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Wie sich Kinder an Fernsehvorbildern orientieren

20. Februar 2009

Kinder und Jugendliche sehen sich im Prozess des Heranwachsens mit vielfältigen Problemen und Fragen konfrontiert: Wie kann ich mich in der Familie oder in einer anderen Gemeinschaft behaupten? Wie verhalte ich mich im Freundeskreis, um Anerkennung zu finden? Welche Erwartungen sind mit meiner zukünftigen Rolle als Frau oder Mann verbunden? Anregungen und Antworten auf all diese Fragen werden in der sozialen Umgebung gesucht; aber auch das Fernsehen als Leitmedium wird herangezogen. Es erlaubt einen Blick in unbekannte Welten, zeigt ungewohntes Geschehen, präsentiert fremde Menschen und Charaktere mit neuen Eigenschaften und Verhaltensweisen. Hier finden Kinder viele Ansatzpunkte, ihre eigenen Erfahrungen und Erlebnisse zu überprüfen sowie unbekannte Verhaltensmuster, Werte und Normen und deren Tauglichkeit für sich selbst und ihr eigenes Leben einzuschätzen.

Schon früh halten Kinder Ausschau nach personalen Vorbildern, denen sie nacheifern können. Dabei spielen äußere Merkmale wie Aussehen, Kleidung und Lebensstil eine Rolle, aber auch Eigenschaften und Verhaltensweisen. Welchen Figuren sie sich zuwenden, hängt maßgeblich von den jeweiligen entwicklungsbedingten Themen ab. Je nach Alter rückt Unterschiedliches in den Mittelpunkt. Kinder im Vorschulalter achten vor allem darauf, wie die Figuren aussehen, was sie tun und welche Auswirkungen ihr Handeln hat. So beeindruckt etwa den vierjährigen Richard an seiner Lieblingsserie Lilo und Stitch am meisten der außerirdische hundeähnliche Roboter Stitch. Dass sich der Junge auf eine (eher) männliche Figur konzentriert und die weibliche Hauptfigur Lilo ausblendet, illustriert, dass sich schon im Vorschulalter die Vorlieben der Geschlechter zu unterscheiden beginnen. Der Beginn des Grundschulalters markiert für Kinder einen neuen Lebensabschnitt. Das Zuhause verliert an Bedeutung, Kinder wagen erste selbständige Schritte in die weitere Umgebung. Sie sind in diesem Alter besonders neugierig, sie versuchen, sich eine Position in der Welt zu erobern. Verbunden sind damit Fragen nach der eigenen Identität, nach gültigen normativen Vorgaben, zum Beispiel nach geschlechtstypischen Rollen. Vor diesem Hintergrund wenden sie sich vermehrt Figuren zu, die ihnen als taugliche Rollenvorbilder erscheinen. Für viele Jungen sind das unerschrockene Helden, die sich jeder Gefahr stellen, wie etwa Yu-Gi-Oh! oder der Comic-Held Batman. Bei Mädchen geraten starke Frauenfiguren in den Blick, wie etwa Kim Possible, Bibi Blocksberg oder Pippi Langstrumpf.

Neben den Themen Liebe und Partnerschaft stellt sich den älteren Kindern kurz vor dem Teenageralter die Frage nach Lebensperspektiven und Zukunftsplänen. Der neunjährige Sebastian hat beispielsweise eine klare Vorstellung von seinem zukünftigen Leben als „Superstar“. Als Fan von Alexander, dem Gewinner der ersten Staffel von Deutschland sucht den Superstar (RTL), will er unbedingt in dessen Fußstapfen treten. Aussagen wie die von Sebastian belegen, dass Kinder und Jugendliche den Traum vom schnellen Fernsehruhm oftmals für bare Münze nehmen und das Spiel für eine reale Option halten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kinder und Jugendliche im Sozialisationsprozess mehr oder weniger stark von Fernsehvorbildern geprägt werden. Entsprechend wichtig ist es, nötigenfalls durch reale Bezugspersonen fragwürdigen Rollenbildern oder Lebensentwürfen eine kritische Perspektive entgegenzusetzen.

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