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Sensationen mit Millionen – Quotenbringer Fernsehshows

02.02.2001

Spot an, Stille im Studio, dann die Frage: „Antwort A, B, C oder D?" – fertig ist der Quotenhit. Seit dem Erfolg von „Wer wird Millionär?" besinnt sich die Fernsehunterhaltung auf ihre Wurzeln, getreu dem Motto des Entertainers Hape Kerkeling: „Das ganze Leben ist ein Quiz". Mit der klassischen Rate-Show erobert ein Sendeformat den Bildschirm zurück, das schon in den 50er Jahren Garant für hohe Einschaltquoten war. Ganze Eltern- und Großeltern-Generationen haben als Kinder und Jugendliche mit Kulenkampff & Co ihre Abende im Kreis der Familie verbracht: Egal ob „Wer gegen wen?" oder „Was bin ich?", Rate-Shows waren die Highlights in der Anfangszeit des Fernsehens. Und heute? Da gibt es Quiz-Shows, Spiel-Shows, Flirt-Shows, Koch-Shows, Single-Shows, Frisör-Shows ... Immer neue Formate und Merkwürdigkeiten flimmern über den Bildschirm. Nicht einmal der heilige Bund der Ehe ist vor dem Show-Business sicher.

Showzeit ist Familienzeit

Eines aber gilt für damals wie für heute: Fernsehshows vereinen die Familie vor dem Apparat, und das, obwohl heutzutage viele Kinder einen eigenen Fernseher haben und die Sehgewohnheiten von Jung und Alt oft weit auseinandergehen. So erzählt der neunjährige Fabian, dass ihm „Wer wird Millionär?" so gut gefalle, „weil ich das mit meiner Familie gucke und das uns sehr viel Spaß macht". Vor allem den Kindern im Grundschulalter ist das gemeinschaftliche Mitfiebern und Mitraten (noch) wichtig. Was eine gute Fernsehshow ausmacht, da scheiden sich aber durchaus die Geister. Während sich zum Beispiel jüngere Mädchen für die „Mini-Playback-Show" begeistern, macht dieser „Kinderkram" bei den Älteren keinen Stich mehr.

Gewusst wie – Mitraten kommt an

Kein Sender will derzeit auf Rateshows verzichten. Das Gros dieser Sendungen ist allerdings bei Kindern nicht gerade der Renner. Zu schwere Fragen und eine in ihren Augen langweilige Aufmachung bemängeln sie an Sendungen wie „Jeder gegen jeden", „Was bin ich?", „Das Millionenquiz", „Risiko" & Co. Anders sieht die Sache bei „Wer wird Millionär?" aus. Die Erfolgs-Show ist für die meisten Kinder ab dem Grundschulalter ein Highlight, und zwar für Mädchen und Jungen gleichermaßen. Gründe dafür nennen sie gleich mehrere: das spannende Geschehen, den Mix aus Spiel- und Rate-Elementen – und einen schlagfertigen Moderator. Auch die Mischung der Fragen überzeugt. Besonders, wenn eigene Interessen ins Spiel kommen, ist die Begeisterung groß. Bei Fragen rund um die Pokémon oder Harry Potter trumpfen die Kinder richtig auf. So berichtet ein Neunjähriger stolz, dass die Frage zum pfiffigen Zauberlehrling für ihn ein Kinderspiel war: „Ich hätte das gewusst, weil ich alle vier Bände durchgelesen habe". Und wenn der elfjährige Frank mit seinem Vater zusammen „Wer wird Millionär?" guckt, steht das Wissen der Erwachsenen auf dem Prüfstand. Liegen die Kandidatinnen und Kandidaten oder der Papa mal daneben, kommt Schadenfreude auf. Schließlich ist es gut zu wissen, dass die Großen beileibe nicht allwissend sind. 

Spiel ohne Grenzen?

„Wenn Leute Dinge tun, die sie eigentlich nicht  tun wollen, nur wegen dem Geld", hört für die zwölfjährige Marion der Spaß auf. Immer mehr Privatmenschen lockt das Fernsehen mit Geld oder dem Versprechen, berühmt zu werden, vor die Kamera. Beim Wohngemeinschaftsleben im Container, auf Brautschau, bei waghalsigen Mutproben und fiesen Racheaktionen werden sie einem Millionenpublikum vorgeführt, und das oft im wahrsten Sinne des Wortes. Seelenstriptease, Peinlichkeiten, Spott und Hohn sind die Folge des „großen Auftritts". Die Frage, wie weit Fernsehunterhaltung gehen darf, ist berechtigt. Und zwar unabhängig davon, wie Kinder mit diesen Angeboten umgehen.

