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Spannung im Fernsehen

02.05.2010
Spannung im Fernsehen

Unheimliche Musik, düstere Bilder, Helden in Gefahr: Spannungsmomente sind auf dem Bildschirm an der Tagesordnung. Für Kinder bedeutet Spannung ganz Unterschiedliches: Von Mitfiebern und Nervenkitzel bis hin zu Angst und Überforderung. Spannung heißt aber auch, Neues zu erfahren oder über Ungewöhnliches zu staunen. Was für Kinder spannend ist, was sie belastet und wie sie damit fertig werden, hängt vom Alter ab, und wie gut sie schon mit Film und Fernsehen umgehen können. Zudem spielt das Umfeld eine wichtige Rolle: Wird alleine oder mit Familienmitgliedern geschaut? Gibt es Ansprechpartner, die Unheimliches und Unverständliches erklären können? Bieten Bezugspersonen Geborgenheit und damit einen sicheren Rahmen für spannende Abenteuer auf dem Bildschirm? Besonders Vorschulkinder geraten schnell an ihre Grenzen. Selbst Szenen, die Erwachsenen harmlos erscheinen, können sie überfordern und Ängste auslösen. Je älter die Kinder werden, desto mehr Spannung verkraften sie. Trotzdem sollten Eltern auch bei angehenden Teenagern darauf achten, was ihnen zugemutet werden kann und was nicht.

Spannung im Fernsehen - die Kindersicht

FLIMMO hat 66 Kinder im Alter von sieben bis 14 Jahren im November 2009 zum Thema „Spannung im Fernsehen“ befragt. Die ausführliche Auswertung finden Sie hier.

Helden in Action – Spannung garantiert

„Ich finde die Verfolgungsjagden cool, und dass sie immer unter Zeitdruck stehen.“ Für den zwölfjährigen Fabian (s. Kasten rechts) sind rasante Szenen und eine temporeiche Inszenierung wie bei „Alarm für Cobra 11“ (RTL) gleichbedeutend mit Spannung. Gefährliche Situationen und Missionen, die unerschrockene Frauen und Männer bestehen müssen, faszinieren jüngere wie ältere Kinder. Den Älteren fallen beim Thema Spannung eher Filme und Serien ein, Grundschulkinder und Jüngere fiebern vor allem bei Zeichentricksendungen mit. Während bei den Mädchen Abenteuergeschichten wie „Nils Holgersson“ (KI.KA) oder Zauberhaftes wie Bibi Blocksberg (ZDF) ankommen, sind bei den Jungen Actioncartoons angesagt. Dabei steht der Kampf Gut gegen Böse im Zentrum der Aufmerksamkeit: „Avatar hat halt besondere Kräfte. Wenn da böse Leute kommen, dann kämpft er mit denen“ (Ben, 7 Jahre). Die Vorliebe für unbesiegbare Helden spiegelt das Bedürfnis der Kinder nach Selbstbehauptung. Gerade bei Grundschulkindern, die sich häufig gegenüber den ‚Großen’ durchsetzen müssen, ist das durchaus nachvollziehbar.
Trotzdem sollten die Eltern den Umgang mit der Actionkost im Auge behalten. Viele führt der Wunsch nach Action früher oder später auch ins Erwachsenenprogramm oder in den Spielemarkt. Bewegen sich die Jungen überwiegend in medialen Actionwelten, besteht die Gefahr, dass die Idee von der gerechtfertigten Gewalt an Überzeugungskraft gewinnt.

Was ist ein Cliffhanger?

