Flimmo.tv
Suchen in:
Aktuelles TV-Programm Sendungsarchiv

Bei Vorschulkindern durchblicken – Was sie sehen, verstehen und sich vom Fernsehen wünschen

07.01.2008

„Der Felix ist so clever, der kann aus den Erwachsenen rausholen was er will, deshalb brauchen wir Regeln und müssen uns einig sein“ erzählt eine Mutter wie sie mit den Fernsehwünschen ihres vierjährigen Sohnes umgeht . „Er macht manchmal auch extra Mittagsschlaf, damit er ja fit genug ist am Abend, damit er auch seine Sendung gucken kann.“
Felix’ Beispiel zeigt: Auch Vorschulkinder haben das Fernsehen und seine vielfältigen Angebote im Blick, sie haben durchaus schon Sendungsvorlieben und integrieren diese in ihren Alltag. Felix’ Beispiel zeigt aber auch: Eltern sind gefordert, den Fernsehumgang ihrer Kinder zu begleiten und zu lenken. Denn der Grundstein, wie die Kinder später mit dem Fernseher umgehen, wird früh gelegt, und gerade Vorschulkinder als Fernsehanfänger müssen den Umgang erst lernen. Eltern und andere Bezugspersonen sind dabei ihre wichtigsten Begleiter. Für einen positiven und kompetenten Umgang in der Familie ist deshalb wichtig zu wissen: Welche Verstehensfähigkeiten bringen die Vorschulmädchen und -jungen mit? Welche Bedürfnisse und Wünsche tragen sie an ihre Fernsehfavoriten heran? Wie gehen sie mit den Angeboten des Fernsehens um und wo gibt es Stolpersteine?

Fernsehfiguren: Spiegel für Themen und Wünsche der Kinder

Egal ob Tiere, Personen oder Fantasiewesen, eine besondere Bedeutung kommt den zentralen Figuren in den Lieblingssendungen der Kinder zu. Einig sind sich die befragten Vorschüler – Mädchen und Jungen gleichermaßen – vor allem bei „SpongeBob" (SuperRTL). Der tollpatschige Meeresschwamm, „der immer so lustigen Quatsch macht“ (Nils, sechs Jahre), kommt ihrem Bedürfnis nach Spaß und Unterhaltung entgegen.

Darüber hinaus achten die Vorschulkinder vor allem darauf, wie die Figuren aussehen, was sie tun und welche Auswirkungen ihr Handeln hat. Als Richard von seiner Lieblingsserie „Lilo und Stitch" (s. Erläuterung Textende*) berichtet, stellt er Stitch, den außerirdischen, hundeähnlichen Roboter und seine besonderen Fähigkeiten, ins Zentrum. „Wenn Stitch Wasser berührt, erscheinen Experimente und kommen aus dem Ball heraus“ oder „wenn seine Augen grün sind, kann er die Experimente sehen“, erklärt Richard.

 

 Die Zeichentrickserie „Lilo und Stitch"

Das Mädchen Lilo und der hundeähnliche, außerirdische Roboter Stitch haben eine gemeinsame Mission: Sie müssen ihre Heimatinsel Hawaii vor den gefährlichen Experimenten eines Bösewichts retten. Denn kommen die Experimente, eingeschlossen in bunte Kugeln, mit Wasser in Berührung, werden sie aktiv und richten Chaos und Schaden an. Die Freunde erleben dabei jede Menge skurrile Abenteuer.

Dass sich der Junge auf eine (eher) männliche Figur konzentriert und die weibliche Hauptfigur Lilo ausblendet, illustriert, dass sich schon im Vorschulalter die Vorlieben der Geschlechter zu unterscheiden beginnen. So hat die sechsjährige Marlene bei „Lilo und Stitch" vor allem die weiblichen Figuren im Blick: Zwar findet sie die Experimente „witzig“ und Stitchs Künste gefallen ihr, doch ausführlich erzählt sie, dass „Lilo keine Mutter mehr hat, aber eine ältere Schwester“, die Lilo immer von der Schule abholt. Über die zentralen Figuren sind häufig Verbindungen zur Lebenswelt der Kinder ersichtlich: In der Geschichte von der elternlosen Lilo und ihrer älteren Schwester findet Marlene Bezüge zu ihrem eigenen Alltag, denn sie wächst mit ihrer großen Schwester und ihrem Bruder beim Vater auf.

