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Humor im Fernsehen - Wie Kinder Spaß verstehen

01.05.2012
Flimmo Broschüre 2-2012

Beim Thema Humor scheiden sich die Geister. Was mache Menschen zum Brüllen finden, entlockt anderen nicht einmal ein müdes Lächeln. Egal ob Jung oder Alt: Humor hat eine wichtige Funktion im Leben. Lachen kann befreien, von Kummer ablenken, Spannung auflösen und vieles mehr. Bei Kindern ist das Bedürfnis nach Spaß und Unterhaltung besonders ausgeprägt. Im Fernsehen finden sie jede Menge Geschichten und Figuren, die sie zum Lachen bringen. Doch nicht alles kommt bei Kindern an, manches überfordert sie und einiges sollte ihnen am besten erspart bleiben.*

Jüngere Kinder - Komische Sachen zum Lachen

Kinder Anfang des Grundschulalters achten vor allem auf Aussehen und Verhalten ihrer Lieblingsfiguren. Sehen sie ulkig aus oder machen sie komische Sachen, ist der Spaßfaktor groß. Für die sechsjährige Melissa ist das vor allem bei "SpongeBob" (Nickelodeon) der Fall: "Also der Thaddäus der ist immer so witzig, der macht immer so eine Grimasse." Werden die Kinder älter, pochen sie darauf, über den ‚Kinderkram‘ hinausgewachsen zu sein. Für den siebenjährigen Julian zum Beispiel "ist KiKANiNCHEN (KiKA) nur was für Kleinkinder". 

Situationskomik kommt an

Mit zunehmendem Alter gewinnen Situationskomik und witzige Wortgefechte an Bedeutung. Wortverdreher oder alberne Ausdrücke machen Kindern im Grundschulalter besonderen Spaß. Außerdem sind bei dieser Altersgruppe Figuren beliebt, die aus der Rolle fallen und sich daneben benehmen. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala steht die Zeichentrickserie "Die Simpsons" (PRO 7). Auch wenn die Sendung eigentlich für Erwachsene gedacht ist, und gerade jüngere Kinder viele Anspielungen und Bezüge kaum verstehen, kommen der aufmüpfige Bart und seine schräge Sippe schon bei Grundschulkindern an. 

Ältere Kinder - Antihelden und Sitcoms

Ironie verstehen?

Kinder im Vorschulalter können Ironie noch nicht einordnen, sie nehmen eine Aussage wörtlich: Was gesagt wird, ist auch so gemeint. Ab etwa Mitte des Grundschulalters
beginnen die Kinder zu verstehen, dass das Gesagte auch eine unterschwellige Bedeutung haben kann. Ältere Kinder können Ironie und Übertreibungen meist nachvollziehen.

 

Vor allem angehende Teenager sind vom eigenwilligen Humor der Simpsons begeistert. Für die 13-jährige Julia liegt das daran, "dass die eine besondere Art haben, sich zu benehmen. Dass dieser Homer die ganze Zeit Bier trinkt und Unsinn macht. Und die Maggie ist ein schlaues Baby und auch Lisa ist total intelligent. Die Männer sind die Dummen und die Frauen die Schlauen". Auch wenn viele Erwachsene solche Rollenbilder kritisch sehen, Antihelden wie Bart und dessen Vater Homer treffen vor allem bei den älteren Jungen ins Schwarze. Sie lieben es, wenn mit respektlosem Humor Familienidylle und Konventionen des Alltags durch den Kakao gezogen werden.


"Die machen nicht so gute Witze und manchmal nerven die so richtig." 

(die zwölfjährige Anna-Lena zu Comedians wie Mario Barth)

Jugendliche Spaßvögel

Sitcoms mit jugendlichen Protagonisten sind für Mädchen und Jungen gleichermaßen unterhaltsam. Bei "iCarly" (Nickelodeon), "Hannah Montana" oder "Zack & Cody" (beide SuperRTL) kommen sie auf ihre Kosten. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Kabbeleien und Streiche unter Geschwistern oder Freunden gelegt. Weniger begeistert sind die befragten Kinder von Sitcoms für Erwachsene: "How I Met Your Mother" oder "Big Bang Theory" (beide PRO 7) treffen nicht ihren Geschmack. Auch Comedians wie Mario Barth oder Atze Schröder sind bei Kindern eher unbeliebt. Abgedroschene Witze über Geschlechterklischees oder andere Erwachsenenthemen liegen den meisten Mädchen und Jungen fern.

