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Zumutung für Kinder: TV zum Abschalten?

15. Januar 2015
Zumutung für Kinder: TV zum Abschalten?

Auch zu Beginn diesen Jahres gehen altbekannten TV-Formate ins Rennen, die für Aufregung sorgen (sollen): In „Ich bin ein Star holt mich hier raus!“ (RTL) dürfen sich C-Prominente zum Affen machen, heiratswillige Damen buhlen um den „Bachelor“ (RTL) und bei „Germanys next Topmodel“ (PRO 7) schickt Heidi Klum junge Frauen über den Laufsteg. Bei "Deutschland sucht den Superstar" müssen junge Menschen unter den kritischen Blicken der Jury ihr Talent unter Beweis stellen, was nicht selten in Peinlichkeiten endet.

Aufreger im Programm

Bei „Ich bin ein Star - holt mich hier raus“ sind Tabubruch und Grenzüberschreitung Programm. Der Zuschauer wird zum Voyeur gemacht, wenn Möchtegern-Prominente sich der Schadenfreude und Häme eines Millionenpublikums aussetzen. Abgesehen von der Frage nach Qualität und Geschmack dieses Formats ist das Konzept für Kinder äußerst problematisch: Ein Unterhaltungsangebot, das Menschen in gefährlichen, peinlichen und ekligen Situationen bloßstellt, vermittelt ein fragwürdiges Menschenbild. Die Schadenfreude des Publikums wird gnadenlos angestachelt. Vor allem, weil man dazu aufgefordert wird, abzustimmen, wer sich der nächsten „Mutprobe“ stellen soll. Auch wenn das Format erst nach 22.00 Uhr ausgestrahlt wird: Das mediale Echo auf solche Shows macht natürlich auch Kinder neugierig und so ist es nicht überraschend, dass das Dschungelcamp Gesprächsthema auf dem Schulhof ist. „Highlights“ der Sendung finden sich auch im Internet und in begleitenden Apps wieder. Ähnliches gilt für „Deutschland sucht den Superstar“ (RTL): Verunglückte Auftritte talentfreier Kandidaten erfreuen sich im Netz besonderer Beliebtheit. Auch hier werden Menschen lächerlich gemacht und vor einem Millionenpublikum bloßgestellt.

Frauen- und Männerbilder

Aber auch Kuppel- und Castingshows bieten Kindern denkbar schlechtes Anschauungsmaterial in Bezug auf Werte, Normen und Rollenbilder. Die Vorstellungen von Beziehungsanbahnung und Liebe, die bei der Sendung „Der Bachelor“ vermittelt werden, sind aus pädagogischer Sicht haarsträubend. Der Konkurrenzdruck unter den Kandidatinnen ist groß: Es geht darum, den attraktiven Junggesellen mit allen Mitteln für sich zu gewinnen. Dabei sind „die Waffen einer Frau“ gefragt: attraktiv, sexy und anschmiegsam müssen die Kandidatinnen sein. Das Wettbewerbsverhalten der Frauen vermittelt den Eindruck, dass Stutenbissigkeit beim weiblichen Geschlecht Normalität ist. Nach ähnlichen Spielregeln funktioniert „Germanys next Topmodel“: Jung, sexy und zu allem bereit – als angehendes Modell kommt es vor allem darauf an, gefügig zu sein. Solche Rollenbilder von vorgestern bieten Kindern eine fragwürdige Orientierung. Zudem kann das propagierte Ideal vom makellosen Körper jungen Zuschauern zu schaffen machen. Das Traumbild von Schönheit oder Starruhm schürt übersteigerte Erwartungen an das eigene Leben oder den eigenen Körper.

Jüngeren Kindern bis etwa 12 Jahren sollten solche Sendungen am besten ganz erspart bleiben. Bei älteren Kindern und Teenagern kann der Gruppendruck unter Gleichaltrigen zum Problem werden. Eine Lösung kann sein, sich gemeinsam eine Folge anzusehen. So fällt es auch leichter zu begründen, warum diese Sendung fragwürdig ist. Vielleicht relativiert sich die Begeisterung der Kinder ja auch, wenn der Reiz des Verbotenen erst einmal verflogen ist. Trotz aller Gruppendynamik: Zur kindlichen Entwicklung gehört es auch, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Das funktioniert am besten, wenn die Erwachsenen den Kindern eine gute Portion Selbstvertrauen und einen kritischen Blick auf unsere (Medien-)Welt mit auf den Weg geben.

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