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Fernsehen am Abend – Kein Kinderspiel

03.01.2003

Konfliktfall „Primetime"

Die Fernsehzeit von 20 bis 22 Uhr hat es in sich. In der so genannten Primetime geht es für die Sender um bares Geld. Zu dieser Uhrzeit sitzen die meisten Zuschauer vor dem Fernseher und hohe Einschaltquoten sind gleichbedeutend mit hohen Werbeeinnahmen. Deshalb werden in dieser Zeit Filme und Serien platziert, von denen sich die Sender ein großes Publikum versprechen: Krimis, Action, dramatische Kost ... mit einem Wort: Erwachsenenprogramm.
Dass die Primetime im Familienalltag allerdings nicht alleine den Erwachsenen vorbehalten ist, dürfte sich bei den Senderverantwortlichen herumgesprochen haben. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass sehr viele Kinder nach 20 Uhr noch vor dem Fernseher sitzen, auch die jüngeren. Am Wochenende ist oft erst um 22 Uhr Schluss, bei einigen Kindern noch wesentlich später.
Was das Abendprogramm betrifft, sind Konflikte in den Familien vorprogrammiert: Die Erwachsenen wollen „ihr" Programm sehen, die Kinder unbedingt mit von der Partie sein. Bei vielen steckt schlicht der Wunsch dahinter, gemeinsam mit den „Großen" Familienzeit zu genießen und sich dabei geborgen zu fühlen. Kinder sind außerdem neugierig auf das Programm der Erwachsenen. Aus unterschiedlichen Gründen kann ihnen dieses aber zu schaffen machen. Umso wichtiger ist es, die Primetime-Angebote genau unter die Lupe zu nehmen.

Bunte Mischung mit Problemfällen

Dem Publikum wird am Abend ein breites Spektrum geboten: Von der Volksmusiksendung bis zum harten Kriegsfilm, von der Unterhaltungsshow bis zur Mystery-Serie ist so ziemlich alles geboten. Manches ist für das jüngere Publikum regelrecht maßgeschneidert: Zeichentrickfilme wie „Asterix in Amerika" oder Liebeskomödien wie „Notting Hill" bieten ihnen Spaß und Unterhaltung. Unter der Rubrik klassische Familienunterhaltung laufen auch Shows wie „Wer wird Millionär?" oder „Wetten, dass ...?".
Im Abendprogramm stoßen Kinder aber auch auf Angebote, die nicht „kinderverträglich" sind: Ein Problemfall sind Sendungen, die sie irritieren und belasten können, die ihnen fragwürdige Bilder vom menschlichen Miteinander oder von der Welt bieten. Krimis zum Beispiel sind im Abendprogramm nach wie vor beliebt: „Tatort" ist ein echter Dauerbrenner, – aber auch Produktionen wie „Bella Block", „Doppelter Einsatz" oder „SK Kölsch" sind Quotenhits. Die Fälle spielen in den Kindern vertrauten Umgebungen und sind meist sehr realitätsnah in Szene gesetzt. Geht es um Mord, Totschlag und andere Kapitalverbrechen, sind blutige Bilder und drastische Gewalt keine Seltenheit. Auch Actionfilme oder -serien wie „Alarm für Cobra 11" setzen auf Adrenalinstöße und blutrünstige Bilder: Massenkarambolagen, spektakuläre Unfälle und nervenaufreibende Verfolgungsjagden sind an der Tagesordnung. Besonders erschreckende Gewaltfolgen sind auch in Mystery- Serien wie „Akte X" zu sehen. Hier sind die Gewaltdarstellungen zudem noch mit unheimlichen Geschehnissen verknüpft. Weil Kinder diese nicht zweifelsfrei dem Reich der Fantasie zuordnen können, reagieren sie häufig mit Angst und Verunsicherung.
Ein weiterer Problemfall für Kinder sind Sendungen wie zum Beispiel die Reihe „Die dümmsten...der Welt", die kleine und größere Pannen und Peinlichkeiten ganz normaler Menschen zeigt. Auch in manchen Comedy-Shows wie „TV total" werden Privatleute zur Zielscheibe von Spott und Hohn.