Komik trifft Reality

Ältere Kinder entdecken im Fernsehen noch eine ganz andere Form von Humor. Für einige sind die zahlreichen Scripted-Reality-Dokus à la "Verdachtsfälle" (RTL) unfreiwillig komisch. Laura (13 Jahre) kann sich über solche Sendungen köstlich amüsieren: "Das hat ja auch so einen Namen: Hartz 4-TV, weil es so wenig Niveau hat. Das ist so schlecht, ich find es schon wieder lustig, was die so darstellen." Ob Kinder die angeblichen "Reality"-Formate als gemachte Fernsehrealität durchschauen, hängt vom Alter und der Fernseherfahrung ab. Auch die Einschätzung der Eltern über Sinn und Unsinn solcher Formate ist entscheidend. Laura zumindest leuchtet es ein, dass ihre Eltern die "Verdachtsfälle" verbieten, "weil das auch nicht so gut abfärbt auf mich, wenn ich die ganze Zeit solche Sachen gucke".

Schadenfreude - Dauerbrenner im Programm

Beim Thema Schadenfreude scheiden sich die Geister. "Upps! – Die Pannenshow (SuperRTL) steht bei vielen Kindern auf dem Programm, und einige, wie der zwölfjährige Tobias, finden es lustig, "wie tollpatschig manche Leute sind". Den meisten Kindern geht es bei solchen Szenen eigentlich nicht um Schadenfreude, sondern darum, komische, unerwartete und eigenwillige Situationen zu verfolgen. Ähnlich wie bei Slapstick-Einlagen in Filmen oder Serien sprechen Pannenshows die Kinder durch die direkte Situationskomik an.

Schmerzhafter Humor

"Manchmal lach ich mit und manchmal sag‘ ich aua!"

(die neunjährige Leonie zu "Upps! Die Pannenshow")

Es gibt aber auch Szenen, die buchstäblich über die Schmerzgrenze hinausgehen. "Wenn man über Sachen lacht, wo es den Leuten echt weh tut. Ich finde, darüber sollte man sich einfach nicht lustig machen", meint der achtjährige Moritz. Besonders gemein ist es, wenn die Schadenfreude auf Kosten von Kindern geht: "Weil manchmal, da geht’s um kleine Kinder und die stoßen sich immer. Das ist nicht witzig, weil das sind ja auch nur Kinder" (Lena, 11 Jahre). Dass solche Szenen schmerzhafte Folgen für die Betroffenen haben können, sollte man Kindern klarmachen. Häme und Schadenfreude sind vor allem dann ein fragwürdiger Unterhaltungswert, wenn Menschen Opfer von schmerzhaften Missgeschicken und Unfällen werden. Auch wenn in Zeiten von youtube & Co. das Verschicken von Videoschnipseln mit solchen Inhalten zur allgemeinen Belustigung Alltag geworden ist. Wenn die Witze auf Kosten von Menschen mit Behinderungen gehen, hört der Spaß eindeutig auf und das sehen auch viele der befragten Kinder so. Der zwölfjährige Lukas zum Beispiel ist empört, "wenn Comedy-Dinger jemanden Behindertes nachmachen". 

 Lustiges zum Anschauen

Jüngere Kinder (6-10-Jährige)

  • Wallace & Gromit (Knettrickfilme 1998-2007)
  • Toy Story I - II (Animationsfilme 1996- 2009)
  • Mr. Bean macht Ferien (Spielfilm 2007)
  • Asterix bei den Olympischen Spielen (Spielfilm 2008)

Ältere Kinder (11-13-Jährige)

  • Die Abenteuer von Rocky und Bullwinkle (Spielfilm 1999)
  • Der Schuh des Manitu (Spielfilm 2001)
  • 7 Zwerge II – Der Wald ist nicht genug (Spielfilm 2006)
  • Abgedreht (Spielfilm 2008)

 

Wichtig für Eltern - Kinder lachen anders

Wie Kinder Humor verstehen, hängt mit ihrer geistigen Entwicklung zusammen, und den Themen, mit denen sie sich gerade beschäftigen. Das erklärt auch, warum Kinder über Dinge lachen, die Erwachsene als kindisch abtun. Andererseits gibt es Sendungen, die Erwachsene lustig finden, die aber Kinder völlig kalt lassen. Wichtig ist, den Mädchen und Jungen ihren eigenen Humor zu lassen.

Grenzen ziehen

Bei Sendungen wie "South Park" (Comedy Central) sollte allerdings eine Grenze gezogen werden. Die Zeichentrickserie ist bei manchen Erwachsenen Kult, für Kinder allerdings unzumutbar. Der schwarze Humor der Serie macht weder vor Minderheiten noch vor Tabuthemen halt. Verstören können insbesondere Szenen, die drastische Gewalt enthalten oder sexuelle Themen behandeln. Für den 13-jährigen Markus ist es nachvollziehbar, dass South Park nicht für Kinder geeignet ist: "Manche Sachen sind ganz lustig, aber das meiste ist eher derb als lustig." Wenn unklar ist, ob der Humor der Sendung für das eigene Kind das Richtige ist, am besten vorab unter www.flimmo.tv informieren oder im Zweifelsfall gemeinsam schauen.

* FLIMMO hat 70 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren zum Thema "Humor im Fernsehen" befragt. Den vollständigen Auswertungsbericht finden Sie hier.

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