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Nervenkitzel inklusive – Kinder und Krimis

03.09.2007

Egal ob in Form von Büchern, Hörkassetten oder Filmen im Kino oder im Fernsehen – Krimigeschichten erfreuen sich auch bei Kindern ungebrochener Beliebtheit. Die Lust am Nervenkitzel ist groß, entsprechend erfolgreich sind derzeit Krimiangebote für Kinder. Seien es die Abenteuer der unverwüstlichen Hobby-Detektive von „TKKG" oder die Fälle der „Drei ???", die im Herbst ihren ersten großen Kinoauftritt hatten. Bei angemessener Inszenierung können Kinder mit Begeisterung mitfiebern, wenn die mediale Verbrechensaufklärung ihren Gang geht. Die Neugier auf Geheimnisse und außergewöhnliche Situationen, die Lust an Rätseln und Entdeckungen macht einen Großteil der Faszination von Kriminalgeschichten aus. Wenn bei den Ermittlungen Film- und Fernsehhelden in Gefahr geraten und riskante Situationen bewältigen müssen, genießen Kinder – genau wie Erwachsene – die entstehende Angstlust. Die Folge des Mitfieberns ist ein angenehmes Kribbeln im Bauch, vorausgesetzt, das Geschehen auf dem Bildschirm oder der Leinwand überfordert die Mädchen und Jungen nicht. Rund um die Feiertage und darüber hinaus bietet das Fernsehprogramm Krimis unterschiedlichster Ausprägung. Zwischen kindgerechter Spannung und harter Kost gibt es ein großes Spektrum. Bei Eltern wirft das die Frage auf, was für Kinder zumutbare oder sogar lohnenswerte Sendungen sind. Grund genug für den FLIMMO das Programmangebot genauer unter die Lupe zu nehmen.

Gemeinsam sind wir stark – Kleine Spürnasen kommen an

Wenn sich Gleichaltrige auf Spurensuche machen, kommen Kinder auf ihre Kosten. Spätestens seit Erich Kästners Klassiker „Emil und die Detektive“ haben Krimis für Kinder einen festen Platz in Film und Fernsehen. Die Verfilmung von 1931 zeigt die Abenteuer des jungen Emil in der großen Stadt: Auf der Zugfahrt von einem Fremden beklaut, macht er sich gemeinsam mit einer Kinderbande auf Verbrecherjagd. Der Stoff hat nichts von seiner Faszination für Kinder eingebüßt. 2001 wurde der Klassiker von Caroline Link neu verfilmt, und Emil zeitgerecht aufgemöbelt. Von Rap-Songs begleitet, gehören bei der Verbrecherjagd im neuen Jahrtausend natürlich Laptops, Inline-Skates und Handys dazu. Und – im Gegensatz zu damals – starke Mädchenfiguren in Anführerrollen, die den männlichen Altersgenossen ebenbürtig  sind.

Kinderkrimis auf DVD

  • Kalle Blomquist lebt gefährlich (1996)
  • Emil und die Detektive (2001)
        Kletter-Ida (2003)
  • Der Dolch des Batu Kahn (2004)
  • Harriet, die kleine Detektivin (2004)
  • Der Schatz der weißen Falken (2006)
  • Der verlorene Schatz der Tempelritter (2006)
  • Pietje Bell und das Geheimnis der schwarzen Hand (2006)
  • Hände weg von Mississippi (2007)

In Deutschland weniger bekannt, aber dafür nicht weniger spannend sind die Abenteuer des kleinen „Pietje Bell“. Die „Pietje Bell“-Filme lassen die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts wieder aufleben. Mit dem niederländischen Jungen steht eine ebenso pfiffige wie selbstbewusste Hauptfigur im Mittelpunkt, mit dem sich die Kinder vor dem Fernseher im wahrsten Sinne des Wortes anfreunden können. Und bei allem Blödsinn, den Pietje immer wieder ausheckt, verliert er Werte wie Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Wahrheit nie aus den Augen. Zu sehen sind die Geschichten mit Pietje Bell am 30. und am 31. Dezember jeweils am Vormittag im ZDF.
Junge Spürnasen in Serie gibt es immer samstags vormittags in der ARD. „Die Pfefferkörner“ ermitteln in der Speicherstadt in Hamburg, ein Ort, der voller Geheimnisse und Rätseln steckt. Die fünf Freunde überführen Schmuggler, Diebe und Umweltsünder mit Cleverness und Kombinationsgabe. Aber auch bei persönlichen Schwierigkeiten stehen sich die Kinder gegenseitig bei und lösen so manch verzwicktes Problem. Der Zusammenhalt untereinander und das Selbstbewusstsein, mit dem die kleinen Spürnasen zu Werke gehen, imponiert den Kindern vor dem Fernseher. Die Tatsache, dass Emil, die Pfefferkörner oder andere junge Ermittler den Erwachsenen oft eine Nasenlänge Voraus sind, kommt bei den Mädchen und Jungen natürlich besonders gut an.