Wissen und Information: Zwischen Anregung und Überforderung

„Weil dann weiß man ziemlich viel über die Tiere“, erklärt der vierjährige Felix warum er sich Zoosendungen á la „Elefant, Tiger und Co." (ARD, ZDF) anschaut. An den Dokumentationen über Zoos und Tiergärten in Deutschland gefällt Felix, wenn „man Babys von Tieren sieht“ und man sieht „wie die Tiere gefüttert werden.“ Überhaupt begleitet Felix das Thema auch über das Fernsehen hinaus. Es ist fester Bestandteil seines Alltags und beschäftigt mittlerweile die ganze Familie: Felix besitzt verschiedene Tierbücher, die Familie besucht regelmäßig den Zoo und hat dem Jungen eine Folge besonders gut gefallen, wird zu Hause mit den anderen Familienmitgliedern „Zoo gespielt“.

Auch den Vorschulkindern dient das Fernsehen schon als Wissensquelle, weil sie dort Dinge erfahren, die ihnen neu sind und sie ihren Wissensdurst befriedigen können. So auch im Fall von Agnes, die „logo!" (ZDF/KI.KA) als ihre Lieblingssendung bezeichnet. Die Kindernachrichten schaut die Sechsjährige, denn „da gibt’s so Filme, wo Menschen gefangen sind, und da kommen die auch wieder raus. Das find’ ich am besten.“
Die Wissbegierde der Kinder kennt zwar keine Grenzen, an ihre Grenzen können die Kinder dennoch stoßen: Zwar berichtet Agnes von den spannenden Berichten über Fußball oder der Wettervorhersage, den meisten Eindruck haben bei ihr offenbar Katastrophen, Unglücke und Kriege hinterlassen. In der Art, wie das Mädchen von Waldbränden, toten Vögeln, Atombomben und Kriegen erzählt, wird deutlich, dass die Sechsjährige das Gesehene noch überfordert. Auch wenn „logo!" kindgerecht aufbereitet ist und z.B. auf belastende Bilder verzichtet, hat Agnes noch nicht die Fernseherfahrung, um das Gesehene einschätzen und sich davon distanzieren zu können.

Wünsche der Kinder und Beschränkungen durch die Eltern

„In Spanien läuft der Fernseher immer im Hintergrund, damit bin ich aufgewachsen – das will ich für meinen Sohn nicht. Wir leben ihm das nicht vor, deshalb hat er auch keinen Bedarf fern zu gucken“, berichtet die Mutter von Anton. Wichtig ist ihr außerdem, dass nicht „so viel Gewalt“ vorkommt, entsprechend darf der Sechsjährige nur ausgesuchte Filme auf DVD und nur am Wochenende anschauen. Trotz all der eindeutigen Regeln und Absprachen, kommt Antons Lieblingsfigur dennoch aus dem Fernsehen: „Batman", der Superheld aus der gleichnamigen Serie. Anton weiß praktisch alles über seinen Favoriten und ist sichtlich beeindruckt von Batmans Körperkräften und Kampfeskünsten, der „jeden besiegt“ und „stärker als die Polizei“ ist.
Ein genauer Blick zeigt, woher Anton seinen Favoriten kennt: Seine Mutter hat ihm ein T-Shirt und eine Baseballmütze mit Batman als Motiv geschenkt, außerdem besitzt er einige Spielfiguren. Dabei stoßen die Kinder nicht nur durch Produkte, die der Medien- und Konsummarkt anbietet, auf verlockende Fernsehangebote, auch das Umfeld der Kinder spielt dabei eine Rolle. So bezieht Anton sein Wissen über „Batman" & Co. auch von seinen Freunden im Kindergarten, denn dort gehören „Batman", „Spiderman" und andere kämpferische Sendungen derzeit zu den beliebtesten Fernsehfiguren.

