammen stellen. Wie lange darf ich fernsehen? Was darf ich sehen? Wie verhalte ich mich im Internet? Was sage ich meinen Eltern? Zu solchen und vielen anderen Fragen bietet das Dokument für unterschiedliche Altersgruppen und für verschiedene Medien anpassbare Regeln, die um die eigenen Familienregeln ergänzt werden können.

Immer mal wieder überprüfen

Wird der Vertrag im Rahmen einer kleinen Zeremonie von allen Familienmitgliedern feierlich unterschrieben, erhöht das sicher seine Verbindlichkeit. Aber: Er ist natürlich nicht wie in Stein gemeißelt. Der Vertrag muss gewissermaßen mitwachsen. Kinder werden älter, ihre Interessen und Vorlieben ändern sich, sie erweitern ihre Medienkompetenzen, und auch im Familienleben kann sich einiges tun. Ratsam ist es daher, in regelmäßigen Abständen gemeinsam zu überprüfen, ob die vereinbarten Regeln noch für alle Familienmitglieder passend sind. Ganz ohne Diskussionen geht es eben nicht; wie auch der Vertrag nicht davon entbindet, weiterhin ein wachsames Auge auf den Fernsehkonsum der Kinder zu haben, und sie in ihrem Medienerleben zu begleiten und zu stärken.

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