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(K)ein Fall für Kinder? Krimis im TV

03.01.2014

Von Morden im Norden (Das Erste) über CSI (SAT.1) bis zu Alarm für Cobra 11 (RTL): Krimis sind in Deutschland nach wie vor der Renner. Egal ob am Vorabend, zur Primetime oder spät in der Nacht: Irgendwo flimmert garantiert eine Kriminalgeschichte über den Bildschirm. Für viele Erwachsene gehört der Krimi zum Fernsehen wie die Butter aufs Brot. Aber auch Krimis und Detektivgeschichten für Kinder haben Hochkonjunktur: Klassiker wie Die drei ??? sind seit Jahrzehnten beliebt, als Bücher, Hörspiele und Filme. Im Fernsehen gehen zum Beispiel Die Pfefferkörner (KiKA) auf Spurensuche, die Fälle der Fünf Freunde (SuperRTL) wurden in den letzten Jahren mehrmals neu verfilmt und D.I.E. – Detektive im Einsatz (SuperRTL) zeigen, wie Ermittlungsarbeit in der Nachbarschaft funktioniert.

Für Eltern stellt sich die Frage, was von diesen Sendungen zu halten ist. Welche Krimikost ist für Kinder überhaupt geeignet: Ist der sonntägliche Tatort (Das Erste) als Familienritual für ältere Kinder okay? Ab welchem Alter können die Mädchen und Jungen Kinderkrimis gucken? Was fasziniert Kinder überhaupt an spannenden Detektivgeschichten? Und wann schlägt der angenehme Nervenkitzel in Angst und Verunsicherung um? (FLIMMO hat 69 Kinder im Alter zwischen 7 und 13 Jahren zum Thema Krimis befragt)

Krimis für Kinder

Nervenkitzel inklusive

Kinderkrimis sind bei Mädchen und Jungen gleichermaßen beliebt. Ein Grund dafür ist, dass in Sendungen wie Die Pfefferkörner, Fünf Freunde, TKKG oder Ein Fall für B.A.R.Z. (KiKA) Kinder und Jugendliche auf Verbrecherjagd gehen. Die Vorstellung, selbst knifflige Fälle zu lösen, schlauer zu sein als die Erwachsenen und sich in Gefahrensituationen zu bewähren, ist für Kinder äußerst verlockend. Die Mädchen und Jungen vor dem Bildschirm können mit den jungen Ermittlern nach Herzenslust mitfiebern. Für die achtjährige Marie sind Kinder aus ganz praktischen Gründen besser für die Verbrecherjagd geeignet, weil "die auch noch jünger sind, die können vielleicht schneller rennen".

Was macht einen Kinderkrimi aus?

Besonders gut gefällt den jungen Krimifans der Zusammenhalt unter den Protagonisten. Der elfjährige Robin ist begeistert, dass die Fünf Freunde "keinen im Stich lassen, wenn einer in Gefahr ist". Kinder wünschen sich ebenso gute Freunde, auf die immer Verlass ist. Für die achtjährige Nadine ist es außerdem wichtig, dass Die Vorstadtkrokodile oder Die drei ??? "jetzt nicht so gruselig sind wie manche Krimis".

Statt Mord und Totschlag stehen vermisste Personen, Diebstahl, mysteriöse Orte oder geheimnisvolle Ereignisse auf dem Programm. Entscheidend ist, dass Kinderkrimis ohne Bilder von Mordopfern und drastischer Gewaltdarstellung auskommen und auch die Spannungskurve moderat ausfällt.

Krimi-Check: Spannung zum Lesen und Hören

Krimi- oder Detektivgeschichten in Form von Hör- oder Lesestoff sind bei Kindern sehr beliebt. Der Buch- und Hörspielmarkt hält für alle Altersklassen eine große Auswahl bereit. Folgende Seiten helfen bei der Suche:

Wird es den Mädchen und Jungen dann doch einmal zu spannend, greifen sie auf Vermeidungsstrategien zurück. Wie die neunjährige Lena: "Ich stecke dann meistens meinen Kopf in die Decke, damit ich nichts mehr sehe und halt mir die Ohren zu."

