Flimmo.tv
Suchen in:
Aktuelles TV-Programm Sendungsarchiv

Schwere Kost bei Netflix: Tote Mädchen lügen nicht

12. Mai 2017
Schwere Kost bei Netflix: Tote Mädchen lügen nicht

Seit dem 31. März zeigt der Streaming-Dienst Netflix die 13-teilige Serie „Tote Mädchen lügen nicht“. Die äußerst erfolgreiche Eigenproduktion basiert auf dem amerikanischen Jugendbuch-Bestseller „13 Reasons Why“ und wird aktuell sehr kontrovers diskutiert. Grund dafür ist die zum Teil drastische Darstellung von Mobbing und sexueller Gewalt unter Jugendlichen, aber auch die sehr ausführliche Darstellung eines Selbstmordes. Kritiker der Serie sehen die Gefahr der Nachahmung, vor allem bei gefährdeten Personen. Für manche Jugendliche werden Themen und Machart der Serie durchaus ihren Reiz haben. Aus pädagogischer Sicht sollten sie – wenn überhaupt – die Serie gemeinsam mit Eltern oder anderen Bezugspersonen sehen, um die Möglichkeit zu haben, schwierige Themen wie Gewalt, Mobbing und Selbstmordgedanken zu diskutieren. Kindern sollte die Serie aber auf keinen Fall zugemutet werden.

Düsterer Highschool-Alltag

In 13 Episoden wird der 17-jährige Clay begleitet, der sich die Leidensgeschichte seiner verstorbenen Mitschülerin Hannah anhört. Bevor sich die Jugendliche das Leben nahm, hielt sie auf 13 Audiokassetten die Gründe für ihre tragische Entscheidung fest. Dabei widmet Hannah jede Kassette einer bestimmten Person, die sie für ihren Tod verantwortlich macht. Während Clay Hannahs Kassetten anhört, werden in Rückschauen demütigende Situationen gezeigt, die Hannah in Kontakt mit anderen Mitschülern erlebt. Clay erfährt, dass Hannah vor ihrem Tod peinlichen Gerüchten und sozialer Ausgrenzung ausgesetzt war. Zudem wird klar: Emotional bereits völlig isoliert, wurde Hannah Opfer einer Vergewaltigung. Während Clay Hannahs Geschichte erfährt, kämpft er mit Schuldgefühlen, Wut und Trauer. Gramerfüllt sind auch Hannahs Eltern, die den Suizid ihrer Tochter nur schwer verarbeiten können. Auch andere Personen werden von den Geschehnissen emotional sehr mitgenommen. Von Verzweiflung und Schuldgefühlen geplagt, begeht ein Mitschüler am Ende ebenfalls Selbstmord.

Selbst für Erwachsene schwer verkraftbar

Die explizite Darstellung von Hannahs Vergewaltigung und ihrem Selbstmord kann die Grenze der Belastbarkeit bei Kindern (und auch manch Erwachsenem) überschreiten. Auch die emotionale Erschöpfung Clays und seiner Mitschüler ist für Kinder nur schwer auszuhalten. Zusätzlich belastend sind die Wut, Trauer und Verzweiflung der Eltern sowie die insgesamt düstere und sehr bedrückende Atomsphäre der Serie. Angesichts der ernsten Themen und der teilweise sehr drastischen Inszenierung hat Netflix das Drama als ab 16 Jahren freigegeben gekennzeichnet. Das heißt: Wurde bei Netflix unter „Profile verwalten“ die Kindersicherung aktiviert, kann die Serie nur mithilfe eines PIN-Codes angesehen werden; im Kids-Bereich der Plattform ist die Serie nicht abrufbar. Zudem werden Warnungen bezüglich der drastischen Darstellungen und Hinweise für Hilfs- und Beratungsangebote für suizidgefährdete Personen vorgeschaltet.

Das Beispiel „Tote Mädchen lügen nicht“ zeigt, wie wichtig es ist, dass Eltern über die Möglichkeiten von Kindersicherungen und Jugendmedienschutz bei Onlineangeboten Bescheid wissen. Mehr dazu lesen Sie auch im Titelthema der aktuellen FLIMMO-Broschüre "Online Fernsehen – Möglichkeiten & Risiken".

 

Google + FLIMMO App
 

Copyright © Programmberatung für Eltern e.V. 1997 - 2017

Zum Seitenanfang