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Der Amoklauf im Fernsehen – Ängste bei Kindern sind vorprogrammiert

25. März 2009

Der schreckliche Amoklauf von Winnenden beherrscht derzeit die Berichterstattung im Fernsehen. Auf allen Kanälen werden stündlich neue Informationen zur Tat und zum Tathergang gesendet. Bilder von den Opfern, Fotos und Videomaterial vom Täter sowie Zeugenaussagen und Augenzeugenberichte zeichnen die Tat in allen Einzelheiten nach. Auch Kinder werden unweigerlich mit diesem Thema konfrontiert – sei es zu Hause oder in der Schule, am Zeitungskiosk oder bei Freunden. Sie sehen die Bilder, hören die Berichte und machen sich Gedanken dazu. Die Tatsache, dass sich die Bluttat wieder an einer Schule ereignet hat und dass Jugendliche die Opfer waren, ist für Kinder besonders belastend. Da ist die Angst nicht weit, selbst Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden und diese Angst ist ernst zu nehmen. Die Frage, was einen jungen Menschen zu so einer Tat veranlassen könnte, treibt Kinder und Jugendliche ebenso um wie Erwachsene, nur haben sie noch weniger Erklärungsfähigkeiten.

Eltern sollten mit ihren Kindern über das Geschehen reden und Einordnungshilfen geben, z.B. darauf verweisen, dass solche Taten Einzelfälle sind. Kinder, die von den Geschehnissen und den dramatischen Bildern in den Medien überfordert sind, brauchen Trost, Verständnis und Geborgenheit. Das ist der beste Rahmen für eine rationale Verarbeitung. Ebenso kann es hilfreich sein, die Rolle der Medien selbst zu thematisieren: Mit der umfassenden Berichterstattung bekommt der Täter posthum die Aufmerksamkeit, die er möglicherweise in seinem bisherige Leben vermisst hat. Egal wie die Motive und Hintergründe der Tat einzuschätzen sind bleibt festzuhalten, dass das enorme Medienecho das Risiko von Trittbrettfahrern birgt. In diesem Zusammenhang ist sicherlich kritisch zu fragen, ob es notwendig ist, ein Video mit den letzten Sekunden im Leben des Amokschützen im Internet und als Teil der Berichterstattung im Fernsehprogramm zu zeigen.

Die Frage nach den Ursachen Bei der Frage nach den Motiven für die Tat wird wie immer in solchen Fällen auch über die Rolle gewalthaltiger Computerspiele diskutiert. Doch bevor man über Computerspiele oder Gewaltvideos redet, sind andere Fragen zu klären. Eine erste ist: Was ist in 17 Jahren eines jungen Lebens geschehen, das am Ende zu einer solchen Tat führt? Eine zweite Frage: Ist es richtig, dass ein junger Mensch in den Besitz von Waffen und Munition kommen kann und noch dazu in deren Handhabung eingeübt wird? Und dann stellt sich auch die Frage nach den Medien: Dass gewalthaltige Medieninhalte verstärkende Wirkung haben können, ist wissenschaftlich ausreichend nachgewiesen. Gesichert ist auch, dass die verstärkende Wirkung bei denen besonders wahrscheinlich ist, die von realen Problemlagen belastet sind, seien es nun bildungsbezogene oder emotionale Defizite oder sei es mangelnder sozialer Halt.

Umso wichtiger ist es, dass Eltern über die Lebenslagen und Gefühlswelt ihrer Kinder Bescheid wissen. Und sich darüber hinaus mit deren Medienwelt vertraut machen. Deshalb ist es so wichtig, dass Eltern und andere Erziehende darauf achten, mit welchen Computerspielen – und mit welchen Medienangeboten insgesamt – sich Kinder und Jugendliche beschäftigen. Das ist die Voraussetzung, um problematischen Vorlieben gegensteuern zu können. Noch viel wichtiger ist es allerdings mitzubekommen, was Heranwachsende in ihrer Wirklichkeit umtreibt, was sie quält, ängstigt, frustriert, verwirrt oder verzweifeln lässt, und was sie dann auch mit Medien auszuagieren bzw. zu kompensieren versuchen.

FLIMMO bespricht das aktuelle Fernsehprogramm und gibt Tipps zur Fernseherziehung. Bewertet werden Sendungen, die 3- bis 13- jährige Mädchen und Jungen gerne sehen oder mit denen sie als Mitseher in Berührung kommen. Um einen schnellen Überblick zu bieten, sind die Sendungen in drei Rubriken eingeteilt.

Was bedeuten die Rubriken?

Kinder finden's prima

Von Sendungen in dieser Rubrik sind Kinder angetan. Auch wenn nicht alles den Geschmack der Erwachsenen trifft, "Kinder finden's prima".

Mit Ecken und Kanten

Sendungen in dieser Rubrik werden von Kindern gemocht, haben aber auch „Ecken und Kanten“. Sie enthalten Bestandteile, die Kindern nicht nur gut tun.

Nicht für Kinder

Sendungen in dieser Rubrik enthalten Bestandteile, die für Kinder schwer verkraftbar sind. Am besten hält man Kinder davon fern, da sie überfordert, verunsichert oder geängstigt werden können.

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