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"Die kämpfen zusammen gegen die Gefahren"

05.06.2002

„Sterbt, ihr Würmer, ihr werdet die Erde nicht vor ihrem Untergang retten!". Das rosafarbene, muskelbepackte Wesen mit den Löchern in der Brust und den eigenartigen Antennen am Körper grinst gemein. Seine menschlichen Gegner sind erstarrt vor Angst. Plötzlich verlässt eine Energiekugel den Körper des furchterregenden Monsters und explodiert in tausend tödliche Strahlen, die allen Menschen auf der Erde ein schnelles Ende bereiten.
Solche oder ähnliche Szenen sind in „Dragon Ball Z" keine Seltenheit. Für viele Eltern ist die Sendung ein rotes Tuch, denn „da geht es immer nur ums Kämpfen, und zwar ziemlich brutal." Viele Kinder dagegen- vor allem Jungs - können gar nicht genug bekommen von Son-Goku und den anderen starken Kämpfern dieser Vorabendserie. „Dragon Ball Z" ist eine japanische Zeichentrickserie, ein sogenanntes Anime. Dieses Genre erfreut sich schon länger großer Beliebtheit. Besonders großen Erfolg im Kinderzimmer feierten die „Pokémon"; im Moment sind unter anderem „Digimon", „Ranma ½", „DoReMi" und „Jeanne, die Kamikazediebin" im Nachmittagsprogramm zu sehen. Ein Ende dieser Welle ist noch lange nicht in Sicht, neue Sendungen stehen in den Startlöchern, die laufenden Serien erobern auch als Videokassetten, Comics und Videospiele den Markt.

Anime und Manga – Was ist das?

Der Begriff Manga bedeutet im Japanischen schlicht Comic, ein Anime ist ein Manga in bewegten Bildern. Im Heimatland von „Dragon Ball" & Co gehören Mangas und Animes zur Alltagskultur. Es gibt Geschichten für jeden Geschmack, für Erwachsene und für Kinder, für Jungen und für Mädchen. Aus europäischer Sicht sind diese Zeichentrickgeschichten gewöhnungsbedürftig. Die Gestalt der Figuren, ihre riesigen Augen und zum Teil merkwürdigen Proportionen, der holzschnittartige Zeichenstil usw. Auch bei den Inhalten kommt man nicht ohne weiteres mit: Sagengestalten aus „Dragon Ball", wie der Affenkönig Sun-Wu-Kong oder der Zauberdrache Shenlong, sind im Heimatland der Animes und Mangas sehr bekannt, hierzulande dürften diese Mythen nur wenigen geläufig sein. Auch die Faszination für asiatischen Kampfsport, wie er in „Dragon Ball" zelebriert wird, ist für das hiesige Publikum nicht immer nachvollziehbar.
Trotzdem hat sich auch in Deutschland eine richtige Fangemeinde für Mangas und Animes etabliert, die mit Enthusiasmus und viel Insiderwissen ihrem Hobby nachgeht und im Internet diskutiert. Die 14-jährige Sara* etwa, die vor allem im Internet nach Neuigkeiten und Informationen über ihr Hobby sucht: „Manchmal, wenn es in Deutschland noch nicht raus ist, dann kriegt man da schon einen Überblick. Das ist dann meistens in Englisch."

„Dragon Ball" und „Dragon Ball Z" – Die feinen Unterschiede

Für die Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die Serie „Dragon Ball Z" gedacht. Die umstrittene Anime-Serie läuft im Vorabendprogramm auf RTL 2, und zwar zur besten Sendezeit ab 19.00 Uhr. „Dragon Ball Z" ist die „erwachsenere" und dementsprechend härtere Fortsetzung der Serie „Dragon Ball", die im Nachmittagsprogramm zu sehen ist. Held beider Serien ist Son-Goku, ein außerirdischer Kämpfer für das Gute. Dem achtjährigen Markus gefällt „Dragon Ball" wesentlich besser: „In 'Dragon Ball' find ich es halt besser, dass der Son-Goku klein ist. Denn wenn man kleiner ist, ist man zwar nicht schneller, aber kann besser ausweichen. Wenn der Größere schlägt, kann er sich ganz schnell ducken." Außerdem „kämpfen die in 'Dragon Ball' nicht so hart, mit Attacken und so. Sie kämpfen nicht so harte Schläge, weil der Son-Goku noch nicht so feste kann." Dass bei „Dragon Ball Z" die Kontrahenten ernsthaft zu Schaden kommen, gefällt ihm überhaupt nicht. „Also, so unter sieben würde ich das nicht anschauen", meint Markus, „weil die meisten Kinder kriegen da auch manchmal Alpträume." Kein Wunder: „Wenn dann einer ein Loch durch den Körper hat, also wenn der praktisch stirbt, das kann man dann ja träumen in der Nacht, und da kriegt man dann schon Angst und erschrickt bestimmt in der Nacht."

