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Gruselmomente im Fernsehen

01.01.2013
Flimmo Broschüre 1-2012

Aus der Dunkelheit löst sich ein Schatten, die Musik schwillt bedrohlich an und ein knarzendes Geräusch verkündet nahendes Unheil. "Oh nein, jetzt kommt der böse Geist!" Die siebenjährige Lara schlägt die Hände vors Gesicht und drückt sich eng an ihre Mutter. Eine Szene, die sich in vielen Familien schon einmal so oder so ähnlich abgespielt haben dürfte. Für Kinder sind unheimliche Szenen in Film und Fernsehen nicht so leicht zu verkraften. Bei kleinen Kindern genügen oft ein Schatten oder unheimliche Musik, aber auch laute, unvermittelte Geräusche oder ein plötzlicher Szenenwechsel können ihnen zu schaffen machen. Je älter die Kinder werden, desto mehr wächst die Neugier auf Spannendes und ihre Fähigkeit, mit Nervenkitzel umzugehen. Aber sollte man Kindern überhaupt Gruseliges im Fernsehen zumuten? Was können sie in welchem Alter verkraften? Wie schafft man eine Atmosphäre, in der Kinder wohlige "Angstlust" verspüren können?

Magisches Programm - Grusel für die Kleinen

Statt spannender Fernsehkost ist für kleine Kinder oft das Vorlesen einer Geschichte die bessere Wahl (siehe Kasten).

Lesen oder Sehen

Viele der bekanntesten Filme des Gruselgenres haben literarische Vorlagen: neben Blockbustern wie "Harry Potter" oder der Twilight-Saga natürlich auch Kinderbuchklassiker wie "Der kleine Vampir" oder "Der Grüffelo". Generell hat der Lesestoff den Vorteil gegenüber Verfilmungen, dass die Fantasie mehr Spielraum hat. Das Gelesene kann nach eigenen Vorstellungen vor dem inneren Auge entstehen. So können zu düstere oder beängstigende Details einfach weggelassen werden. Im Film wird alles gezeigt, eine individuelle "Lesart" der Geschichte wird damit erschwert. Natürlich sollte aber auch bei Romanen auf altersangemessene Geschichten geachtet werden. Kinder im Vorschulalter lieben es besonders, wenn sie Geschichten voller Magie vorgelesen bekommen.

Im Vorschulalter und zu Anfang des Grundschulalters sollten die Geschichten auf jeden Fall nicht zu aufregend sein. Gerade bei Kindern, die sich noch nicht so sicher sind, was in das Reich der Fantasie gehört und was nicht, ist Vorsicht geboten. Für viele Kinder dieses Alters ist die eigene, fantasievolle Gedankenwelt sehr lebendig. Böse Geister oder unheimliche Wesen können als reale Bedrohung erlebt werden.

Fernsehsendungen mit einer besonders liebenswerten Hauptfigur, wie etwa der freundliche Geist Casper (Caspers Gruselschule, KiKA), sind für diese Altersgruppe aber durchaus geeignet. Weil Casper lieber Spaß hat, anstatt Leute zu erschrecken, wird das Geschehen auf dem Bildschirm auch ängstlichen Kindern kaum zu viel. Auch Der kleine Vampir oder Hui Buh, das Schlossgespenst, sind Gruselgestalten, die schon die Fernsehanfänger genießen können. Egal ob Zeichentrickserie oder Spielfilm: Wichtig ist ein überschaubarer Spannungsbogen und vor allem ein gutes Ende.

Grundschulkinder sind vor allem von spannenden Geschichten angetan, in denen Freunde gemeinsam aufregende Abenteuer erleben. Die Mysteryserien Der Fluch des Falken (KiKA), Das Haus Anubis (Nickelodeon) oder die Filmreihe Die drei ??? bieten diesen dosierten Nervenkitzel in Kombination mit den Themen Freundschaft und Zusammenhalt. Solche Storys kommen bei Mädchen und Jungen gleichermaßen gut an.

Von Twilight bis Harry Potter - Grusel für die Großen

Geschichten vom Erwachsenwerden

Ältere Mädchen und Jungen halten schon mehr Spannung aus. Sie sind empfänglich für Gruselgeschichten, in denen sich junge Heldinnen und Helden gegen die Mächte der Finsternis bewähren müssen. Zentrales Motiv von Kassenschlagern wie Harry Potter ist der gefahrvolle Weg, den jugendliche Helden beschreiten müssen, um zu sich selbst zu finden. Diese Bewährungsproben sind in eine fantastische Rahmenhandlung eingebettet, voller magischer Geschehnisse, Legenden und Symbole. Der Nervenkitzel gehört dazu, in manchen Szenen kann es aber auch dieser Altersgruppe noch zu viel werden.