Der Begriff steht für den ‚hängenden’ (engl: to hang) Ausgang einer Handlung auf ihrem Höhepunkt (engl. Cliff = Klippe, Abgrund) am Ende einer Episode. Der Fortgang der Geschichte wird unterbrochen, die Auflösung gibt es erst in der nächsten Folge. Die 13-jährige Laura hat den Trick durchschaut: „Das ist spannend, dass die grad an der Stelle aufhören, wo was passiert. Dann will man immer weitergucken und schaltet das nächste Mal wieder ein.“

Spannender Alltag – Mitfiebern in Serie

Die Lieblingsserie der elfjährigen Karina ist „Das Haus Anubis“ (Nickelodeon). Zum einen, weil die Mädchen und Jungen der Serie kaum älter sind als sie selbst. Zum anderen, weil sich das Auf und Ab des Teenageralltags in einem geheimnisvollen Rahmen voller spannender Zwischenfälle abspielt. Ob die jungen Protagonisten hinter das Geheimnis von Haus Anubis kommen ist ungewiss. Zudem endet jede Folge mit einem Cliffhanger (siehe Kasten), der die Spannung zusätzlich steigert. Für Karina macht das den Nervenkitzel aus: „Es sind halt immer so mysteriöse Sachen, die dann passieren.“

Solange das Ganze nicht zu bedrohlich wird, können die jungen Fans dieses Serienmuster genießen. Jüngeren Kindern unter zehn Jahren können die unheimlichen Vorgänge im Haus Anubis allerdings zu aufregend werden. Spannung ganz anderer Art bieten Soaps und Serien wie "Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ (RTL) oder „Marienhof“ (ARD). Die zehnjährige Ilona zum Beispiel fiebert bei „Anna und die Liebe“ (SAT.1) regelmäßig mit. Was sie daran spannend findet? „Zum Beispiel, dass die Anna Probleme hat mit ihrem Freund. Weil da ist eine andere Frau, die immer dazwischenfunkt.“ Solche Szenen haben für ältere Kinder einen großen Reiz. Sie erhoffen sich hier alltagstaugliches Anschauungsmaterial: Wie finde ich Freunde? Wie nähere ich mich dem anderen Geschlecht? Wie kann ich mit den Problemen fertig werden, die die Liebe mit sich bringt?

Thema Sendezeit

Krimi, Action, Mystery – „und obendrauf kommt es abends, wenn es dunkel ist“ (Jonas, 13 Jahre). Eltern aufgepasst: Das Abendprogramm ist nicht immer „kindertauglich“. Ab 20 Uhr laufen Sendungen, die Kinder irritieren und belasten können. Wer sicher gehen will, Kinder nicht zu überfordern, sollte entweder nach acht den Fernseher ausschalten oder das Abendprogramm besonders sorgfältig auswählen. Konkrete Unterstützung durch pädagogische Einschätzungen des aktuellen Programmangebots bis 22 Uhr finden Sie hier.

Spannendes Wissen – faszinierende Einblicke

Vor allem bei älteren Kindern stehen auch Wissenssendungen und Dokumentationen für Spannung, „besonders wenn jetzt irgendwas Seltenes ist, also was ganz Spektakuläres“ (Tim, 13 Jahre). Experimente, wie bei „Wissen macht Ah“ (ARD), „WOW – Die Entdeckerzone“ (SuperRTL) oder „Galileo“ (PRO 7), finden die Jungen und Mädchen besonders interessant: „Zum Beispiel, ob ein Taschenmesser eine Schrottpresse aushält“ (Matthias, 10 Jahre). Wichtig ist, dass die Inhalte anschaulich und abwechslungsreich in Szene gesetzt werden. Die Moderation sollte auf jeden Fall leicht verständlich und ansprechend sein. Die grundsätzliche Neugier können Eltern nutzen, um Kinder auf interessante Sendungen und Sachverhalte aufmerksam zu machen. Und ist das Interesse für ein Thema erst mal geweckt, können Quellen wie Bücher, Zeitschriften oder das Internet den Wissensdurst zielgerichtet stillen.