„Dragon Ball Z" – Was ältere Jungs fasziniert

„Son-Goku ist ein Außerirdischer und der ist auf der Erde, und er muss die Welt vor lauter Bösewichtern, die eben nach und nach kommen, beschützen. Er macht's, weil er der Stärkste auf der Erde ist, und ja, das ist ja auch so sein Ziel in 'Dragon Ball Z', dass er eben der Stärkste ist, also dass er alle Grenzen sprengt", erzählt der 14-jährige Christoph. Son-Goku ist ein mächtiger Kämpfer, der mit Fäusten und Tritten ebenso umzugehen weiß, wie mit magischen Attacken. Er ist edelmütig und stolz und setzt sich für die Schwächeren (in diesem Fall die Menschheit) ein. Ein Held wie Son-Goku fasziniert Christoph, denn zum einen ist er stark, zum anderen kämpft er für eine gerechte Sache. Sich im Leben „durchboxen" zu können, ist ein Wunsch, den Jungs schon gegen Ende des Vorschulalters entwickeln. Oft ist es schwer, sich gegen die „Großen" durchzusetzen, sich in der Schule oder auch in der Familie zu behaupten. Da hat die Fantasie, ein schier unbesiegbarer Held zu sein, verständlicherweise viel Anziehungskraft. Die Tatsache, dass sich Son-Goku dem Bösen nicht alleine entgegenstellen muss, ist Christoph besonders wichtig: „Ja, wenn ein Kampf ansteht, dann kommen die auch alle zusammen zu dem Treffpunkt, wo der Kampf ist, falls halt der eine k.o. geht, dass sie dann gleich mitkämpfen können oder im Zweifelsfall, wenn der Feind zu stark ist, dass sie alle auf einmal helfen können."

*Auskunft über „Dragon Ball" & Co gaben uns drei junge Manga-Fans:

Der achtjährige Markus, der sich vor allem für „Pokémon" und „Dragon Ball" am Nachmittag interessiert, die 14-jährige Sara, die Mangas als Hobby betrachtet, und der gleichaltrige Christoph, der regelmäßig „Dragon Ball Z" verfolgt.

„Dragon Ball Z" – Was Eltern wissen sollten

„Dragon Ball Z" ist eine Sendung mit „Ecken und Kanten", die Kindern eine problematische Weltsicht vermittelt: Das Böse ist fast übermächtig, und ihm ist nur mit brutaler Gewalt beizukommen. Der Schlagabtausch zwischen Gut und Böse läuft nach immer gleichen Ritualen ab, meist solange, bis einer der Kontrahenten nicht mehr aufsteht. Es findet sich jedoch so gut wie kein normaler Alltag, der dem kämpferischen Geschehen einen Rahmen geben würde; so erscheinen die Auseinandersetzungen als Selbstzweck, der Kampf wird um des Kämpfens willen in Szene gesetzt.
Jüngeren Kindern kann es aufgrund der heftigen Gewaltszenen und der insgesamt bedrohlichen Atmosphäre schon mal ziemlich mulmig werden. Vor allem, wenn die Kämpfe an der dramatischsten Stelle unterbrochen werden – Auflösung darüber, ob der Held überlebt hat, gibt's erst in der nächsten Folge. Diese unaufgelöste Spannung ist für jüngere Mädchen und Jungen kaum auszuhalten. Deshalb sollten Eltern genau darauf achten, ob ihre Sprösslinge dem aufregenden Geschehen bei „Dragon Ball Z" gewachsen sind. Und den älteren „Dragon Ball Z"-Fans gilt es nachdrücklich klarzumachen, dass die Realität nach anderen Regeln funktioniert, als in der Serie dargestellt. *

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