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Kinder vor der Kamera - Hierzulande mit Seltenheitswert

21. Januar 2000

Filme für KindeKinderr mit Kindern, die in hiesigen Gefilden spielen, sind in Kino und Fernsehen kaum vertreten. Das hat Gründe, und die sind gesetzlicher Natur. In Deutschland verbietet das Jugendschutzgesetz die Arbeit von Kindern unter 15 Jahren. Ausnahmen sind zwar möglich, für den Dreh eines Kinderfilms aber wenig hilfreich. So dürfen Kinder ab sechs Jahren höchstens drei Stunden täglich "gestaltend mitwirken", und das auch nur an maximal 30 Tagen im Jahr. Für die Arbeit am Set viel zu kurz. Ein Rechenbeispiel: Für die Erstellung eines Spielfilms mit Erwachsenen werden - über den Daumen gepeilt - 25 bis 30 Drehtage veranschlagt, mit einer durchschnittlichen Arbeitszeit von ungefähr zehn Stunden am Tag. Sollen nun Kinder die Hauptrolle spielen, kommen die Filmschaffenden mit dem erlaubten Zeitkontingent ganz schön ins Schwitzen. Denn die drei Stunden gelten nicht nur für das eigentliche Schauspiel, auch Schminken, Kostümieren usw. sind in dieser Zeit zu bewerkstelligen. Hinzu kommt, dass die wenigsten Szenen auf Anhieb im Kasten sind, dass die einen vorher geprobt, andere mehrmals wiederholt werden müssen. Die Zeit ist also knapp, und nicht immer lässt sich dieses Problem umschiffen, indem man Zwillinge engagiert, die dann abwechselnd spielen. Die Folge: Kinder spielen in Filmen - wenn überhaupt - nur kleinere Rollen, oder die Produktion wird kurzerhand ins europäische Ausland verlegt, wo die zeitlichen Rahmenbedingungen nicht so eng gesteckt sind. Nun ist es grundsätzlich richtig, dass Kinderarbeit verboten ist und Kinder vor einem allzu frühen, womöglich ausbeuterischen Arbeitsdasein bewahrt werden. Das sieht auch der "Förderverein Deutscher Kinderfilm e.V." so. Sein Anliegen ist es aber auch, dem deutschen Kinderfilm in Kino und Fernsehen mehr Gewicht zu geben. Er plädiert deshalb für eine großzügigere Zeitregelung, die sowohl die Belange der Kinder als auch die realen Bedingungen der Filmproduktion berücksichtigt. Starkult um junge Berühmtheiten oder die Ausbeutung durch ehrgeizige Eltern und Manager sollen dadurch natürlich nicht begünstigt werden, im Gegenteil. Bei den Dreharbeiten ist es wichtig, dass die Kinder ihr Talent spielerisch entfalten können und nicht durch Erwachsenenmaßstäbe überfordert werden. Zudem brauchen sie freie Zeit zum Ausruhen oder Toben, und vor allem eine Betreuungsperson, die sie auch mal in den Arm nimmt. Ist das gewährleistet und kommt dabei die Schule nicht zu kurz, dann kann es Kindern Spaß machen, an einem Film mitzuwirken. Mit einer Zeitregelung allein ist es also nicht getan. Entscheidend ist die Umgebung. Zwei Stunden Arbeit können anstrengender sein als fünf, wenn die Bedürfnisse der Kinder übergangen werden. Die Anwesenheit von Kindern vor der Kamera kommt schließlich auch dem Kinderpublikum zugute. Denn Kinder suchen nun einmal in Film und Fernsehen nach Figuren, in denen sie sich spiegeln können. Mädchen und Jungen, die den Alltag ihrer Kultur, ihre Erfahrungen, Träume und Wünsche leben, bieten dafür die besten Voraussetzungen.

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