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Bewusst durch die Welt - Umwelt & Natur im TV

07.09.2015

Kinder sind von Natur aus neugierig. Mit zunehmendem Alter beschäftigen sie sich auch mit Natur- und Umweltschutz: Was wird aus unserem Planeten, was bedeutet nachhaltiges Leben? Wie können Tiere vor dem Aussterben geschützt werden? Ist ihr Interesse erst einmal geweckt, reagieren Kinder sensibel auf dieses ernste Thema, schließlich geht es auch um ihre Zukunft.

Aus Betroffenheit wollen manche selbst aktiv werden und sich engagieren. Wie können Eltern sie dabei unterstützen und welche Rolle spielen das Fernsehen und andere Medien? Können Kinder durch altersgerechte Sendungen überhaupt angeregt werden, sich mit Natur- und Umweltschutz auseinanderzusetzen?

Natur- und Umweltschutz

Das Verständnis entwickelt sich

Was für Kinder Natur- und Umweltschutz bedeuten, hängt von Alter und sozialem Umfeld ab. Die Jüngeren nennen vor allem Beispiele aus ihrem eigenen Alltag¹. Für den siebenjährigen Eren ist klar, dass »man einfach keinen Müll auf den Boden schmeißt. Sonst ist man ein Weltverschmutzer«. Je älter die Kinder werden, desto mehr schauen sie über den Tellerrand hinaus. Sie wollen mehr über die Welt wissen und Zusammenhänge verstehen. Fachkundig erklärt der zwölfjährige Julian was für ihn Umweltschutz ist: »Dass man nachhaltig lebt, dass die nächste Generation mit dem leben kann, was wir jetzt noch haben. Dass wir nicht die ganzen Reserven verbrauchen.«

Werden Umwelt und Natur zu Hause oder in der Schule zum Thema gemacht, wächst das Verständnis für die weitreichenden Folgen von Umweltverschmutzung und Klimawandel. In Lillis Familie etwa wird viel über nachhaltigen Energieverbrauch nachgedacht, was sich auch in konkreten Maßnahmen niederschlägt. So berichtet die Neunjährige: »Wir haben so Solarzellen auf dem Dach, da braucht man das Atomkraftwerk nicht so.« Diese Auseinandersetzung in der Familie ist eine wichtige Grundlage, um Kinder für das mitunter schwierige Thema aufnahmefähig zu machen.

¹ FLIMMO hat im Mai 2015 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren zu Sendungen befragt, die die Themen Umwelt- und Naturschutz aufgreifen. Der ausführliche Bereicht ist hier abrufbar: Kinderbefragung


Die Kindersicht

Was kommt an im Fernsehen?

Der Schutz von Tieren liegt vielen Kindern besonders am Herzen. In der Zeichentrickserie Go Wild! Mission Wildnis (SuperRTL) wird dies mit einer Prise Humor und Action präsentiert. Wenn die Brüder Kratt den ganzen Globus bereisen und gefährdeten Tieren helfen, sind vor allem Jungen angetan. Aber auch Mädchen wie Alix (9 Jahre) gefällt, »dass die halt die Natur schützen und ganz viele Tiere kennenlernen«. Den Geschichten gelingt es, das ernste Thema unterhaltsam und lehrreich zugleich zu vermitteln.

Auch der Klassiker Löwenzahn (ZDF) steht bei einigen Mädchen und Jungen auf dem Programm: Der sensible Umgang mit Natur und Umwelt ist Ausgangspunkt für die Abenteuer von Fritz Fuchs und seinem Hund Keks. Nicht nur die spannenden Geschichten kommen an, sondern auch die Anregungen, die zum Nachmachen inspirieren. Eine Folge zu alternativen Energien hat dem zehnjährigen Robin neue Erkenntnisse beschert: »Am Anfang hat er noch keinen Strom im Bauwagen gehabt. Dann hat er sich ein Windrad gebaut, hat’s in den Garten gestellt und so hat er ein bisschen Strom gekriegt. Ich hab das Windrad sogar nachgebaut.«

