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Dabei sein ist alles? Wettbewerb in TV-Shows

30.08.2017

Kinder sind auf dem Weg zum Erwachsenwerden in einem ständigen Lernprozess. Soziale Beziehungen aufbauen, Sprache lernen, mobil werden:Viele Herausforderungen müssen im Laufe der Entwicklung bewältigt werden. Dabei wollen sich Mädchen und Jungen schon früh mit Gleichaltrigen messen. Sie interessieren sich dafür, wer größer ist, schneller rennen kann oder das bessere Spielzeug hat.

Wettbewerb gehört im Kinderalltag dazu, sei es Zuhause, beim Sport oder bei anderen Aktivitäten. Aber auch in den Medien begegnen Kindern Wettkampf, Konkurrenz und spielerische Auseinandersetzungen. Im Fernsehen gibt es eine Fülle an Formaten, die solche Elemente beinhalten. Was Kinder im TV sehen, was ihnen Spaß macht und welche Sendungen kritikwürdig sind, hat FLIMMO genauer unter die Lupe genommen*.

SPIEL, SPANNUNG, SPASS - SHOWS FÜR KINDER 

Im Kinderprogramm sind Spiel- und Rateshows wahre Dauerbrenner. Die Sendung 1, 2 oder 3 (ZDF/KiKA) zum Beispiel feierte gerade 40. Geburtstag. Die Mischung aus Teamwork, Quiz und spielerischer Wissensvermittlung kommt auch heute noch an. Die zehnjährige Linda etwa schaut 1, 2 oder 3 besonders gerne, weil hier Teamwork großgeschrieben wird. Ihr gefällt, »dass die Kinder zusammenarbeiten und dass es meistens spannende Themen sind, wo man auch was dazu lernen kann«. Das eigene Wissen auf den Prüfstand zu stellen und mit den Rateteams mitzufi ebern, ist vor allem für Kinder ab dem Grundschulalter ein großes Vergnügen. »Es ist halt interessant, wenn man gucken kann, was man selbst antworten würde«, findet der zwölfjährige Karl. Jüngeren Kindern, wie etwa dem achtjährigen Max, macht auch Maskottchen Piet Flosse Spaß, der mit kleinen Clips für Unterhaltung sorgt.

Auch die Sendung Klein gegen Groß (Das Erste) hat bei den befragten Kindern Fans. Die Familienshow stellt Kinder zwischen 5 und 14 Jahren in den Mittelpunkt. In spannenden Duellen mit Prominenten zeigen die Mädchen und Jungen ihre besonderen Talente. Die elfjährige Emilia verfolgt ganz gebannt, wie »sie sich freuen zu zeigen, dass sie so ein tolles Talent haben«. Die Möglichkeit, die eigenen Fähigkeiten zu präsentieren und dafür Anerkennung zu finden, ist für viele Kinder ein Herzenswunsch. Diese Sehnsucht wird vor allem bei Castingshows angesprochen. Seit Deutschland sucht den Superstar (DSDS) auf RTL eine regelrechte Erfolgswelle losgetreten hat, sind solche Sendungen aus dem Programm nicht mehr wegzudenken.

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CASTINGSHOWS FÜR KINDER

Die Bandbreite an Castingshows ist groß, auch Sendungen mit und für Kinder gibt es einige. Bei Dein Song (KiKA) steht der gesamte Prozess des Musikmachens im Vordergrund. Anders als bei DSDS und Co., wo die angehenden Superstars bekannte Lieder zum Besten geben, ist Dein Song ein Wettbewerb für kreative Nachwuchskünstler. Die Mädchen und Jungen werden aufgefordert, eigene Songs einzuschicken. Eine Jury entscheidet, welche Nachwuchs-musiker in ihrem Schaffensprozess begleitet werden. Dabei sind viele musikalische Einzelheiten wichtig, vom Arrangieren bis zur perfekten Studioaufnahme. Diesen Einblick schätzt etwa die 13-jährige Maria besonders: »Es macht halt einfach Spaß zu gucken, wie so ein Musikvideo entsteht, was sie produzieren und wie sie eine CD aufnehmen.«

Bei The Voice Kids (SAT.1) steht besonders das Coaching des musikalischen Nachwuchses im Vordergrund. Bei einer sogenannten Blind Audition – dem Vorsingen ohne Sichtkontakt – werden die Mädchen und Jungen von Profimusikern in ihre Teams gewählt, die dann mit den Kindern arbeiten. Die Coaches zeigen dabei viel Einfühlungsvermögen und Respekt. Ein kritischer Aspekt ist aus Sicht von FLIMMO die zum Teil sehr dramatische Inszenierung der Blind Auditions mit bombastischen Effekten und sehr emotionalen Momenten.

Tipps für Eltern

  • Die Begeisterung für Castingshows kann Kinder durchaus inspirieren, selbst Musikzu machen. Auch ohne Rampenlicht und TVKarriere ist Musizieren eine Bereicherung für alle Beteiligten und macht obendrein viel Spaß.
  • Rate- und Spielshows machen gemeinsam am meisten Vergnügen. Zusammen vor dem TV mitzuraten, ist für Klein und Groß ein Erlebnis. Aber auch ohne Medien lassen sich als Familienaktion tolle Ratespiele und knifflige Rätsel gestalten.
  • Gewinnen und Verlieren ist in vielen Familien ein großes Thema. Egal, ob sportlicher Wettbewerb oder Konkurrenz zwischen Geschwistern: Eltern sollten bei Fragen und Konflikten ein offenes Ohr haben und ein gutes Vorbild sein, sowohl bei Siegen als auch in der Niederlage.