Kinderbefragung

* FLIMMO hat im Dezember 2002 74 Kinder und zusätzlich Eltern zur Fernsehnutzung am Abend befragt.

Gewalt ist im Blick – Spott und Hohn dagegen kaum *

Für Renate M., Mutter zweier Söhne im Alter von acht und elf Jahren, ist klar: „Stefan Raab ist bei uns tabu. Den darf bei uns niemand schauen, weil der echt die Leute durch den Kakao zieht, also sich lustig macht auf Kosten anderer. Das finde ich einfach total blöd." Werden in Comedy-Shows ahnungslose Privatleute zur Lachnummer abgestempelt oder hoffnungsvolle Kandidaten in Shows wie „Deutschland sucht den Superstar" öffentlich „heruntergemacht", kann Kinder das irritieren oder ihnen im schlimmsten Fall fragwürdige Vorbilder liefern. Denn nicht alle Kinder sind so sensibel wie die neunjährige Anastasia: „Wo dann dauernd irgendwas Schlimmes passiert und alle dann darüber lachen, so was gefällt mir nicht so." Die Fragwürdigkeit solcher „Unterhaltungsangebote" zu durchschauen und die Konsequenzen für das eigene Bild vom menschlichen Miteinander zu hinterfragen, ist für Kinder nicht einfach. Deshalb ist es wichtig, sich mit den Mädchen und Jungen über die „Ecken und Kanten" dieser Art von Abendunterhaltung auseinander zu setzen. Vielen Eltern ist der Problemfall „Spott und Hohn" nicht bewusst.
Die meisten Mütter und Väter achten vor allem darauf, dass es im gemeinsamen Abendprogramm nicht zu aufregend zugeht. „Möglichst unblutig und möglichst wenig Gewalt im Prinzip", sagt Klaus K., Vater eines siebenjährigen Jungen. Die Mütter haben dabei die mögliche Überforderung der Kinder eher im Blick: „Da sagt meine Mama dem Papa andauernd, dass er mir bei schlimmen Sachen die Augen zuhalten soll. Aber das macht er nie", berichtet der elfjährige Henning. Im Gegensatz zu Henning, der über die Nachlässigkeit seines Vaters nicht gerade unglücklich ist, gibt es viele Kinder, die von sich aus wenig Interesse haben, allzu blutigem und gruseligem Geschehen auf der Mattscheibe beizuwohnen. „Wenn meine Mama Krimis anschaut, dann mag ich das nicht. Weil da kann ich nicht schlafen. Da kriege ich manchmal Alpträume und die sind so grässlich, wenn einer immer schießt. Das mag ich überhaupt nicht." Die achtjährige Cosima erinnert daran, dass das Lieblingsprogramm von Erwachsenen Kindern oft gar nicht behagt – ein Punkt, den Eltern bei der Wahl des Programms für den gemeinsamen Fernsehabend nicht vergessen sollten.

Tipps zum Fernsehen in der Primetime

Eins ist klar: Zur Primetime läuft kein Kinderprogramm. Hier stehen Eltern ganz besonders in der Verantwortung. Sie müssen entscheiden, was sie ihren Kindern zumuten können, und was nicht.

Wichtig ist:

  • Sich vorab kundig machen, was läuft
  • Im Zweifelsfall gemeinsam mit den Kindern gucken – oder auch gar nicht
  • Im Bedarfsfall mit Erklärungen zur Seite stehen
  • Sich vor allem bei Spielfilmen klar machen, dass hier auch für Kinder gilt: „Ganz oder gar nicht". Nach der ersten Hälfte eines spannenden Films kriegt man sie nur schwer ins Bett und außerdem ist das Ende oft wichtig, um die aufgebaute Spannung loszuwerden.

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