Interessante Filme:

ab 7 Jahren

WALL·E – Der letzte räumt die Erde auf Animationsfilm, USA, 2008
Ponyo – Das große Abenteuer am Meer Zeichentrickfilm, Japan, 2008
• Der Lorax, Animationsfilm, USA, 2012

ab 9 Jahren

• Königreich Arktis, Dokumentation, USA, 2007
Vater hoch vier – Zurück zur Natur Spielfilm, Dänemark, 2011
• Wolfsbrüder – Ein Junge unter Wölfen Spielfilm, Spanien/Deutschland, 2012

ab 12 Jahren

Amy und die Wildgänse, Spielfilm, USA, 1996
Serengeti, Dokumentation, Deutschland/Großbritannien, 2010
• More than Honey, Dokumentation, Schweiz, 2012

 

Ein neueres Format ist Erde an Zukunft (KiKA). Hier stehen Umweltschutz und Nachhaltigkeit im Zentrum: »Die zeigen halt, wie man am wenigsten umweltschädlich ist«, fasst Emma (11 Jahre) zusammen. Ausgehend von Kinderfragen recherchiert der Moderator, probiert selbst aus, befragt Experten und geht dabei auch mal ungewöhnliche Wege. »Mir gefallen die Ideen, die sind manchmal auch etwas verrückt«, erklärt die elfjährige Marie. Dass Kinder vorgestellt werden, die sich für die Umwelt engagieren, findet sie besonders interessant: »Was die alles machen!«

Das Magazin Galileo (PRO 7) punktet bei einigen älteren Kindern durch die verständliche Aufbereitung komplizierter Sachverhalte. Gelobt werden die anschaulichen Experimente, aber es gibt auch Kritik: »Ich reg mich auf, dass die sinnlose Sachen drannehmen statt so wichtige Themen«, meint der zwölfjährige Mark. Noch dazu sind einige Themen und Darstellungsweisen wenig kindgerecht.

Selbst aktiv werden?

Anregendes zeigt Wirkung

Ob konkrete Tipps oder Experimente mit Aha- Effekt: Manche Kinder berichten, dass sie durch Hinweise und Tipps in Sendungen selbst aktiv wurden. Karl (10 Jahre) und seine Familie achten seit einem Beitrag in logo! (KiKA) verstärkt auf korrekte Mülltrennung und Zurückhaltung beim Kauf von Flaschen: »Wir kaufen so spezielle Plastikflaschen, die man besser recyceln kann.« Dass sich manche Abfallprodukte sogar zum Basteln eignen, hat die elfjährige Tabea aus pur+ (KiKA) mitgenommen: »Die haben mal Instrumente aus Joghurtbechern gemacht – da hab ich das auch gemacht.« Auf Websites zu Sendungen wie logo! oder Löwenzahn, aber auch in Zeitschriften wie etwa Geolino finden die Kinder zusätzlich Ideen und Anregungen.

Manche der Mädchen und Jungen machen sich jedoch auch über die Grenzen des Machbaren ihre Gedanken. So erzählt die elfjährige Katharina, dass sie auf keinen Fall auf die Heizung verzichten kann. »Das würd‘ ich nicht hinbekommen, vor allem nicht im Winter« – obwohl sie die Folgen der Klimaerwärmung fürchtet: »Ich hab Schiss, die Eisbären verlieren wirklich ihren Lebensraum.«

Umweltkatastrophen

Wenn das Thema Angst macht

Manche Kinder berichten, dass sie das Thema ängstigt. Vor allem wenn Tiere leiden oder sterben müssen, reagieren Kinder sensibel: »Die Tiere haben mir leid getan, die Elefanten werden immer gejagt wegen ihren Stoßzähnen« (Lisa, 7 Jahre).  Aber auch globale Bedrohungen wie Klimawandel samt beängstigender Zukunftsaussichten können eine Belastung darstellen: »Man macht sich schon Gedanken darüber, wie das in ein paar Jahren aussieht «, sagt der 13-jährige Aaron nachdenklich. Wenn Berichte über Umweltkatastrophen Ängste auslösen und Kinder mit Verunsicherung reagieren, sind Eltern und andere Bezugspersonen gefragt. Wichtig ist, den Mädchen und Jungen mit Erklärungen und Trost beizustehen, aber auch zu vermitteln, dass jeder Einzelne etwas zum Umweltschutz beitragen kann.


