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Nachrichten im Fernsehen – Zu harte Kost für Kinder?!

08.04.2008

„In den Nachrichten sagen sie immer, was eigentlich schon weltbekannt ist“ begründet der zwölfjährige Markus seine Abneigung gegen die Tagesschau. Mit seiner Meinung steht der Junge nicht alleine da. Viele Kinder halten Nachrichtensendungen für langweilig und uninteressant. „Nachrichten sind mehr über Politik und so, das interessiert mich nicht so sehr“ ergänzt die zehnjährige Maike. Ist es trotzdem sinnvoll, die Mädchen und Jungen mit Nachrichten zu konfrontieren? Eltern stecken in der Zwickmühle: Einerseits haben Kinder das Recht auf Information, andererseits will man die Mädchen und Jungen auch nicht überfordern oder mit Berichterstattungen über schreckliche Ereignisse ängstigen.
Wichtig ist, sich vor Augen zu führen, dass Kinder anders fernsehen und Informationen anders verarbeiten als Erwachsene. Der Bezug zur eigenen Person und eigenen Umwelt ist viel wichtiger als bei Erwachsenen, die Fähigkeit sich vom Bildschirmgeschehen zu distanzieren geringer. Außerdem sind bei ihnen Hintergrundwissen, Verstehensfähigkeiten und Abstraktionsvermögen weniger ausgeprägt.


„Tagesschau", „RTL-Aktuell" und Co. – Für Kinder schwer verdaulich

„Nachrichtensendungen schaue ich mir selber nicht an, nur wenn sie gerade mein Bruder oder meine Mutter ansieht, schaue ich mit“ erzählt der zehnjährige Kevin. Nachrichtensendungen gehören zum täglichen Fernsehritual. In vielen Familien ist es üblich, sich nach dem Abendessen gemeinsam vor dem Fernseher zu versammeln, um die „Tagesschau" oder „RTL-Aktuell" zu sehen. Für Kinder bis etwa elf/zwölf Jahren sind diese Sendungen kein adäquates Programm. Erster Stolperstein ist die Art der Informationsvermittlung: Die Sprache ist abstrakt, Fremdwörter werden nicht erklärt, die Berichte zu politischen Themen und Ereignissen setzen viel Hintergrundwissen voraus. Dazu kommt die sogenannte „Bild-Ton-Schere“. Kindern fällt es generell schwer, sich gleichzeitig auf die anspruchsvollen Textinformationen und die Nachrichtenbilder zu konzentrieren. Wenn die Bild-Ton-Schere auseinandergeht, d.h., wenn der Text und das Bild nicht zusammenpassen, ist das Verstehen der berichteten Sachverhalte doppelt schwierig.

Bei Kindern kommt hinzu, dass drastische Bilder von Kriegs- oder Katastrophenopfern sie emotional überfordern. Die eigentliche Information wird von solchen Schockbildern überlagert. Ganz zu schweigen davon, dass die drastische Darstellung von Leid und Elend bei Kindern Angst und Verunsicherung auslösen kann. Kinder nehmen schon relativ früh wahr, dass die Gewalt und das Leid von Opfern in Nachrichten „echt“ sind. Sie verstehen, dass im Gegensatz zu fiktionalen Gewaltdarstellungen Menschen aus Fleisch und Blut betroffen sind. Und weil sie das Gesehene auf sich beziehen und sich fragen, ob ihnen Ähnliches zustoßen kann, ist die Distanzierung von schrecklichen Bildern und Geschehnissen kaum möglich. Vor allem, wenn es um Krieg oder Naturkatastrophen geht, und die Opfer in Großaufnahme ins Bild gerückt werden. Noch schlimmer ist es, wenn über Gewalt in der Familie und Missbrauch berichtet wird, wie im April diesen Jahres über den Fall in Amstetten. Damit ist für die meisten Kinder die Schwelle des Erträglichen überschritten.