Stoff für Diskussionen: Krimi.de

Mit „Krimi.de" erhebt der KI.KA den Anspruch, älteren Kindern spannende Krimikost zu bieten, die an gesellschaftlichen Problemlagen ansetzt. Gewalt in der Schule, Mobbing und Jugendkriminalität werden ebenso thematisiert wie Kinderarmut, Arbeitslosigkeit und Alkohol- und Drogenmissbrauch. Im Mittelpunkt von „Krimi.de" stehen Jugendliche, die in ihrer nächsten Umgebung auf größere oder kleinere Verbrechen stoßen. Mutig und engagiert machen sich die Mädchen und Jungen daran, den Tätern auf die Spur zu kommen und den Betroffenen beizustehen. Dabei wird kein schlichtes schwarz-weiß Bild gezeichnet. Vielmehr wird thematisiert, welche Ursachen hinter den Fällen stecken, wie Konflikte entstehen und welche gesellschaftlichen Zusammenhänge eine Rolle spielen. Dieser anspruchsvolle Stoff wird spannend erzählt und ist qualitativ hochwertig gemacht. An manchen Stellen erinnern die Geschichten an den „Tatort“. Kein Wunder, denn in der ersten Staffel der Serie unterstützt Ex-Tatort-Kommissar Ehrlicher aus Leipzig die Jugendlichen bei der Spurensuche. In Anbetracht der Thematik und der Darstellungsweise ist „Krimi.de" ein diskussionswürdiges Unterfangen. Einerseits werden jüngere Kinder von einigen Spannungsmomenten und Konfliktsituationen der Serie überfordert sein. Andererseits bietet „Krimi.de" älteren Kinder ab etwa elf Jahren nicht nur spannende Unterhaltung sondern Anregungen zur Auseinandersetzung mit Problemlagen, die vielen bekannt sein dürften. So greift die Serie Probleme, Sorgen und Nöte auf, die via E-Mail oder per Post an den Sender herangetragen wurden. Die „Krimi.de"-Folgen sind in Diskussionsrunden eingebettet, in denen Kinder selbst zu Wort kommen. Diese Art der aktiven Auseinandersetzung mit schwierigen Themen bietet einen guten Ansatzpunkt, auch in der Familie offen über Themen zu sprechen, die den Mädchen und Jungen im Alltag Probleme machen. Im neuen Jahr sind übrigens weitere Folgen von „Krimi.de" im KI.KA geplant.

Mord und Totschlag – Keine Krimikost für Kinder

„Wenn meine Mama Krimis anschaut, dann mag ich das nicht. Da krieg ich manchmal Alpträume und die sind so grässlich, wenn einer immer schießt und so.“ Genau wie für die elfjährige Martina sind Krimis des Erwachsenenprogramms wie der „Tatort“ oder „Bella Block“ für viele Kinder kaum zu verkraften. Wenn brutale Morde, Totschlag oder Vergewaltigung auf dem Programm stehen, ist für die meisten Kinder die Grenze des Zumutbaren überschritten. Besonders dann, wenn das beängstigende Geschehen realitätsnah in Szene gesetzt wird, wie bei vielen deutschen Produktionen. Den Kindern fällt es schwer, sich von der Krimihandlung, die sich quasi in der Nachbarschaft abspielt, zu distanzieren. Es kann der Eindruck entsehen, dass Gewalt und Mord hinter der nächsten Ecke lauern und man sich seines Lebens nicht mehr sicher ist. Besonders problematisch wird es, wenn Kinder selbst zu Opfern werden. Kindsmissbrauch, Gewalt in der Familie oder Gewalt unter Gleichaltrigen geht Kindern unter die Haut. Bei solchen Themen ist für die meisten Kinder das Maß des Erträglichen überschritten. Auch populäre amerikanische Krimiserien wie „C.S.I. – Den Tätern auf der Spur“ oder „Navy C.I.S.“ sind aufgrund der drastischen Darstellungsweisen von Mord und Totschlag für Kinder kaum geeignet. Auch wenn ältere Kinder gerne ein Auge riskieren würden, sind sie dem Geschehen nicht unbedingt gewachsen. Im Detail wird das jeweilige Gewaltverbrechen rekonstruiert, blutige Szenen bei der Obduktion der Leichen und gewalthaltige Bilder während der Rückblenden zum Tatgeschehen, können auch ältere Kinder ängstigen und überfordern. Aus diesem Grund sollte diese und ähnliche harte Krimikost Kindern vorenthalten bleiben.

FLIMMO bespricht das aktuelle Fernsehprogramm und gibt Tipps zur Fernseherziehung. Bewertet werden Sendungen, die 3- bis 13- jährige Mädchen und Jungen gerne sehen oder mit denen sie als Mitseher in Berührung kommen. Um einen schnellen Überblick zu bieten, sind die Sendungen in drei Rubriken eingeteilt.

Was bedeuten die Rubriken?

Kinder finden's prima

Von Sendungen in dieser Rubrik sind Kinder angetan. Auch wenn nicht alles den Geschmack der Erwachsenen trifft, "Kinder finden's prima".

Mit Ecken und Kanten

Sendungen in dieser Rubrik werden von Kindern gemocht, haben aber auch „Ecken und Kanten“. Sie enthalten Bestandteile, die Kindern nicht nur gut tun.

Nicht für Kinder

Sendungen in dieser Rubrik enthalten Bestandteile, die für Kinder schwer verkraftbar sind. Am besten hält man Kinder davon fern, da sie überfordert, verunsichert oder geängstigt werden können.

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