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Löwe, Affe, Pelikan - Wie Kinder Tiersendungen sehen

06.04.2009

Viele Kinder haben ein Herz für Tiere. Drei Viertel der Sechs- bis 13-Jährigen interessieren sich für Hunde, Katzen & Co. Das spiegelt sich auch in ihrem Freizeitverhalten wider: Knapp die Hälfte der Mädchen und Jungen beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit Haustieren. Und jedes zehnte Kind schmökert gerne in Tierbüchern.¹ Entsprechend neugierig sind Mädchen und Jungen auf „tierische“ Angebote des Fernsehens. Doch welche Sendungen rund um Tiere sehen Kinder? Welche zählen zu ihren Favoriten? Gibt es Kritikpunkte, oder kommt es gar zu Überforderungen? Diese und andere Fragen hat FLIMMO Mädchen und Jungen zwischen sieben und 14 Jahren gestellt.²

Tiere sind Programm: Was Kinder sehen

Tiersendungen gehören für die meisten Kinder zum Alltagsprogramm. Fast alle der befragten Mädchen und Jungen kennen Tiersendungen und knapp zwei Drittel verfolgen ihre Favoriten mindestens einmal die Woche oder öfter. Das Angebot ist groß und vielfältig: Am bekanntesten sind Tiersendungen aus dem Kinderprogramm wie "Olis wilde Welt" (KI.KA). Sie bestehen aus mehreren kurzen Beiträgen rund um Tiere, kindgerecht aufbereitet und an den Interessen von Kindern ansetzend.

In Sendungen wie "Seehund, Puma und Co." (ARD) geht es um den Alltagsbetrieb in deutschen Zoos: Hier steht die

Tiersendungen: die Favoriten der befragten Kinder

  • Menschen, Tiere & Doktoren (VOX)
  • Wildes Wohnzimmer (VOX)
  • Seehund, Puma & Co. (ARD)
  • Hundkatzemaus (VOX)
  • Marvi Hämmer präsentiert National Geographic World (KI.KA)
  • Morgen OliLI (KI.KA)
  • Wildes Kinderzimmer (VOX)
  • Tierisch extrem (NICK)
  • Olis wilde Welt (KI.KA)

Versorgung exotischer oder einheimischer Tiere im Mittelpunkt; aber auch die Arbeit der im Zoo beschäftigten Menschen, vom Tierpfleger bis zur Tierärztin, wird gezeigt. Tierisches aus fernen Ländern steht dagegen in Dokumentationen wie "Shark Gordon", "Tierisch extrem" (beide NICK), "Crocodile Hunter" (RTL II) oder "Die gefährlichsten Tiere der Welt" (SuperRTL) im Zentrum des Interesses: Szenen aus dem Leben von mehr oder weniger gefährlichen Spezies in freier Wildbahn werden spannungsgeladen präsentiert. Es gibt auch Sendungen, die urzeitliche Tiere per Computeranimation lebendig werden lassen, wie etwa "Duell der Tiere" (SuperRTL). Am beliebtesten bei den Kindern sind jedoch die Angebote, in denen es um Haus- oder Nutztiere geht und die Beziehung zwischen Mensch und Tier im Vordergrund steht, wie etwa in "Menschen, Tiere & Doktoren" oder "Hundkatzemaus" auf VOX.

Wissenswertes im Fokus: Was Kinder interessiert

Dass man bei Tiersendungen etwas lernen kann, steht für die zwölfjährige Malin außer Frage: Sie hält "Die gefährlichsten Tiere der Welt" für lehrreicher als die Schule, „wenn ich aufmerksam zusehe“. Besonders neugierig sind Kinder auf Fakten und Informationen zu den Eigenschaften oder Lebensweisen von Tieren: Anton, zehn Jahre, interessiert zum Beispiel, „wie viel Wasser Kamele trinken“, während die gleichaltrige Lisbeth wissen will, „wo die Tiere leben und was sie machen“. Praktisches Wissen und Anleitungen für den Umgang mit Tieren und die Tierpflege stehen bei Kindern ebenfalls hoch im Kurs. Daneben geht es auch um Grundsätzliches im Verhältnis von Mensch und Tier: So hat die neunjährige Leah in der Sendung "Wildes Wohnzimmer" (VOX) gelernt, „dass man Tiere nicht einsperren soll“. Auch für Geschichtliches sind Kinder im Bezug auf Tiere durchaus aufnahmebereit: Alan, zehn Jahre, gefällt besonders die Sendung "Die gefährlichsten Tiere der Welt", weil da erklärt wird, „wie die Urzeittiere ausgestorben sind, wie die gejagt und was die alles gegessen haben“.