Aufregende Spiele –  Mitfiebern macht Spaß

Unter den Spielshows steht immer noch „Wetten dass ...?" ganz vorn in der Gunst der Kinder. „Weil die Wetten meist spannend sind", lautet ihre einhellige Meinung. Den Akteurinnen und Akteuren drücken sie bei deren aufregenden Höchstleistungen fest die Daumen, am heftigsten die jüngeren Kinder. Auch „Die Stunde der Wahrheit" zeigt Menschen, die Außergewöhnliches bewältigen. Kunststückchen aller Art stehen ebenso auf dem Programm wie sportliche Herausforderungen. Dass hier die ganze Familie der Kandidatinnen und Kandidaten Teamgeist zeigen muss, gefällt dem Nachwuchs besonders gut. Für die jüngeren Mädchen zählt darüber hinaus die „Mini-Playback-Show" zu den Favoriten. Schließlich stehen endlich mal die Kleinen im Mittelpunkt und dürfen sich „als die Großen fühlen" (Kati, acht). Allerdings lässt die Lust an der Verkleidung und am Rollenspiel mit zunehmendem Alter nach, und so verliert die „Mini-Playback-Show" bei Mädchen (und bei Jungen) ab etwa zehn Jahren deutlich an Boden. Manche wollen mit dieser „Kindershow" rein gar nichts mehr zu tun haben und entrüsten sich über das „kitschige und schleimige Getue" (Marc, elf). Und was die halsbrecherischen Aktionen oder fragwürdigen Spielchen mit persönlichen Ängsten angeht, die bei einigen Shows ins Spiel kommen, so ziehen Kinder klare Grenzen: Übertriebene oder gar lebensgefährliche Manöver wie bei „Ihr seid wohl wahnsinnig!?" finden sie unsinnig und unnötig. Je jünger die Kinder sind, desto sensibler reagieren sie auf „Böses oder Ekliges".

Gut geklatscht ist halb gewonnen

Tosender Beifall – das Publikum ist hörbar und sichtbar begeistert. Wirklich? Nicht unbedingt. In einer Fernsehshow bleibt kaum etwas dem Zufal überlassen. Vor Beginn einer Sendung verklickern nämlich sogenannte Warm-Upper dem Volk im Saal Verhaltensregeln und Klatschkommandos. Während der Show erscheinen die Kommandos dann auf einer Art Anzeigetafel. So klatschen auch die Damen und Herren auf den hinteren Rängen nicht aus der Reihe und das Publikum vor dem Bildschirm weiß, wann es sich zu begeistern hat.

Liebesglück und Alltagsüberraschungen –  Mitfühlen ist angesagt

So genannte Flirt- oder Kuppelshows wie „Rosen vom Ex" oder „Andreas Türck Love Stories" können nicht bei allen Kindern landen. Den Jungs sind sie sogar ein Graus. „Wenn die Frauen, immer wenn die Männer fragen, ob sie denn nicht noch eine zweite Chance kriegen, immer nein sagen und so" findet das Paul (neun) obendrein „ganz schön gemein". Ältere Mädchen hingegen können sich für Showromantik durchaus begeistern, „weil die meisten Paare da zusammenkommen". Wird eine Sendung wie „Herzblatt" jedoch als schnöde Inszenierung entlarvt, setzt es auch von ihnen Kritik: „Irgendjemand sagt das halt, dass die Antworten schon vorher aufgeschrieben werden." Flirten nach Absprache, Liebe auf den ersten Blick auf Befehl, das ist Karin (13) zu dumm: „Das find' ich nicht lustig." Prominente oder Otto-Normalbürger nimmt hingegen die „Versteckte Kamera" aufs Korn.Vor den Augen des Fernsehpublikums werden sie zu Opfern von Streichen und kleineren oder größeren Gemeinheiten. Doch auch solche Showangebote spalten das Kinderpublikum. Vor allem die Jungen amüsieren sich, wenn Erwachsene aufs Glatteis geführt und „so ein bisschen auf den Arm genommen werden". Anderen Kindern geht diese Art von Humor aber zu weit. So findet Sanna (elf): „... das ist etwas, das will man vielleicht gar nicht vor's Fernsehen bringen, und dann schämt man sich sogar". Ähnliches gilt für „Rache ist süß ...": Während sich ein Teil der Kinder über die fiesen Vergeltungsmaßnahmen von Kai Pflaume diebisch freut, sind andere entrüstet. Dominik (neun) spricht ihnen aus dem Herzen: „Ich finde, dass man keine Rache machen sollte bei anderen. Das find ich blöd".

Beim Fernsehen wollen Kinder Unterhaltsames, Spannendes, Außergewöhnliches erleben. Das ist bei Shows nicht anders als bei anderen Formaten. Bleiben ihnen eklige Ausrutscher und peinliche Auftritte erspart, können Kinder das Show-Angebot des Erwachsenenprogramms durchaus genießen. Vor allem, wenn das gemeinsame Mitraten und Mitfiebern die Familie vor den Fernseher lockt.  

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