Flimmo.tv
Suchen in:
Aktuelles TV-Programm Sendungsarchiv

Sesamstraße und Teletubbies – Fernsehen für die Kleinen

07.10.1999

Vorschulkinder sehen fern, aber bei weitem nicht alles, was das Programm zu bieten hat. „Wenn was für Kinder kommt", bringt der vierjährige Florian auf den Punkt, was sich die Jüngeren im Fernsehen ansehen (dürfen). Ausgewiesene Kindersendungen stehen an erster Stelle. Und weil hier die öffentlich-rechtlichen Sender das größte Angebot haben, machen sie das Rennen: Sandmännchen, Sesamstraße, Die Sendung mit der Maus, Tabaluga tivi, Käpt'n Blaubär und der Tigerentenclub ..., bei ARD und ZDF, oder besser gesagt, beim Kinderkanal, setzen sich die Kleinen in die erste Reihe. Sie amüsieren sich königlich über das Krümelmonster, lassen sich von Käpt'n Blaubär (k)einen Bären aufbinden und erfahren von der Maus, wie die Löcher in den Käse und die Streifen in die Zahnpasta kommen. Lustige und spannende Zeichentrickgeschichten gibt's obendrein. Hier ist die Auswahl jedoch größer, denn mit solcherlei Angeboten locken auch die Privatsender vor den Bildschirm. Zu den Cartoons, die Kinder zwischen drei und sechs Jahren sehen, gehören deshalb nicht nur Wicki, Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg und der kleine Bär. Mit von der Partie sind Lucky Luke, Bugs Bunny, Darkwing Duck und das unverwüstliche Duo Sylvester & Tweety. Je näher das Schulalter rückt, desto begeisterter wendet sich der Nachwuchs den Cartoons zu. Helden wie Batman und die Turtles erobern die Herzen der Jungen, während die Mädchen von den märchenhaften Abenteuern der Meerjungfrau Arielle und der jungen Kaiserin Sissi angetan sind.

Seit die „Sesamstraße" Anfang der 70er Jahre das Vorschulfernsehen einläutete, hat sich einiges getan. Zeichentrickgeschichten und ausgewiesene Kindersendungen, speziell für Drei- bis Sechsjährige, sind Teil der heutigen Fernsehlandschaft. Viele Eltern wissen das zu schätzen, besonders wenn ihre kleinen „Warum-Frager" im Kinderprogramm anschauliche und unterhaltsam verpackte Antworten finden. Doch während sich manche Eltern auch heute noch fragen, ob denn ihre gerade mal erst dreijährigen Sprößlinge überhaupt schon fernsehen sollen, halten die „Teletubbies" Einzug in den Kinderkanal. Als „Fernsehen schon für Zweijährige" wird die Serie angepriesen, denn - so die Macher - Tinky Winky, Dipsy, Laa Laa und Po verkörpern und erleben all das, was die Kleinsten mögen. Die Ära des 'Kleinkinderfernsehens' hat begonnen, und viele Eltern fragen sich nun erst recht: Sollen so kleine Kinder denn schon fernsehen und können sie überhaupt verstehen, was auf dem Bildschirm geschieht? Aus FLIMMO-Sicht sind diese Fragen nicht ganz unberechtigt. Denn die Allerjüngsten sind gerade erst dabei, die Welt zu entdecken und Dinge um sich herum zu begreifen. Das tun sie oft noch im wahrsten Sinne des Wortes. Eine greifbare Welt aber ist das Fernsehen nicht. Ob und wie es folglich bei ihnen ankommt, was sie wahrnehmen und verstehen und was sie als neue Erfahrung mitnehmen, darüber gibt es bislang kaum gesichertes Wissen. Sinn und Unsinn der „Teletubbies" für die ganz Kleinen sind deshalb umstritten.
Und was fangen drei- und vierjährige Kinder mit den „Teletubbies" an? Der FLIMMO hat sich mit ihnen zusammen eine Folge der Serie angesehen. Anschließend hat er mit ihnen gespielt und geredet und so ihre Sichtweisen und Meinungen eingeholt. 