Nachrichten für Kinder im Internet

logo!
www.tivi.de/logo

neuneinhalb
www.wdr.de/tv/neuneinhalb

BR-Kinderinsel
www.br-online.de/kinder

Kindernetzt
www.kindernetz.de

Blinde Kuh
www.blinde-kuh.de

Helles Köpfchen
www.helles-koepfchen.de

Kinderradio Kakadu
www.kakadu.de

„logo!" und „neuneinhalb" – Kindgerechte Nachrichten

Die Kindernachrichtensendung „logo!" (ZDF, KI.KA) setzt seit fast 20 Jahren auf kindgerechte Informationsvermittlung. Für die Redakteure heißt das zum einen, auf blutige Bilder von Gewaltopfern und Opfern von Hungers- und Naturkatastrophen zu verzichten. Und zum Anderen, sich in die Sichtweise von Kindern hineinzuversetzen. Deshalb werden bewusst Geschichten jenseits der großen Schlagzeilen präsentiert. Etwa über Kinder die in Krisenregionen leben, oder wie das Familienleben in fremden Kulturen abläuft. Oft stehen dabei Kinder im Mittelpunkt, die das Publikum durch die Geschichten führen. Das aktuelle Weltgeschehen wird allerdings nicht ausgeklammert, sondern kindgerecht aufbereitet. Mit Hilfe von Schaubildern und in einfacher, anschaulicher Sprache werden Zusammenhänge erklärt und Entwicklungen verdeutlich. Fremdwörter oder Fachbegriffe werden übersetzt und an Beispielen erläutert.
Immer wieder heimst „logo!" Lob und Preise für die Aufbereitung heikler Themen ein. Ein Beispiel ist die Berichterstattung zu den Terroranschlägen vom 11. September. Damals liefen die Bilder der einstürzenden Türme des World-Trade-Center fast rund um die Uhr auf allen Kanälen. „logo!" verzichtete auf die Bilder von Menschen, die sich in Todesangst in die Tiefe stürzten und widmete sich stattdessen den Hintergründen und Folgen der Tat für die Menschen in Deutschland. Für die neunjährige Katharina waren die „logo!"-Berichte wichtig, um das Gesehene zu bearbeiten: „Ich hab´ das in logo geguckt und fand gut, dass die das so machen, dass es die Kinder auch verstehen.“
In neuneinhalb Minuten fasst Moderatorin Gesa in der gleichnamigen ARD-Sendung die wichtigsten Meldungen der vergangenen Woche zusammen und widmet sich anschließend einem Schwerpunktthema. Das Besondere dabei ist, dass die Moderatorin in die Originalbeiträge hineingeschnitten wird. Das lockert die Beiträge auf und gibt die Möglichkeit, an entscheidenden Stellen nachzuhacken. Mit viel Witz, einfachen Worten und anschaulichen Beispielen werden gesellschaftlich relevante Begriffe erklärt, wie etwa „Generationenvertrag“ oder „Bruttosozialprodukt“. Besonders zu empfehlen ist auch die dazugehörige Website (siehe Kasten). Nicht nur Hintergrundinformationen sind dort nachzulesen, sondern auch ein „Nachrichtenlexikon“. Hier erfahren interessierte Kinder vieles über die Entstehung von Nachrichtensendungen. Wie werden Meldungen ausgewählt? Was macht eine gute Recherche aus? Wie kann man selbst Nachrichtentexte verfassen? Mit diesem Lehrgang bekommen Kinder einen Einblick in das Handwerk von Journalisten und Nachrichtenmachern und lernen, was seriöse Berichterstattung ausmacht.

Fernsehinformationen für Kinder – Was sollten Eltern beachten?

Aus Untersuchungen ist bekannt, dass Kinder Informationssendungen im Fernsehen meist gemeinsam mit den Eltern ansehen. Die Eltern und andere Bezugspersonen sind maßgeblich dafür verantwortlich, wie Kinder Informationen und Nachrichten bewerten und einschätzen. 

 

 Deshalb sollten Eltern,

  • die eigene Auswahl von Sendungen mit Blick auf die Kinder verantwortungsbewusst treffen. Boulevardmagazine und Reality-TV sind kaum geeignet, Kindern verwertbare Informationen und Orientierung zu liefern.
  • ihren Nachwuchs auf Kindernachrichtensendungen verweisen und diese am besten gemeinsam anschauen.
  • die Gelegenheit nutzen, über Themen und Machart von Nachrichtensendungen zu diskutieren und im Gespräch Werthaltungen und einen „kritischen Blick“ auf die Informationen zu vermitteln.
  • Kinder vor Überforderung und Verunsicherung durch erschreckende Bilder in Nachrichtensendungen schützen. Hier ist Platz für den eigentlichen Inhalt

In vielen Fällen ist es allerdings kaum möglich, Kinder vor Gräueltaten, Katastrophen oder Kriegen abzuschotten. Egal ob die Ereignisse des 11. September 2001, die Tsunami-Katastrophe oder der Inzestfall von Emstetten: Die Bilder und Berichte sind allgegenwärtig und Kinder werden zwangsläufig damit konfrontiert. Hier ist es wichtig, das Gesehene und Gehörte richtig zu verarbeiten. 

 Eltern können helfen, indem sie:

  • Nachrichtensendungen mit den Kindern gemeinsam anschauen und gesprächsbereit sind, auf Fragen der Kinder eingehen.
  • zusätzliche Informationen anbieten oder besprechen, wie man mehr über das Thema erfahren kann, z.B. mit kindgerechten Zeitschriften, Büchern oder im Internet (siehe Kasten).
  • auch eingestehen, wenn sie etwas nicht wissen, statt Fragen abzublocken mit Sätzen wie: „Das verstehst du noch nicht, dafür bist du noch zu klein." Solche Sätze nehmen Kindern den Drang, die Wirklichkeit zu begreifen und lassen sie mit ihren Fragen und Nöten allein.
  • zuwendungsbereit sind: Bei beängstigenden Bildern brauchen Kinder Trost und Geborgenheit.
  • die Ängste der Kinder ernst nehmen und ihnen Verarbeitungsmöglichkeiten anbieten. In jedem Fall ist es hilfreich, die Kinder zu animieren, das Gesehene aktiv zu bearbeiten. Kleinen Kindern hilft es, Situationen im Wortsinne durchzuspielen oder ein Bild dazu zu malen. Älteren Kindern kann man eher mit Gesprächen und konkreten Informationen helfen. Mit ihren Fragen, Texten und Bildern zu Nachrichtenereignissen können sich die Mädchen und Jungen z.B. auch an „logo!" wenden.
  • Schwierige oder beängstigende aktuelle Themen (ob nun im Fernsehen gesehen oder nicht) im Familiengespräch nicht aussparen; so haben die Kinder die Chance, sich damit zu beschäftigen, bevor übertriebene Ängste aufkommen und sie erfahren, dass sie mit ihren Sorgen nicht alleine dastehen.

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