Flimmo.tv
Suchen in:
Aktuelles TV-Programm Sendungsarchiv

Kinder in Not: UNICEF hilft vor Ort

13. Januar 2006
Die vergangenen zwölf Monate waren geprägt von zahlreichen Katastrophen, unter denen besonders auch Kinder zu leiden hatten. FLIMMO hat aus diesem Anlass ein Interview mit Rudi Tarneden von UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, geführt. Er war bei Hilfsaktionen in Indonesien dabei und konnte sich ein Bild der Lage machen.

Was bedeutet eine Katastrophe wie z.B. ein Tsunami für die Kinder vor Ort?
Für die Kinder, die in einem Katastrophengebiet leben, bricht eine Welt zusammen. Erstaunlich ist, dass diese Kinder oft gefasst, ruhig und überlegt wirken. Schaut man genauer hin, dann spürt man, dass sie zutiefst verunsichert sind und ihre Reaktion nur ein Schutzreflex ist. Die Kinder kennen eigentlich nur eine Welt, die weitgehend von den Erwachsenen organisiert wurde, und nun sind ihre Ansprechpartner entweder weg oder hilflos – davon geht eine große Verunsicherung aus.

Was tun Organisationen wie UNICEF, um den Kindern vor Ort zu helfen?
Am Beispiel des Tsunamis geht es von der Soforthilfe über die mittelfristige Hilfe bis hin zum langfristigen Wiederaufbau. Unbegleitete Kinder wurden registriert und wir haben Suchprogramme unterstützt, um Angehörige und Eltern wieder zu finden. Außerdem wurde vier Wochen nach der Katastrophe mit dem Schulunterricht begonnen, um den Kindern inmitten des Chaos zumindest annähernd eine Art Regelmäßigkeit zu bieten. Wir schätzen, dass ca. ein Drittel der Kinder in den Tsunami-Regionen psychosoziale Unterstützung brauchen. Deshalb schicken wir Experten dahin, die wiederum einheimische Sozialarbeiter, Lehrer etc. ausbilden. Damit ist eine Grundlage für eine psychosoziale Versorgung gelegt. Die Kinder werden somit in ihrer Trauer und Verzweiflung auf eine Art und Weise begleitet, die im Einklang mit den Traditionen dort steht.

Was können Kinder bzw. Familien hier zu Lande tun, um zu helfen?
Wir erleben, dass Kinder in sehr hohem Maße Anteil nehmen und Betroffenheit zeigen. Sie rufen an, schreiben E-Mails und Briefe. Bei Kindern ist der Reflex zu helfen sehr stark vorhanden. Ein erster Tipp wäre, dass die Kinder sich weiter informieren sollen, nicht nur über verschiedene Medien, sondern dass sie auch Lehrern oder Eltern ihre Fragen stellen. Damit kommen sie in ein Gespräch – und das bietet wiederum Entlastung. Außerdem versuchen wir den Kindern ein Ventil anzubieten, d.h., wir zeigen auf, dass man in einer solch verzweifelten Situation auch etwas tun kann: zum Beispiel in der Schule einen Flohmarkt organisieren oder sich über unseren Wettbewerb als Juniorbotschafter für Kinderrechte stark machen. Wir wollen Kinder nicht zu Spendensammlern machen, sondern ihnen Wege aufzeigen und sie unterstützen, wenn sie aktiv werden wollen.

Welche Rolle spielen die Medien bei solchen Katastrophen?
Medien sind ein Stück kollektives Gedächtnis, Medien sind leider auch selektiv, weil natürlich das Medium bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterliegt und bestimmte Katastrophen nicht solche Beachtung finden wie andere. Es ist wichtig, daran und auch an die Solidarisierung zu erinnern, daran, dass es einen Moment gab, in dem die Welt ein bisschen zusammenrückte. Zu hoffen bleibt, dass die Medien die Katastrophe nicht ein zweites Mal ausbeuten, in dem man nur die Schreckensbilder zeigt. Ich weiß von einer Schülerin, die sich als Juniorbotschafterin für die Tsunami-Hilfe engagierte. Sie wird in einer Rückblicksendung berichten was sie alles getan hat und warum. Das ist eine gute Art zu erinnern, denn dann bleiben nicht nur die Schreckensbilder stehen.

Mehr Informationen zur Arbeit von UNICEF unter www.unicef.de. Anregungen für Kinder gibt es unter www.unicef.de/kids oder www.juniorbotschafter.de.

Google + FLIMMO App
 

Copyright © Programmberatung für Eltern e.V. 1997 - 2017

Zum Seitenanfang