Wenn aus Angstlust Angst wird

Egal ob Harry Potter oder Twilight: Auch nicht alle älteren Kinder sind diesen Filmstoffen schon gewachsen. In dem Film Harry Potter und der Feuerkelch etwa kommt es zum Duell mit Erzfeind Lord Voldemort. Harry überlebt zwar, einem Mitschüler kostet es allerdings das Leben. Die Todesgefahr für Harry und seine Freunde wird effektvoll in Szene gesetzt, extreme Spannungsmomente und Schockeffekte inklusive. Mit dieser Art der Inszenierung können Kinder ab etwa zwölf Jahren im Normalfall umgehen. Aber auch wenn viele Kinder die Bücher kennen und deshalb wissen, was auf sie zukommt: Das Filmerlebnis kann schreckhafte und eher fernsehunerfahrene Kinder überfordern und ängstigen. Hier müssen Eltern abwägen: Einerseits sind schon Grundschulkinder eingefleischte Harry Potter-Fans, andererseits können ihnen die düsteren und unheimlichen Elemente dieser Filme Angst machen. Noch größer ist das Risiko bei Produktionen für Erwachsene wie etwa in der Serie Ghost Whisperer (Kabel 1) oder in Spielfilmen wie The Sixth Sense. Tote, die mit Lebenden in Kontakt treten und unheimliche Erscheinungen, die die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit verwischen, können selbst bei den Zwölfjährigen noch Angst und Verunsicherung auslösen.

Gruselfilme für Kinder

Jüngere Kinder

  • Der kleine Vampir (Spielfilm 2000) ab 6 Jahren
  • Monster AG (Animationsfilm 2001) ab 8 Jahren
  • Der Grüffelo (Animationsfilm 2009) ab 4 Jahren
  • Hotel Transsilvanien (Animationsfilm 2012) ab 9 Jahren

Ältere Kinder

  • A Nightmare before Christmas (Animationsfilm 1993) ab 10 Jahren
  • Krabat (Spielfilm 2008) ab 12 Jahren
  • Coraline (Animationsfilm 2009) ab 10 Jahren
  • ParaNorman (Animationsfilm 2012) ab 11 Jahren

Tipps für Eltern

Angst bewältigen lernen – wichtig für Kinder

Das Aufwachsen ist zwangsläufig mit Erlebnissen und Erfahrungen verbunden, die Verunsicherungen, Zweifel und Ängste auslösen können. Deshalb ist es so wichtig, dass Kinder lernen, damit umzugehen. Wenn dies gelingt, kann Selbstvertrauen und Selbstsicherheit entstehen. Aber: Kinder benötigen dabei die Hilfe der Eltern, damit sie sich sicher und geborgen fühlen. Problematisch wird es, wenn Eltern die Ängste ihrer Kinder nicht ernst nehmen. Kinder, die sich nicht auf ihre Eltern, auf deren Nähe und Trost verlassen können, werden in ihrer Entwicklung beeinträchtigt. Vor allem, wenn Angst als Druckmittel oder Erziehungsinstrument benutzt wird.

Gruselige Unterhaltung – gemeinsam erleben

Film und Fernsehen bieten einen großen Fundus an schaurigen Geschichten, die sich mit Ängsten beschäftigen. Das gemeinsame Filmerleben kann ein guter Ausgangspunkt sein, um über Ängste ins Gespräch zu kommen. Darüber hinaus sind besonders bei jüngeren Kindern Aktivitäten wie Malen, Spielen und Basteln zur Verarbeitung von spannenden oder gruseligen Fernseherlebnissen empfehlenswert. Mit älteren Kindern lassen sich auch Gestaltungsmittel zum Thema machen: Wie wird Spannung erzeugt, warum bekommt man in einer bestimmten Szene Angst? Wie wirken Geräusche, Licht und Schatten oder Musik?

Gruselparty mit Freunden

Nicht nur zu Halloween kann ein gruseliger Filmabend mit Freunden besonderen Spaß machen. In der Gruppe lässt sich so mancher Schreckmoment besser aushalten, mit Humor und Kommentaren wird Spannung abgebaut. So ist es möglich, einen wohligen Schauer zu verspüren – ohne, dass Ängste und Verunsicherung bleiben. Ganz nach dem Motto "Gemeinsam sind wir stark". 

FLIMMO bespricht das aktuelle Fernsehprogramm und gibt Tipps zur Fernseherziehung. Bewertet werden Sendungen, die 3- bis 13- jährige Mädchen und Jungen gerne sehen oder mit denen sie als Mitseher in Berührung kommen. Um einen schnellen Überblick zu bieten, sind die Sendungen in drei Rubriken eingeteilt.

Was bedeuten die Rubriken?

Kinder finden's prima

Von Sendungen in dieser Rubrik sind Kinder angetan. Auch wenn nicht alles den Geschmack der Erwachsenen trifft, "Kinder finden's prima".

Mit Ecken und Kanten

Sendungen in dieser Rubrik werden von Kindern gemocht, haben aber auch „Ecken und Kanten“. Sie enthalten Bestandteile, die Kindern nicht nur gut tun.

Nicht für Kinder

Sendungen in dieser Rubrik enthalten Bestandteile, die für Kinder schwer verkraftbar sind. Am besten hält man Kinder davon fern, da sie überfordert, verunsichert oder geängstigt werden können.

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