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Das Geiseldrama von Gladbeck - Kein Ruhmesblatt für die Medien

01. März 1999
Erwachsenen dürfte die Handlung des ZDF-Fernsehfilms "Ein großes Ding" (22. und 23.3.1999) bekannt vorgekommen sein, griff er doch einen der spektakulärsten Kriminalfälle der Bundesrepublik auf: Das Geiseldrama von Gladbeck. Nach einem missglückten Bankraub im August 1988 nahmen zwei mit Maschinenpistolen bewaffnete Gangster zwei weibliche Bankangestellte als Geiseln und flüchteten mehrere Tage lang quer durch den Westen der Republik. Für die Medien war das ein gefundenes Fressen: Journalistinnen und Journalisten hefteten sich an die Fersen der Entführer, berichteten live, machten Interviews und hielten Fotoapparat, Fernsehkamera und Mikro auf alles, was sich in Sachen Geiseldrama tat: auf die völlig verängstigten Frauen im Auto, auf einen Jugendlichen, der von den Gangstern kaltblütig erschossen wurde, und auf die Toten, die es bei der Befreiungsaktion gab. Massivste Kritik ernteten damals die Medien für diese Art der Berichterstattung, Sensationsgier wurde ihnen vorgeworfen. Ohne Rücksicht auf Gefühle und auf Menschenwürde hätten sie die Angst und die Not der Geiseln ausgiebigst zur Schau gestellt. Und statt sich im Hintergrund zu halten, hätten die Leute von der Presse nicht nur die Polizeiarbeit behindert, sondern den beiden Verbrechern auch noch eine Bühne und mehr oder weniger freies Geleit verschafft. So mussten sich die Medien denn damals auch die Frage nach ihrer Mitverantwortung an der Eskalation der Geiselnahme gefallen lassen.
Das Abwägen zwischen Informationspflicht und journalistischer Verantwortung ist nach wie vor ein aktuelles Thema. Vor allem im Fernsehen ist reißerische Berichterstattung keine Seltenheit. Dass hinter dem Berichterstattungseifer allerdings weniger edle Absichten stecken, hat die zwölfjährige Katja bereits durchschaut: "Denen geht es auch mehr ums Geld als um die Leute". Und der dreizehnjährige Adrian ergänzt: "Das machen die nur, damit die mehr Einschaltquoten kriegen, weil das manche ganz spannend finden".

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