Ernste Kost bei Krimi.de

Speziell für ältere Kinder ab etwa elf Jahren und Jugendliche ist die Sendung Krimi.de (KiKA) gedacht. Die 13-jährige Hannah findet, "es ist nicht was für ganz Kleine, aber auch nicht gleich für Erwachsene, mit Mördern und so". Bei Krimi.de werden gesellschaftliche Problemlagen aufgegriffen, die auch Kinder betreffen können: Mobbing, Armut, Gewalt in der Familie. Keine leichte Kost, die gerade sensibleren Kindern sehr nahe gehen kann. Um die Verarbeitung der zum Teil bedrückenden Themen zu unterstützen, werden die Sendungen von Diskussionen im Programm begleitet. Außerdem können Kinder vor dem Bildschirm ihre Fragen, Ängste und Gedanken in Form von E-Mails oder Briefen an den Sender loswerden. Positiv festzuhalten ist, dass die Sendung auf Schwarz-Weiß-Malerei verzichtet. Stattdessen werden die Perspektiven von Opfern und Tätern einbezogen und gesellschaftliche Zusammenhänge gezeigt. Im Einzelfall müssen Eltern selbst entscheiden, ob die eigenen Kinder den Fällen von Krimi.de schon gewachsen sind. Die Entscheidung ist nicht einfach, da die Folgen sehr unterschiedlich sind und je nach Thema Kindern mehr oder weniger zusetzen können. Im Zweifel empfiehlt es sich, die Sendung gemeinsam anzuschauen.

D.I.E - Detektive im Einsatz

Bei jüngeren Kindern, die selbst gerne Detektiv spielen, sind D.I.E. – Detektive im Einsatz besonders beliebt. Hier können Mädchen und Jungen vor dem Bildschirm gleichaltrigen Hobby-Ermittlern über die Schultern schauen. Es geht um verschwundene Gegenstände und andere Rätsel des Alltags. Mit einfachen Mitteln und reichlich Fantasie werden Indizien zusammengetragen und Schlüsse gezogen. Im Gegensatz zu fiktionalen Geschichten geht es weniger darum, Spannung zu erzeugen, sondern eher um Ideen und Anregungen zum selbst Ausprobieren. Für den achtjährigen Nico ist die Sendung ebenso spannend wie aufschlussreich, "weil die so Sachen benutzen, die cool sind. Einmal haben die so Strichlinien gemacht, wie groß das ist. Und wer genauso groß ist, konnte dann rausgefunden werden, richtig schnell sogar."

Mordfälle am Abend

Kein Programm für Kinder

Wie sich in der FLIMMO-Befragung zeigt, stehen bei einigen Kindern auch Erwachsenenkrimis auf dem Programm. Vor allem mit Tatort und den amerikanischen CSI-Serien sind manche Mädchen und Jungen schon in Berührung gekommen. Oft sind sie nur "Mitseher", weil sie die Sendungen im Grunde nicht interessieren. Einige der ältesten Kinder sind bei CSI, Navy CIS und ähnlichen Krimis allerdings schon auf den Geschmack gekommen.

Die temporeiche Inszenierung, raffinierte Technik und "coole" Ermittler mit privaten Problemen faszinieren sie. Dabei sind die Ermittlungsmethoden samt detaillierten Obduktionen, das Nachstellen von Tathergängen und drastische Gewalt selbst für ältere Kinder schwer zu verkraften.