Vertraute Teletubbie-Welt – Witziges kommt an, Babykram nicht

Erscheint auf einem der Fernsehbäuche der Teletubbies ein kurzer Film, und sind Mädchen und Jungen beim Spielen oder alltäglichen Beschäftigungen zu sehen, stößt das bei den Kindern auf Gegenliebe. Hier entdecken sie ihre Welt, und das gefällt ihnen. Großen Spaß haben sie auch, wenn die Teletubbies in Aktion treten und es dabei witzig zugeht. In der gemeinsam gesehenen Folge war das, als Staubsauger Nono beim Ballspiel der vier Windelmatze auf seine Weise mitmischte. Das Windrad, die Lautsprecher, von einem Kind als sprechende „Dusche" identifiziert, sowie das Titellied der „Teletubbies" kamen außerdem gut an. Und was kam nicht an? Alles, was offensichtlich für Kleinkinder gedacht ist. Die Wiederholung des kurzen Films ist ihnen schlicht zu langweilig. Die Sonne mit dem Babygesicht gefiel zwar zunächst. Doch nachdem sie zum dritten Mal auf der Bildfläche erscheint, kommt ein Stöhnen unter den Kindern auf. „Nicht schon wieder die Sonne", seufzte die vierjährige Jana. Heißt es schließlich zum Abschied „Winke Winke", kann Fabian (drei) damit nicht mehr viel anfangen. Ein einfaches „Tschüß" fände er bedeutend besser. 

Rätselhafte Teletubbie-Welt – Einiges bleibt den Kindern verborgen

Mit Hilfe der „Teletubbies" sollen auch schon ganz kleine Kinder an die Welt der Technik herangeführt werden. Das aber gelingt der Serie nicht unbedingt. Selbst den Drei- und Vierjährigen bleibt noch so manches verborgen. So sahen die Kinder aus der FLIMMO-Befragung in den Antennen auf den Köpfen der Teletubbies Zöpfe oder Hüte. Und dass es zwischen Windrad, Antennen und der Ausstrahlung des Films auf einem der Bildschirmbäuche eine Verbindung gibt, nahmen sie gar nicht wahr. Kein Wunder, denn die Sendung bietet dafür keine Erklärungen. Wie auch sonst die Dinge im Teletubbieland einfach so geschehen oder vieles wie durch Zauberei auftaucht und wieder verschwindet.

Auf den Punkt gebracht

Unterhaltsames und Vertrautes aus der Kinderwelt haben die „Teletubbies" den Fernsehanfängern gewiß zu bieten. Die bunten Farben, die klaren Formen und die einfachen Geschichten kommen ihrer Auffassungsgabe entgegen. Eine Welt voller Geräusche und magischer Elemente fesselt die Aufmerksamkeit. Doch was der Sendung fehlt, ist, die Warum-Fragen der Kinder aufzugreifen und den Dingen auf den Grund zu gehen. Deswegen ist zu vermuten, dass schon ältere Vorschulkinder mit den „Teletubbies" nicht mehr viel anfangen können. Nun haben Kinder ein Recht auf 'nur Unterhaltung'. Ihre Neugierde und ihre Lust am Entdecken muss deswegen aber nicht zu kurz kommen. Und was die Allerjüngsten betrifft, so werden sie an der Welt von Tinky Winky & Co. garantiert ihren Spaß haben. Doch wenn sie, statt Staubsauger Nono im Teletubbieland zuzuschauen, ihre eigene Welt erkunden und den Staubsauger zu Hause ausprobieren können, haben sie mit Sicherheit noch mehr davon.

Das große MedienQuiz von FLIMMO und TLM

Google + FLIMMO App
 

Copyright © Programmberatung für Eltern e.V. 1997 - 2017

Zum Seitenanfang