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Action – für Kinder auch gewaltfrei spannend

03.10.2001

„Also, es gibt wirklich keine Actionserie ohne Gewalt. Außer ganz, ganz wenige!", findet die achtjährige Meike. Sie kann solchen Sendungen nichts abgewinnen. Egal ob Serien oder Spielfilme: „Der Film ist ne Stunde gelaufen, und da haben sie sich ne Dreiviertelstunde nur geprügelt ... ununterbrochen. Da hat man weggeschaut und wieder hingeschaut, und da haben sie sich immer noch geprügelt." Was Meike ein Gähnen entlockt, hält andere Kinder in Atem. Für sie ist Action gleichbedeutend mit guter Fernsehunterhaltung. Sie versprechen sich Spannung, Tempo, turbulente Verwicklungen, Situationskomik und Slapstickeinlagen. Action eben. Doch was sie unter Action verstehen, was ihnen gefällt und wo sie zu finden ist, da gehen die Meinungen auseinander.

Turbulenz, Spannung, Abenteuer – Action für die Jüngeren

Die meisten Grundschulkinder können sich vor allem für turbulentes Geschehen begeistern: Situationskomik und Figuren, die sich gegenseitig Streiche spielen und sich drangsalieren, finden sie spaßig. Ein Teil von ihnen fühlt sich im Cartoons-Programm gut bedient: „Die lustigen Verfolgungsjagden zwischen Tom und Jerry" haben es der siebenjährigen Britt angetan, schließlich sei das „spannend, und es wird nicht so schnell langweilig". Für den neunjährigen Daniel sind die japanischen Zeichentrickserien „Pokémon", „Dragon Ball" oder „Digimon" die wahren Action-Highlights, vor allem wegen spannender Abenteuer, fantastischer Ereignisse und rasanter Szenen. Maja (acht) gefällt, dass bei „Digimon" alles „ganz schnell geht", außerdem mag sie die spektakulären Kämpfe zwischen den Fantasiewesen. Die kämpferischen Aktionen in den Action-Cartoons à la „Digimon" kommen jedoch nicht bei allen Kindern an: Wenn die Kontrahenten brutal aufeinander losgehen und auch vor heftigen Karateschlägen und Tritten nicht haltgemacht wird, wie bei „Dragon Ball", fühlen sich einige Kinder überfordert. Der siebenjährige Robert findet allzu heftige Kampfszenen bei „Dragon Ball" blöd, vor allem, wenn sie tödlich enden: „Wenn da einer einen Abgrund runtergestoßen wird und dann ist er tot, das find' ich gemein." Kommt in den Zeichentrickserien Gewalt vor, die sich gegen das Leben von Menschen richtet, hört für jüngere Kinder der Spaß meist auf. Ein Umstand, den die Macher im Hinterkopf behalten sollten, wenn sie dieser Altersgruppe ein angemessenes Programm bieten wollen.

Nervenkitzel, Tempo, tolle Typen – Action für die Großen

Für Kinder ab etwa zehn Jahren heißt Action vor allem eins: Spannung und Nervenkitzel. Egal ob Geheimnisse gelüftet werden, eine Bombe zu entschärfen ist oder Menschen aus einer gefährlichen Situation gerettet werden müssen, solche Geschichten kommen Älteren zupass. Wenn unklar ist, was als nächstes passiert, eine Überraschung die nächste jagt oder eine wilde Verfolgungsjagd ihren Lauf nimmt, sind sie Feuer und Flamme.

Die Mädchen kommen bei spannenden Detektivgeschichten mit kniffligen Rätseln auf ihre Kosten, weil sie da richtig mitfiebern können. Kinderkrimis, Abenteuerfilme oder Serien wie „Die Pfefferkörner" oder „TKKG" das ist für sie actionreiche Unterhaltung. „Ja, ich mags halt gern, wenn es spannend wird oder so. Aber ich finde es nicht so toll, wenn jemand schießt oder so" bringt die zehnjährige Lara ihre Vorliebe für ein gewaltfreies Actionprogramm auf den Punkt.