Tipps für Eltern – Überforderung vermeiden

Für Eltern ist es nicht immer einfach, das Bedürfnis der Mädchen und Jungen nach spannender Unterhaltung richtig einzuschätzen. Manchmal genügt schon ein Schatten oder beängstigende Musik und aus wohligem Schauer wird Verunsicherung. Damit die Stimmung nicht kippt, hier einige Tipps:

  • Gerade den Jüngeren können Kinderkrimis in Film und Fernsehen zu aufregend werden. Als Alternative gibt es zum Beispiel TKKG, Die drei ??? und viele andere Detektivgeschichten auch als Bücher oder Hörgeschichten (siehe Kasten oben).
  • Wenn Kinder beginnen, das Genre Krimi für sich zu entdecken, sollten Eltern eine sehr sorgfältige Auswahl treffen. Am besten ist es, sich über Altersgerechtes zu informieren und gemeinsam mit den Mädchen und Jungen zu entscheiden, ob die Sendung geeignet ist, oder nicht.
  • Der Tatort oder ähnliche Krimis für Erwachsene eignen sich nicht als Familienprogramm. Suchen Sie stattdessen nach altersgerechten Filmen (siehe Kasten unten), die auch für jüngere Zuseher verkraftbar sind. Beim gemeinsamen Krimischauen sollte man auf jeden Fall für eine Atmosphäre von Sicherheit und Geborgenheit sorgen.

Die 13-jährige Melissa erzählt, dass sie von einer Szene besonders geschockt war: "Als der Gerichtsmediziner den Magen einer Leiche rausgenommen und ihn aufgeschnitten hat und der ganze Inhalt rausgeflossen ist."

Aber auch deutsche Krimis für Erwachsene wie Tatort oder SOKO Leipzig (ZDF) können Kinder überfordern und ängstigen. Insbesondere, wenn Mord und Totschlag realitätsnah in Szene gesetzt werden, kommen auch ältere Kinder an ihre Grenzen. Drehen sich die Fälle dann auch noch um Gewalt in der Familie oder um Kindesmissbrauch, reagieren die meisten Kinder mit Angst und Verunsicherung. Im Vergleich zu Erwachsenen können sie sich weniger gut vom Bildschirmgeschehen distanzieren. Sie beziehen die dramatischen Szenen auf sich und fürchten, selbst Opfer eines Verbrechens zu werden.

Ausgewählte Krimifilme für Kinder - Nervenkitzel altersgerecht

ab 6 Jahren:

ab 8 Jahren:

  • Das Haus der Krokodile (Realfilm, 2012, 85 Min.)
  • Professor Layton und die ewige Diva (Zeichentrickfilm, 2009, 99 Min.)
  • Wallace & Gromit – Auf Leben und Brot (Knettrickfilm, 2008, 30 Min.)

ab 10 Jahren:

Besprechungen zu mehr als 10.000 Filmen und Serien, die nicht im aktuellen Fernsehprogramm laufen, finden Sie im Sendungsarchiv von FLIMMO unter www.flimmo.tv/sendungsarchiv.

    FLIMMO bespricht das aktuelle Fernsehprogramm und gibt Tipps zur Fernseherziehung. Bewertet werden Sendungen, die 3- bis 13- jährige Mädchen und Jungen gerne sehen oder mit denen sie als Mitseher in Berührung kommen. Um einen schnellen Überblick zu bieten, sind die Sendungen in drei Rubriken eingeteilt.

    Was bedeuten die Rubriken?

    Kinder finden's prima

    Von Sendungen in dieser Rubrik sind Kinder angetan. Auch wenn nicht alles den Geschmack der Erwachsenen trifft, "Kinder finden's prima".

    Mit Ecken und Kanten

    Sendungen in dieser Rubrik werden von Kindern gemocht, haben aber auch „Ecken und Kanten“. Sie enthalten Bestandteile, die Kindern nicht nur gut tun.

    Nicht für Kinder

    Sendungen in dieser Rubrik enthalten Bestandteile, die für Kinder schwer verkraftbar sind. Am besten hält man Kinder davon fern, da sie überfordert, verunsichert oder geängstigt werden können.

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