MITFIEBERN UND MITREDEN

CASTINGSHOWS FÜR ERWACHSENE

Die Kinderbefragung hat einmal mehr gezeigt, dass auch Castingshows des Abendprogramms bei Kindern ein Thema sind. Deutschland sucht den Superstar, Germany‘s next Topmodel oder Der Bachelor sind Sendungen, über die man spricht, auch auf dem Schulhof und mit Freunden. Die Faszination für solche Formate ist nachvollziehbar, »weil es spannend ist, wer weiterkommt und man sich seine eigene Meinung machen kann, wer der Beste ist« (Boris, 12 Jahre). Problematisch ist der Umgang mit den Kandidatinnen und Kandidaten. Bei DSDS hat Dieter Bohlen fiese Kommentare zu seinem Markenzeichen gemacht. Laura (11 Jahre) stört es, »dass dann der Dieter Bohlen zu anderen Leuten so gemein ist«. Auch bei Germany‘s next Topmodel sind abfällige Kommentare keine Seltenheit. Ein fragwürdiges Schönheitsideal wird als Norm gesetzt, Individualität hat keine Chance. Solche Sendungen vermitteln die Vorstellung, dass man alles tun muss, was die Jury verlangt. Die siebenjährige Rosa bringt es auf den Punkt: »Die sagt, die dürfen das nicht machen, sonst fliegen sie raus. Die zwingt die halt dazu, das zu machen.«

In den Shows werden die Kandidatinnen in emotionalen Ausnahmesituationen und gestellten Konflikten gezeigt. »Das ist unterhaltsam, wegen Zickenkrieg und so«, findet die 13-jährige Lotte. Insgesamt wird die Inszenierung solcher Umgangsformen und das Menschenbild der Castingshows von den Mädchen und Jungen kaum hinterfragt. Hier sollten Eltern Stellung beziehen und mit älteren Kindern über fragwürdiges Sozialverhalten und fehlende Wertschätzung sprechen.

Auch beim Bachelor ist der »Zickenkrieg« um den Traumprinzen das Unterhaltungsprinzip. Das haarsträubende Frauenbild, das hier vermittelt wird, hinterlässt Spuren: »Da kriegt man schon mit, was man eher nicht machen sollte gegenüber Männern. Was bei Männern nicht so gut ankommt« (Carlotta, 12 Jahre). Generell besteht das Risiko, dass sich Kinder an Castingshows orientieren und Ruhm und medialer Aufmerksamkeit zu viel Bedeutung beimessen. Eltern sollten hier gegensteuern und realistische Maßstäbe vermitteln. Auch die Vermarktungsstrategien und Inszenierungsformen von Castingshows sollten auf dem Prüfstand stehen. Je mehr Kinder darüber wissen, was für ein Konzept hinter solchen Formaten steckt, desto weniger laufen sie Gefahr, sich falsche Vorstellungen und Hoffnungen zu machen.

Vermarktungsstrategien durchschauen

Zusätzliche Inhalte und Spiele zu Castingshows gibt es auch im Internet und als App.
Hier ist besondere Vorsicht geboten, weil versteckte Kosten lauern können. Zudem
sind Kindern die raffinierten Vermarktungsmethoden nicht unbedingt bewusst.

IMMER NUR GEWINNEN?

WARUM DAS THEMA FÜR KINDER WICHTIG IST

 Kinder müssen sich in Laufe ihrer Entwicklung mit Gewinnen und Verlieren, mit Wettbewerb und Konkurrenz beschäftigen. Für den achtjährigen Emre ist Gewinnen wichtig, denn »dann sind meine Eltern auch stolz auf mich«. Kinder sollen aber auch lernen, gute Verlierer zu sein, warum Teamwork wichtig ist und dass auch das bloße Mitmachen ein Erfolg sein kann. Für den zehnjährigen Jacques zum Beispiel ist es nicht schlimm beim sportlichen Wettkampf zu verlieren, »weil man lernt da draus und man hat halt einfach Spaß«.

Werte wie Fairness und Mitgefühl mit den Unterlegenen sind wichtig. Aber auch gesunder Ehrgeiz und Wettbewerbsfähigkeit können im Leben durchaus von Vorteil sein. Entscheidend ist, dass Kindern Raum gegeben wird, sich mit solchen Themen zu beschäftigen. Und vor allem ist es wichtig, die individuellen Stärken und Schwächen der Mädchen und Jungen anzuerkennen und sie nicht unter Druck zu setzen.

* FLIMMO hat in verschiedenen Bundesländern 70 Kinder zwischen 7 und 13 Jahren zum Thema »Wettbewerb in TV-Shows« befragt.

         Die 10 beliebtesten Shows*

  • 1, 2 oder 3 (ZDF/KiKA)
  • The Voice Kids (SAT.1)
  • Deutschland sucht den Superstar (RTL)
  • Dein Song (KiKA)
  • Klein gegen Groß (Das Erste)
  • Familienduell (RTL)
  • Germany’s next Topmodel (ProSieben)
  • Schlag den Star (ProSieben)
  • The Biggest Looser (SAT.1)
  • Der Bachelor (RTL)

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