Flimmo.tv
Suchen in:
Aktuelles TV-Programm Sendungsarchiv

Das Fernsehen als Tor zu Medien – und Konsumwelten von Kindern

10.07.2006

„Dragon Ball Z ist meine Lieblingssendung und mir macht es dann Spaß, wenn ich die Comics davon lesen kann, von den Folgen, die ich noch nicht gesehen habe.“

Wie für den 13-jährigen Moritz ist das Fernsehen für viele Kinder Ausgangspunkt und Zugpferd in den Medien- und Konsummarkt. 70 Prozent der Befragten gaben an, im TV-Programm Hinweise auf Anschlussmedien mit ihren Fernsehlieblingen zu finden. Die Strategie crossmedialer Vermarktung geht auf. Die Palette der Angebote, die an die junge Zielgruppe herangetragen wird, ist groß (s. „SpongeBob als Medienmarke“ weiter unten). Je älter die Kinder werden, desto breiter wird das Medienensemble, das sie nutzen und desto intensiver greifen sie darauf zurück.
Ist das Interesse erst einmal geweckt, werden die Wünsche an Eltern, Großeltern und andere Bezugspersonen herangetragen, nicht selten mit Vehemenz und Nachdruck. Für Eltern stellt sich die Frage, wie sie mit diesem Phänomen umgehen sollen. Die Bedeutung der Medienwelt ihrer Kinder ist für viele schwer zu durchschauen, das Angebot unübersichtlich. Doch es ist wichtig, Bedürfnisse, Motive und Vorlieben zu kennen, um Mädchen und Jungen kompetent zu begleiten und gegenzusteuern, wenn ihre Wege durch die Medienwelt problematische Züge annehmen.

Vorlieben und Verweise führen Kinder zu Anschlussmedien  

„SpongeBob als Medienmarke“

Der zehnjährige Tobias ist ein ausgemachter „SpongeBob"-Fan. Mit dieser Vorliebe ist er nicht alleine, denn die Zeichentrickserie mit dem tollpatschigen Meeresschwamm, der am Meeresgrund mit seinem Freund Patrick aberwitzige Abenteuer erlebt, ist derzeit der Renner bei den sieben bis 13-Jährigen. Deren Begeisterung für den abstrusen Humor und die überdrehte Darstellungsweise ist für die meisten Erwachsenen schwer nachzuvollziehen.

Tobias findet SpongeBob „so schön schräg und lustig“ und er verfolgt die Serie so oft wie möglich auf SuperRTL oder NICK. Damit gibt er sich aber nicht zufrieden: Serienstaffeln und Filme seiner Lieblingsserie sieht er sich auf DVD an, er spielt mit Vorliebe SpongeBob-Spiele auf seiner Spielkonsole, das Handy schmückt ein SpongeBob-Hintergrundbild und als Begleiter im Alltag hat er einen SpongeBob-Schlüsselanhänger dabei. „Da kann man einen Schlüssel dranhängen und das sieht ja dann gut aus“.

Kinder finden in ihren favorisierten Programmen vielfältige Verweise auf andere Medien. Im Anime-Programm auf RTL II werden zum Beispiel Spots zu Zeitschriften und Spielzeug mit den Helden aus „Pokémon", „Yu-Gi-Oh" & Co. präsentiert. Das Fan-Magazin „Pokito", das mehrmals zwischen den Serien ausgestrahlt wird, wartet ebenfalls mit Tipps und Hinweisen zu DVDs, Zeitschriften, Internetseiten und Fan-Artikeln auf. Auch Realserien des Erwachsenenprogramms wie „Charmed" (PRO 7), „O.C. California" (PRO 7) oder „Alarm für Cobra 11" (RTL) machen den Mädchen und Jungen Lust auf die zugehörige Medienpalette. Vor allem Mädchen sind die Zielgruppe für Zeitschriften und Fan-Artikel zu Soaps wie „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten" (RTL) und Telenovelas wie „Verliebt in Berlin" (SAT.1). In der Sendung wird auf die Internetseite hingewiesen, die neben Infos zur Sendung Gewinnspiele, kostenpflichtige Downloads von Handy-Klingeltönen sowie die Zeitschrift und das PC-Spiel „Verliebt in Berlin" anbietet.