Nicht für Kinder: Spannung, die überfordert

Je jünger die Kinder sind, desto größer ist die Gefahr, dass aufregende Inhalte Angst und Verunsicherung auslösen. Vor allem Trennungsszenen und Gefahr für Mensch und Tier machen den Jüngsten zu schaffen. Der siebenjährige Kevin erinnert sich an eine Szene, die ihm besonders naheging: „Wo der Jäger den Sohn vom König der Löwen gefangen hat.“ Wird es unheimlich, kann der Nervenkitzel auch bei den Älteren schnell in Angst und Schrecken umschlagen. „Bei Harry Potter, da kam so ein Geist und da hab ich mich ganz doll erschrocken“, erzählt die zehnjährige Hanna.
Vor allem, wenn solch gruselige Szenen nicht eindeutig dem Reich der Fantasie zugeordnet werden können, stoßen Kinder an ihre Grenzen. Werden sie mit diesen Eindrücken allein gelassen, ist die Verunsicherung besonders groß. Dies gilt im Besonderen auch für realitätsnahe Szenen, in denen Menschen Opfer von Gewalt werden. Denn häufig beziehen Kinder das Gesehene auf sich und fürchten, selbst Opfer von Gewalt zu werden. Die elfjährige Lena fasst diese Angst in Worte: „Wenn dann ein Mörder durchs Fenster kommt und wenn die dann ahnungslos auf der Couch sitzen. Ich stell mir das dann immer vor, wenn ich das jetzt wäre.“

Eltern aufgepasst – mit Spannung umgehen

Kinder erleben Film- und Fernsehinhalte meist viel emotionaler als Erwachsene. Sie gehen im wahrsten Sinne des Wortes mit, in ihrer Gestik und Mimik spiegelt sich der Spannungsgrad. Für Eltern zeigt sich darin, ob das Bildschirmgeschehen die Grenzen der Kinder übersteigt. Deshalb ist es wichtig, auf äußere Zeichen sensibel zu reagieren. Spätestens wenn sich die Mädchen und Jungen die Hände vors Gesicht halten, sich hinterm Sofa verstecken oder gar anfangen zu weinen, sollten Eltern eingreifen: Entweder gleich den Fernseher ausschalten oder mit Trost und Erklärungen für Entspannung sorgen. Nach besonders aufregenden Fernseherlebnissen ist es für die Kinder wichtig, die Anspannung wieder loszuwerden. Herumtollen, Spielen und Malen kann helfen, das Gesehene aktiv zu verarbeiten. Auch ein Gespräch mit den Kindern über ihre Eindrücke ist sinnvoll. Infos über Hintergründe und Inszenierungstricks können ihnen außerdem helfen, sich von den aufregenden Bildern zu distanzieren. Wenn die Mädchen und Jungen erst einmal begreifen, wie Spannung in Bild und Ton ‚erzeugt’ wird, ist die Gangsterjagd im TV gleich weniger bedrohlich.
Manche Sendungen des Abendprogramms sollten Kinder trotzdem gar nicht erst sehen, weil sie ihre Belastungsgrenzen überschreiten. Krimis wie „Tatort“ (ARD) oder „CSI Miami“ (RTL) gehören ebenso dazu wie Spielfilme à la „Herr der Ringe“ oder “The Sixth Sense“.

FLIMMO bespricht das aktuelle Fernsehprogramm und gibt Tipps zur Fernseherziehung. Bewertet werden Sendungen, die 3- bis 13- jährige Mädchen und Jungen gerne sehen oder mit denen sie als Mitseher in Berührung kommen. Um einen schnellen Überblick zu bieten, sind die Sendungen in drei Rubriken eingeteilt.

Was bedeuten die Rubriken?

Kinder finden's prima

Von Sendungen in dieser Rubrik sind Kinder angetan. Auch wenn nicht alles den Geschmack der Erwachsenen trifft, "Kinder finden's prima".

Mit Ecken und Kanten

Sendungen in dieser Rubrik werden von Kindern gemocht, haben aber auch „Ecken und Kanten“. Sie enthalten Bestandteile, die Kindern nicht nur gut tun.

Nicht für Kinder

Sendungen in dieser Rubrik enthalten Bestandteile, die für Kinder schwer verkraftbar sind. Am besten hält man Kinder davon fern, da sie überfordert, verunsichert oder geängstigt werden können.

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