Auch Vorurteile können korrigiert werden, wie bei Mia, 13 Jahre, die nach "Tierisch extrem" feststellt, „dass gefährlich aussehende Tiere nicht gefährlich sein müssen“. Einmal hinter die Kulissen eines Zoos zu schauen und einen Einblick in den Alltag und die Abläufe zu bekommen, wie etwa bei "Seehund, Puma & Co.", ist für viele Kinder spannend. Dabei geht es nicht nur um die Tiere, sondern auch darum, wie die Tierpfleger arbeiten oder dass man „was lernt, um Tierärztin zu werden“ (Alina, zwölf Jahre). Für einen Teil der Älteren, die mit dem Tierarztberuf liebäugeln, sind die medizinischen Aspekte besonders interessant: Alina will zum Beispiel wissen, wie die „Tiere in der Klinik operiert und wieder aufgepäppelt“ werden.

Gewusst wie: Machart, die ankommt

Nicht nur das Was, sondern auch das Wie wird von den befragten Kindern kritisch beobachtet. So sollte es nach den Wünschen einiger „lustig“ zugehen wie in "Wildes Kinderzimmer" oder in "Marvi Hämmer präsentiert National Geographic World" (KI.KA). Dass sie bei Marvi Hämmer nebenbei Vokabeln pauken, ist für Jungen und Mädchen ein willkommener Nebeneffekt. Für einige ältere Kinder ist gute Unterhaltung gleichbedeutend mit Spannung oder Nervenkitzel. Vor allem, wenn es gefährliche Tiere und aufregende Situationen zu sehen gibt wie etwa in "Shark Gordon": Dem 13-jährigen Jakob gefällt daran, „dass da ein Gefahrfaktor ist. Dass man nicht weiß, ob es gut geht oder nicht. Der Kameramann ist ja nicht in so einem Käfig, wenn er die Haie filmt.“

Für Luzie, zwölf Jahre, ist es wichtig, dass „die Erzähler gut erklären“, wie das in "Seehund, Puma & Co." der Fall ist. An "Marvi Hämmer" hat den zehnjährigen Max begeistert, „wie die Grafiken und so gemacht wurden, wie das dargestellt wurde. Das war in der Sendung über Tiger und Wildhunde.“

Auch mit Kritik halten die Kinder nicht zurück. Je älter sie werden, desto genauer sind ihre Vorstellungen davon, was nicht fehlen darf oder verbessert werden kann: Vor allem in den Kindersendungen wünschen sie sich mehr Abwechslung oder vermissen bestimmte Tierarten. Unerwünscht ist „zu viel Gelaber“ (Theresia, neun Jahre) ebenso wie verwirrende Sprünge von einer Tierart zur anderen.

Tierisch extrem: Kinder stoßen an ihre Grenzen

In manchen Tiersendungen stolpern Kinder aber auch über Szenen und Inhalte, die ihnen Probleme bereiten: Wenn Tiere sterben oder in Lebensgefahr geraten, verletzt werden oder medizinisch behandelt werden müssen, kann es gerade jüngeren Kindern zu viel werden. Mitunter rufen auch bestimmte Tierarten wie Spinnen, Schlangen oder Insekten Reaktionen wie Ekel oder Angst hervor. Ob es sich eher ängstigt, ekelt oder ob es mit Traurigkeit reagiert, ist von Kind zu Kind unterschiedlich.

Die meisten Kinder haben sich bei einer Tiersendung schon einmal geekelt, wie etwa die neunjährige Helen: „Da wo das Bein abgeschnitten wurde bei "Menschen, Tiere & Doktoren“. Kommen Ekelgefühle ins Spiel, reagieren eher ältere Kinder und vor allem Mädchen empfindlich. Von Traurigkeit können über zwei Drittel der befragten Kinder im Kontext einer Tiersendung berichten. Meist geht es dabei um den – drohenden – Tod eines Tieres: Wenn Tiere eingeschläfert werden müssen oder „wenn manche Tiere ihre Babys auffressen“ (Jakob, 13 Jahre). Auch Angst haben einige Kinder, vor allem die jüngeren, bei der ein oder anderen Szene schon einmal bekommen: Der siebenjährige Stefan hat sich in "Die gefährlichsten Tiere der Welt" „beim Kämpfen“ der Tiere geängstigt. Maja (9 Jahre) bekommt es mit der Angst zu tun, „wenn jetzt welche mit ihren Tieren zum Arzt gehen und die dann operiert werden“.

