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Fernsehhelden – durch sie wird Fernsehen erst richtig schön

10.02.1999

Batman, Bart Simpson, Ronja Räubertochter, Al Bundy oder die Jungs und Mädels aus „Gute Zeiten, schlechte Zeiten" – sie alle lassen die Herzen der Kinder höher schlagen. Vielen Eltern hingegen sind die Fernsehlieblinge ihrer Sprößlinge eher suspekt und der Gedanke, der Nachwuchs könnte sich an diesen ein Vorbild nehmen, macht sie nervös. Doch Kinder haben ihren eigenen Kopf, und was ihre Heldinnen und Helden betrifft, lassen sie sich von den Erwachsenen schon gar keine Vorschriften machen. Welche Fernsehfiguren vor ihren Augen Gnade finden oder gar zu Lieblingsstars avancieren, hängt vom Geschlecht und vom Alter der Kinder ab und natürlich von ihren ganz persönlichen Vorlieben. Denn je nachdem, welche Themen den Kindern gerade in Kopf und Bauch rumgehen, werden für sie ganz unterschiedliche Fernsehfiguren interessant. Eins aber müssen alle garantieren, die zum Helden oder zur Heldin erkoren werden wollen: Spaß und Spannung.

Wahre Helden und coole Typen – Die Lieblinge der Jungen

Mutige Helden, die sich mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zu behaupten wissen, stehen besonders bei den jüngeren Buben hoch im Kurs. Gerade ihnen, die es selbst oft nicht ganz einfach haben, sich zu behaupten, imponiert das Durchsetzungsvermögen von Heroen, die nicht nur für sich selbst kämpfen, sondern sich, wie „Superman" oder die „Ninja Turtles", dem Kampf für die Gerechtigkeit verschrieben haben. Und solange diese Helden den Bösen die Suppe versalzen, dürfen sie getrost auch magische Kräfte zu Hilfe nehmen. In der Vorliebe für derart heldenhafte Männlichkeit spiegelt sich das Bedürfnis der Jüngsten, stark und erfolgreich zu sein – eben so wie ihre Fernsehvorbilder. Von den Erwachsenen oder den älteren Geschwistern oft nicht ernst genommen, träumen sie davon, Erfolg und Anerkennung zu finden und den 'Stärkeren' endlich auch mal zu zeigen, wo's langgeht. Werden die Jungen älter, wenden sie sich Figuren zu, die in ihrem Verhalten und Handeln realistischer sind als so manch simpel gestrickter Zeichentrickheld. Zauberkräfte und übermenschliche Fähigkeiten sind 'out'. Helden, die durch Raffinesse, coole Sprüche und mit Hilfe überlegener technischer Ausstattung brillieren, übernehmen nun die Führung im Rennen um die Gunst der Jungs. Leichtes Spiel haben da beispielsweise starke Typen wie die Männer des „A-Team", die den Schurken auf Schritt und Tritt das Leben schwer machen. Daneben gibt es aber durchaus auch Jungen, die sich für die ewig kämpfenden Heroen nicht mehr so recht erwärmen können. Für sie darf es ruhig auch mal ein Verlierertyp sein: Der Schuhverkäufer Al Bundy aus „Eine schrecklich nette Familie" ist ein echter Antiheld. Dass er es wohl nie zu etwas bringen wird, stört ihn nicht weiter; mit Schlagfertigkeit versucht er, sein Leben in den Griff zu bekommen und hat so wenigstens immer das letzte Wort. Seine trockenen Sprüche, die er zu jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit klopft, bereiten seinen Fans einen Heidenspaß. Und gerade weil es bei den Bundys zum guten Ton gehört, sich so richtig daneben zu benehmen und die ach so heile Familienidylle manch anderer Fernsehfamilien ad absurdum zu führen, hat diese Sippschaft beim älteren Kinderpublikum, und eben ganz besonders bei den Jungen, so großen Erfolg.

Im Fernsehen Mangelware – Heldinnen für Mädchen

An männlichen Muskelprotzen à la „Herkules" können Mädchen – egal welchen Alters – überhaupt nichts finden. Die jüngeren unter ihnen fühlen sich zu kindlichen Figuren hingezogen, die Spannendes erleben und mit Grips, Humor und Geschick zum Ziel kommen. So eine ist beispielsweise der kleine Drache „Tabaluga". Wenn er und seine Freunde ihre fantasievollen Abenteuer erleben, und dabei ihren Widersachern so manches Mal ein Schnippchen schlagen, dann ist das für sie Fernsehvergnügen pur. Im Grundschulalter halten Mädchen Ausschau nach weiblichen Vorbildern, die ihnen Anregungen für ihr Mädchensein und für ihre zukünftige Rolle als Frau bieten. Im Fernsehen suchen sie da leider oft vergeblich. Nicht nur, dass Frauen im Programm ohnehin spärlich vertreten sind, die meisten dienen darüber hinaus auch nur als schmückendes Beiwerk oder geraten, wenn sie denn im Mittelpunkt stehen wie „Xena", zum schlichten Abklatsch männlicher Haudegen. Figuren wie die selbstbewußte „Ronja Räubertochter" sind die Ausnahme: Das aufgeweckte Mädel lässt sich von nichts und niemandem ins Bockshorn jagen, hat in jeder Lage gute Ideen parat und setzt sich vehement für andere ein. Als angehenden Teenagern liegen den größeren Mädchen schließlich die Akteurinnen aus den Soaps „Marienhof" oder „Gute Zeiten, schlechte Zeiten" am Herzen. Die Themen kreisen hier um Liebe, Eifersucht und Freundschaft, und in die dazugehörigen Hochs und Tiefs können die Mädchen sich bestens hineinversetzen, können sich mit den Filmfiguren freuen und mit ihnen leiden. Neben den Frauen nehmen sie nun aber auch die Männer ganz genau unter die Lupe. Sieht einer toll aus und kann obendrein wie Ricky Marquart aus „Gute Zeiten, schlechte Zeiten" auch noch gut singen, geraten sie regelrecht ins Schwärmen. So einen Traumtypen hätten sie gerne zum Freund. 

Kinder machen was draus

Auf der Suche nach Vorbildern für ihr eigenes Handeln durchforsten Kinder das Fernsehprogramm. Viele Angebote erweisen sich jedoch als wenig geeignet, weil Handlungsmuster und Konfliktlösungen arg oberflächlich dargestellt werden. Vielschichtige Figuren sind im Fernsehen nicht gerade an der Tagesordnung. Dank ihrer unerschöpflichen Fantasie schaffen es die Kinder aber trotzdem immer wieder, auch nur die kleinsten brauchbaren Ansatzpunkte in Geschichte und Figuren für ihre eigene Orientierung herauszuholen. Allerdings nützt ihnen die ganze Fantasie herzlich wenig, wenn in den Sendungen rein gar nichts Brauchbares enthalten ist.

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