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Wenn das Fernsehen nicht echt ist

15. April 2015
Wenn das Fernsehen nicht echt ist

„Newtopia ist ein klassisches Realityformat ohne Drehbuch. Es gibt keinerlei Einfluss von Seiten der Programmmacher. Außerdem handelt es sich bei den Pionieren keineswegs um Schauspieler, sondern um „reale“ Menschen, die für Newtopia ihr altes Leben zurücklassen und einen Neuanfang wagen.“

Das verkündet Sat.1 auf der offiziellen Website seines TV-Experiments „Newtopia“. Doch jetzt haben aufmerksame Zuschauer herausgefunden, dass es nicht immer mit rechten Dingen zugeht. Durch eine technische Unachtsamkeit konnte man über den Internet-Livestream des Formats verfolgen, wie eine Fernseh-Redakteurin den Protagonisten der Sendung Anweisungen und den weiteren dramaturgischen Verlauf vorgab. „Scripted Reality“ nennt man diese Art des Fernsehens, bei dem vermeintlich echtes Geschehen mit Laiendarstellern inszeniert wird.

Dass „Newtopia“ mit dieser peinlichen Enthüllung jegliche Glaubwürdigkeit verspielt hat, ist dabei nur eine Sache. Noch viel bedenklicher ist, wie Sat.1 die Zuschauer mit einer bewussten Täuschung auf die falsche Fährte lockt. Speziell Kinder und Jugendliche tun sich oft schwer damit, die gestellten Szenen eines Scripted-Reality-Formats als Inszenierung zu durchschauen – vor allem wenn das Gezeigte wie in „Newtopia“ stets alsecht erklärt wird. Umso größer ist die Gefahr, dass sich Kinder an manch fragwürdiger Handlung der gezeigten Personen ein Vorbild nehmen.

Für Eltern gilt es daher, jüngeren Zuschauern die Machart von Scripted-Reality-Sendungen begreifbar zu machen. Wenn der Nachwuchs weiß, mit welchen Inszenierungstricks und Darstellungsweisen das Geschehen auf dem Bildschirm vorangetrieben wird, kann er die vermeintliche Realität im Fernsehen auch richtig einschätzen – eine wichtige Voraussetzung, um das Gezeigte auch kritisch hinterfragen zu können.

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