Die wichtigsten Anschlussmedien*

Zeitungen/Zeitschriften
Bücher/Comics
Internetseiten
Computerspiele
Musik-/Hörmedien
Merchandising und Spielsachen
Video/DVD
Konsolenspiele
Kino
Handy
Radio

28
25
22
21
21
18
17
17
12
8
4

Spielen, zuhören, mitlesen – was Mädchen und Jungen reizt

In ihren Vorlieben für die jeweiligen Anschlussmedien unterscheiden sich die Mädchen und Jungen erheblich. Beim männlichen Teil der Befragten sind es vor allem die Spielmedien, die ihr Interesse wecken, egal ob PC- und Konsolenspiele oder Sammelkartenspiele. Der Wunsch, sich selbst im Spiel zu behaupten und die eigene Kompetenz und Stärke unter Beweis zu stellen, steht dabei im Vordergrund. Der elfjährige Florian erklärt warum: „Also mir macht beides Spaß, zu schauen oder selber zu spielen. Da muss ich selbst überlegen und das ist dann spannend.“ Auch Anschlussmedien zu Sendungen, die nicht für ihre Altersgruppe gedacht sind, kommen an. So spielt der zehnjährige Kadir die spektakulären Verfolgungsjagden seiner Lieblingsserie „Alarm für Cobra 11" (RTL) im gleichnamigen Konsolenspiel nach. Die Faszination ist groß, denn er kann im Spiel in die Rollen seiner Helden schlüpfen und bei den virtuellen Verfolgungsjagden sein fahrerisches Können und kämpferisches Geschick unter Beweis stellen.
Für die Mädchen sind Hörmedien von großer Bedeutung, wenn es um Anschlussmedien geht. Seien es CDs mit der Musik aus der Serie oder Hörgeschichten, mit denen sie die Geschichten der Fernsehlieblinge noch einmal erleben können. Außerdem sind für viele Fan-Zeitschriften und die zugehörigen Internetseiten eine wahre Fundgrube, um das Leben ihrer Stars auch außerhalb des Bildschirms zu verfolgen. Für die elfjährige Leonie ist die Zeitschrift zu „Verliebt in Berlin" ein Muss, „weil das kann man da immer noch mal angucken oder sich anhören“. Für die zehnjährige Marcella erfüllen die Zeitschriften zu ihrer Lieblingssoap „GZSZ" einen ähnlichen Zweck: „Das ist halt interessant, da kann man viel nachlesen über die Stars und so und was sie zur Zeit machen und was mit denen ist, die ausgestiegen sind.“
Daneben werden Comics und Bücher zu ihren Lieblingsserien von Mädchen und Jungen gleichermaßen genutzt, um die Zeit zu überbrücken, wenn die entsprechende Serie gerade nicht im Programm ist. „Weil da hab’ ich dann immer noch ’ne Erinnerung, wenn das dann wiederkommt“ (Jessika, sieben).

FLIMMO-Kinderbefragung

* FLIMMO hat 70 Kinder zwischen sieben und 13 Jahren zu ihrem Umgang mit Anschlussmedien zu Fernsehsendungen befragt. Den ausführlichen Bericht finden Sie hier

Im Medienmarkt zu Hause? – Eltern aufgepasst!

Auf die Frage nach den wichtigsten Anschlussmedien wurden von einigen Kindern auch Merchandising-Artikel und Spielzeug genannt. Die Unterscheidung zwischen Medieninhalten und Konsummarkt gerät ihnen durcheinander. In Anbetracht der Begeisterung, mit der sich Kinder vom Fernsehen in die Medien- und Konsumwelt leiten lassen, sind Eltern gefordert, ihren Kindern einen kritischen und bewussten Umgang nahe zu bringen. Vor allem sollte man im Blick haben, dass:

  • das Fernsehen als wichtigstes Zugmedium Heranwachsende gezielt ködert, um ihnen Produkte des Medien- und Konsummarktes schmackhaft zu machen. Umso wichtiger ist es, Kindern von klein auf die Strategien der Medienmacher auseinander zu setzen.
  • die Qualität einzelner Medienprodukte desselben Inhalts in punkto Altersangemessenheit und Qualität sehr unterschiedlich ausfallen kann. So ist die Zeichentrickserie „SpongeBob" mit ihrem schrägen Humor selbst für 1zwölf-/13-Jährige noch interessant, das zugehörige PC-/Konsolenspiel „Schlacht um Bikini Bottom“ spricht dagegen überwiegend Kinder bis Mitte des Grundschulalters an.
  •  ein Abtauchen in einseitige Medienwelten die Orientierung an medialen Vorbildern intensivieren kann. Werden Kindern dieselben Botschaften, etwa von kampfstarken Helden oder fragwürdigen Schönheitsidealen, auf verschiedenen medialen Wegen nahegebracht, erhöht sich das Risiko, dass sie diese Vorgaben zu ernst nehmen. In diesem Fall sollte der Schräglage, die durch die Medien vermittelt wird, in der Realität gegengesteuert werden.

Das große MedienQuiz von FLIMMO und TLM

Google + FLIMMO App
 

Copyright © Programmberatung für Eltern e.V. 1997 - 2017

Zum Seitenanfang