Verantwortung tragen

Umweltbewusst wird man nicht von alleine

Erfahrungen in der Natur und gemeinsame Erlebnisse im Freien sind eine wichtige Grundlage, sich über die Bedeutung von Natur- und Umweltschutz bewusst zu werden (siehe Interview). Zahlreiche Beispiele aus der Kinderbefragung zeigen aber auch, dass das Fernsehen einen wichtigen Beitrag leisten kann. Ausgewählte Sendungen können Wissen rund um Umwelt und Natur vermitteln, über Zusammenhänge aufklären und zum Ausprobieren ermutigen. Mindestens ebenso wichtig ist für Kinder der direkte Austausch mit Eltern und anderen Bezugspersonen. In Klaras Familie wird oft über das Thema gesprochen. Die Siebenjährige erzählt, wie ihre Eltern sie bestärken: »Ich erzähl‘s denen und die sagen dann: Gut, dass du mir sagst, was du darüber denkst.«

Kinder an Umweltthemen heranführen - ein Interview

Steffi Kreuzinger ist Umweltpädagogin und pädagogische Leiterin von Ökoprojekt Mobil-Spiel e.V. in München.

Wie können wir Kinder für Umweltthemen und Naturschutz interessieren?

Es ist wichtig, dass Kinder jeden Alters draußen die Natur erkunden und eigene Erfahrungen machen können. Die Grundidee dahinter ist, dass wir Menschen Teil der Natur sind und dies den Kindern so früh wie möglich bewusst werden sollte. Die Natur bietet unheimlich viel, was den Interessen und Bedürfnissen von Kindern entgegenkommt: Spielmaterialien wie etwa Stöcke, Steine oder Raum zum Erkunden. Dafür muss man nicht auf dem Land leben, das geht auch in der Stadt. Eltern können das ihren Kindern bewusst ermöglichen. Naturerlebnisse sind die Basis, um Interesse und Engagement für Natur und Umwelt zu wecken.

Was können Eltern, Bezugspersonen und das soziale Umfeld dazu beitragen?

Eltern können forschendes Vorbild sein. Sie können gemeinsam mit den Kindern Blumen auf der Wiese finden oder einen Salamander entdecken und betrachten. Das geht schon mit jungen Kindern. Oder Tomatensamen einpflanzen, gießen und die kleinen Pflänzchen wachsen sehen und vielleicht sogar eigene Tomaten ernten. Man muss nicht immer einen Riesenevent daraus machen. Wichtig ist, dass die Aktionen Spaß machen und leicht umsetzbar sind.

Wie kann Umwelt- und Naturschutz im Alltag aussehen?

Das Engagement für die Umwelt wird auch durch ein bewusstes Handeln im Alltag von Familien gefördert, durch eine ökologische Lebensweise. So kann man gemeinsam im Supermarkt nach Biosiegeln suchen oder wenig verpackte Produkte kaufen. Abfall und Recycling sind gute Einstiegsthemen. In einem Projekt hat zum Beispiel ein Mädchen recherchiert, dass die Tiere im Meer den Plastikmüll fressen und daran sterben – die Kinder waren sofort bereit, keine Plastiktüten mehr zu nehmen. Kinder sind da radikal! Konkret könnte die ganze Familie eine »Plastikdiät« machen. Und auch beim Thema Konsum können die Eltern Vorbild sein: Was brauchen wir wirklich? Was kaufen wir ein? Was werfen wir weg?

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.oekoprojekt-mobilspiel.de

www.praxis-umweltbildung.de

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