Vor allem Jungs sind den Actionserien und -spielfilmen des Erwachsenenprogramms zugetan: „Alarm für Cobra 11" oder „Der Clown" steht bei manchen ebenso hoch im Kurs wie James-Bond-Filme, „Jurassic Park" oder Karatefilme. Gewalt, und zwar durchaus heftig, ist hier zentraler Bestandteil. In den Augen einiger Jungs gehört das einfach dazu, ebenso wie eine starke Heldenfigur: Das ist einer, der „gut schießen kann wie James Bond" oder ein unbesiegbarer Kämpfer ist wie Jackie Chan. Auch Bud Spencer und Terence Hill schlagen sich prügelnd durchs Leben „aber auf lustige Weise", wie Fabian (zwölf) feststellt. Trotzdem ist das Strickmuster dasselbe: Gewalt gegen die „Bösen" wird gutgeheißen, schließlich „haben die nichts anderes verdient". Auch wenn Jungs, die diese Sendungen gerne sehen, nicht automatisch zu kleinen Schlägertypen werden, sollten die Eltern den Umgang mit diesen Filmen im Auge behalten. Stehen nämlich bei ihnen vorwiegend solche Sendungen auf dem Programm, könnte es sein, dass die Jungen das Märchen von der gerechtfertigten Gewalt irgendwann für bare Münze nehmen.

Immer nur Gewalt? ... schalt mal was anderes ein!

Für viele Kinder ist allerdings die teilweise drastische Gewaltdarstellung in Actionfilmen und -serien des Erwachsenenprogramms eine harte Nuss: „Ich hasse so was, weil wenn man genau sieht, wie einer umgebracht wird oder so, das kann ich nicht sehen. Da wird mir immer schlecht", empört sich der elfjährige Samuel. Manche Kinder können sich mit ihrem Fernsehwissen von den Gewaltdarstellungen distanzieren: Das mit der Gewalt in Actionserien sei nicht schlimm, meint der zwölfjährige Stefan, schließlich seien da Profi-Stuntmen am Werk, „die können das". Diese Art der Distanzierung hat bei Kindern allerdings ihre Grenzen. Wenn Menschen leiden müssen, verletzt oder gar getötet werden und dies in blutigen Bildern dargestellt wird, ist für die meisten der Spaß am Nervenkitzel zu Ende. Für Kevin (elf) steht fest: „Wenn man halt richtig, aber richtig zuschlägt, dass einer überall und eigentlich fast verblutet oder so; das, finde ich, geht dann zu weit bei Filmen." In solchen Fällen gibt es für die achtjährige Janika nur ein Rezept: „Soviel Gewalt darf es dann auch wieder nicht sein, weil ich dann Schiss habe und dann sag ich: Dominique, schalt mal was anderes ein!".

FLIMMO-Kinderbefragung

* Der Text stellt eine Auswahl von Ergebnissen einer Kinderbefragung unter sechs- bis 13-Jährigen zum Thema Action im Fernsehen dar.

Diesem Tipp kann sich FLIMMO nur anschließen. Manches, was im Erwachsenenprogramm unter Action auf dem Programm steht, ist für Kinder schwer verdaulich. Auch wenn einige Heranwachsende auf der Suche nach Spannung, Tempo und tollen Helden auf solche Angebote zugehen, sind sie nicht immer für das gerüstet, was ihnen dort präsentiert wird. Da heißt es für Eltern: Augen auf, um gegebenenfalls gegenzusteuern oder den Konsum zu verhindern. Denn nur wenige Kinder sind von sich aus so einsichtig wie der zehnjährige Marius: „Da schlagen die sich tot, während ein Maschinengewehr bombardiert, dann zerreißt es den anderen, das ist dann schon ein bisschen grausig. Das ist eigentlich nichts für Kinder."

  • Wenn Menschen brutaler Gewalt ausgesetzt sind, hört für jüngere Kindern der Spaß auf, auch wenn es sich um Zeichentrick handelt.
  • Das Märchen von der gerechtfertigten Gewalt ist in verschiedenartigen Fernsehangeboten ein Dauerbrenner. Eltern und Erziehende müssen hier gegensteuern.
  • Blutige Bilder und drastische Gewalt in Actionangeboten des Erwachsenenprogramms sind für das Gros der Kinder schwer verdaulich.

FLIMMO bespricht das aktuelle Fernsehprogramm und gibt Tipps zur Fernseherziehung. Bewertet werden Sendungen, die 3- bis 13- jährige Mädchen und Jungen gerne sehen oder mit denen sie als Mitseher in Berührung kommen. Um einen schnellen Überblick zu bieten, sind die Sendungen in drei Rubriken eingeteilt.

Was bedeuten die Rubriken?

Kinder finden's prima

Von Sendungen in dieser Rubrik sind Kinder angetan. Auch wenn nicht alles den Geschmack der Erwachsenen trifft, "Kinder finden's prima".

Mit Ecken und Kanten

Sendungen in dieser Rubrik werden von Kindern gemocht, haben aber auch „Ecken und Kanten“. Sie enthalten Bestandteile, die Kindern nicht nur gut tun.

Nicht für Kinder

Sendungen in dieser Rubrik enthalten Bestandteile, die für Kinder schwer verkraftbar sind. Am besten hält man Kinder davon fern, da sie überfordert, verunsichert oder geängstigt werden können.

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