Dabei spielt die Art der Inszenierung von ekligen oder furchteinflößenden Szenen eine wichtige Rolle: Wird das tierische Geschehen mit reißerischen Bildern, dramatischer Musikuntermalung und entsprechend emotionalen Kommentaren aufbereitet, stoßen Kinder an ihre Grenzen. Der Informationsgehalt wird nicht mehr aufgenommen, stattdessen kann es zu Überforderung und Ängsten kommen. Vor allem bei jüngeren Kindern besteht die Gefahr, dass sie das Geschehen nicht verstehen und einordnen können.

Film-Highlights mit Tieren

  • Amy und die Wildgänse (1995)
  • Deep Blue (2004)
  • Der Fuchs und das Mädchen (2007)
  • Katja und der Falke (1999)
  • Königreich Arktis (2007)
  • Der verzauberte Otter (2004)
  • Der weiße Planet (2006)

Tipps für Eltern

Angemessenes auswählen:

Auch in vermeintlich harmlosen Sendungen um niedliche Tierchen kommen mitunter Szenen vor, die Kindern zu schaffen machen. Vor allem bei jüngeren oder empfindsameren Kindern ist es wichtig, eine sorgfältige Auswahl zu treffen. Darüber hinaus sollten die Eltern am besten gemeinsam mit den Kindern vor dem Fernseher sitzen, um erklärend und tröstend zur Seite zu stehen, sollte es zu Überforderungen kommen. Einige Sendungen und Filme eignen sich zum gemeinsamen Anschauen in der Familie besonders gut (s. Kasten rechts).

Interessen von Kindern

Interessen von Kindern aufgreifen: Ein Beispiel aus dem Familienalltag*

Der kleine Felix verpasst keine Folge der Zoosendung "Nashorn, Zebra und Co." (ARD/BR). Hier werden seine vielen Fragen rund um Tiere beantwortet. Für seine anfangs skeptische Mutter ist „die Sendung echt ein Glückstreffer“, da die Familie regelmäßig in den Zoo geht und dadurch ein „Bezug zum Familienalltag“ gegeben ist. Außerdem spielt Felix gerne Zoowärter: Dazu spannt er Eltern und Schwester ein, die die Tiere aus der Sendung nachspielen und von ihm versorgt, untersucht oder gar eingesperrt werden. Seine Mutter greift die Zoogeschichten auf, um Felix abstraktes Wissen zu veranschaulichen, z.B. wo Babys herkommen usw.
* Felix und seine Mutter wurden im Rahmen einer Vorschulkinder-Befragung 2007 interviewt.

Inhaltliche Vorlieben der Kinder fördern – über das Fernsehen hinaus: Anknüpfend an die Lieblingstiersendung lässt sich das Interesse der Kinder an Tieren bewusst aufgreifen und vertiefen: Entweder durch andere Medien wie Bücher, PC-Spiele oder Internetseiten oder durch Aktivitäten in der Realität, angefangen vom Zoobesuch über das Engagement für Tiere im Tierheim bis hin zur Erkundung der Tierwelt im eigenen Garten.


Fantasie und Kreativität der Kinder anregen – auch mit Medien: Ausgehend von einer Tiersendung, einem Tierbuch usw. können Kinder das Erlebte und Erlernte auf spielerische und kreative Weise umsetzen und verarbeiten: Jüngere Kinder malen z.B. ihre Lieblingstiere oder fertigen Tiermasken aus Pappmaché. Aber auch mit Medien sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt: Mit der Digitalkamera erkunden die Kinder den Zoo, die entstandenen Bilder können im Fotoprogramm auf dem PC bearbeitet und verändert werden. Mit einem Aufnahmegerät lassen sich auch Tiergeräusche aufnehmen – und hinterher wird gemeinsam geraten, um welches Tier es sich handelt.

KIM 2008¹

Die Daten stammen aus der Studie KIM 2008, in der jährlich Daten zum Medienumgang von Kindern zwischen drei und 13 Jahren veröffentlicht werden; nachzulesen unter www.mpfs.de

 FLIMMO-Kinderbefragung²

FLIMMO hat im Dezember 2008 65 Kinder zwischen sieben und 14 Jahren aus unterschiedlichen Bundesländern zu Wissens- und Informations-sendungen rund um Tiere befragt. Den Auswertungsbericht finden Sie hier.

Das große MedienQuiz von FLIMMO und TLM

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