 

 Vorschulkinder und Fernsehen – Tipps für Eltern

Kinder begleiten und unterstützen
Vorschulkinder sind Fernsehanfänger, sie brauchen die Begleitung ihrer Eltern oder anderer Bezugspersonen, sei es durch gemeinsames Fernsehen, Erklärungen, durch Rat und Trost. Auf eine Auswahl altersgerechter Angebote ist zu achten, um Überforderungen zu vermeiden wie Agnes’ Beispiel zeigte. Wichtig ist es, dass Eltern die Kinder in der spielerischen Verarbeitung des Gesehenen unterstützen, indem sie sie zum Spielen, Erzählen, Malen und Basteln anregen. Im besten Fall bereichert diese Umgangsweise mit dem Fernsehen die ganze Familie und regt zu gemeinsamen Aktivitäten an.

Fernsehfiguren geben Aufschluss über die Kinder
Auch wenn sich Eltern so manches Mal schwer tun mit den Lieblingsfiguren ihrer Kinder, für die Mädchen und Jungen sind „Lilo und Stitch", „Batman" und Co. oftmals Spiegel ihrer Wünsche und Träume und geben Aufschluss darüber, mit welchen Themen sich die Kinder aktuell beschäftigen. Bei Vorschulkindern sind das vor allem Themen wie Großwerden und selbstständig sein, Verlassensängste und geliebt werden. In den Figuren finden die Kinder, was der Alltag nicht oder nur bedingt zulässt, was sie sich vielleicht selbst nicht trauen oder wie sie gerne sein würden.

Geschlechterunterschiede im Blick behalten
Schon im Vorschulalter beginnen die Kinder, sich mit dem Thema Junge- oder Mädchensein zu beschäftigen. So zeichnen sich auch beim Fernsehen die unterschiedlichen Vorlieben der Mädchen und Jungen ab. Leider stoßen die Kinder dabei häufig auf einseitige Figuren oder überkommene Rollenbilder. Nimmt die Faszination für den starken Helden aber überhand, sollten die Eltern gegensteuern und Grenzen setzen.

Vielfältige Zugangswege zu den Angeboten des Fernsehens
Auch wenn es bezüglich des Fernsehens klare Regeln zwischen Eltern und Kindern gibt, finden manche Kinder auch über andere Kanäle zu Fernsehangeboten oder -figuren, die sie interessieren. Fernsehbezogene Geschenke von Eltern wie z.B. das Batman-T-Shirt und der Austausch mit anderen Kindern oder Geschwistern spielen dabei eine Rolle. Eltern sollten sich darüber bewusst sein und neben Absprachen zum Fernsehkonsum auch diese Aspekte im Blick haben. Der Austausch mit anderen Eltern oder klare Vereinbarungen mit Großeltern und der Verwandtschaft sind hilfreich.

FLIMMO bespricht das aktuelle Fernsehprogramm und gibt Tipps zur Fernseherziehung. Bewertet werden Sendungen, die 3- bis 13- jährige Mädchen und Jungen gerne sehen oder mit denen sie als Mitseher in Berührung kommen. Um einen schnellen Überblick zu bieten, sind die Sendungen in drei Rubriken eingeteilt.

Was bedeuten die Rubriken?

Kinder finden's prima

Von Sendungen in dieser Rubrik sind Kinder angetan. Auch wenn nicht alles den Geschmack der Erwachsenen trifft, "Kinder finden's prima".

Mit Ecken und Kanten

Sendungen in dieser Rubrik werden von Kindern gemocht, haben aber auch „Ecken und Kanten“. Sie enthalten Bestandteile, die Kindern nicht nur gut tun.

Nicht für Kinder

Sendungen in dieser Rubrik enthalten Bestandteile, die für Kinder schwer verkraftbar sind. Am besten hält man Kinder davon fern, da sie überfordert, verunsichert oder geängstigt werden können.

Google + FLIMMO App
 

Copyright © Programmberatung für Eltern e.V. 1997 - 2017

Zum Seitenanfang