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Sport auf Sendung - Was Kinder gucken

02.05.2016

Für viele Kinder spielt Sport eine wichtige Rolle im Alltag. Die meisten treiben selbst Sport, sei es im Verein, in der Schule oder einfach mit Freunden auf dem Bolzplatz. Vor allem Fußball und Tanzen sind bei Jungen und Mädchen beliebt, aber auch mit Leichtathletik und Turnen, Handball oder BMXFahren halten sich Kinder fit.

Im TV, im Internet oder auf der Konsole ist Fußball das Maß aller Dinge. Tricks und Tore von Messi und Co. auf YouTube sind nicht nur bei Jungen der Hit. In vielen Familien ist Fußballgucken Alltag. Für die siebenjährige Lioba etwa steht die Sportschau (Das Erste) regelmäßig auf dem Programm. Gemeinsam mit ihrem Vater verfolgt sie die Spiele und beobachtet Taktik und Technik. Als begeisterte Nachwuchs-Kickerin ist sie überzeugt, dass sie im realen Leben davon profitieren kann: »Da kann ich lernen, wie man gut Fußball spielt.«
Daneben kommen auch andere Sportarten wie Leichtathletik oder Skispringen bei Kindern an. Für Clemens (12 Jahre) ist zum Beispiel faszinierend,
»wie weit die mit den Skiern fliegen«.1

1 FLIMMO hat in verschiedenen Bundesländern Kinder
zwischen sechs und 13 Jahren zum Thema Sport befragt.

Sport als Gemeinschaftserlebnis

Gerade wenn es um Großereignisse wie Olympia oder die Fußball-EM geht, wollen Kinder auf jeden Fall gemeinsam mit anderen schauen. Das Mitfiebern
mit der eigenen Mannschaft oder dem Lieblingssportler macht ihnen im Kreis der Familie oder mit Freunden doppelt Spaß. Public Viewing ist bei den befragten Kindern weniger angesagt, die Sportübertragung als Live-Event im heimischen Garten oder Wohnzimmer umso mehr. Besonders der WM-Titel von 2014 ist vielen Kindern im Gedächtnis.

Wenn Freunde oder Familienmitglieder Kommentare abgeben, sorgt das bei manchen Kindern für Belustigung. »Der Onkel sagt immer: ›Was macht der da, er könnte doch Freischuss machen.‹ Das finde ich lustig« (Tobias, 7 Jahre). Bei Sportevents geht den Mädchen und Jungen aber auch manches gegen den Strich. Wenn der Schiedsrichter gegen die eigene Mannschaft pfeift oder wenn Kommentatoren Unsinn reden. Für den zehnjährigen Simon sind außerdem böse Fouls ein Ärgernis, »wenn die sich absichtlich wehtun und schubsen, das find ich blöd«.

Weil viele Sportübertragungen erst am Abend zu sehen sind, wird die Alltagsroutine schon mal auf den Kopf gestellt. »Wenn die Spiele lange gehen
sagt Papa immer, wir müssen einen Mittagsschlaf machen«, erzählt zum Beispiel der neunjährige August. Manche Kinder dürfen auch nur die erste Hälfte sehen oder nur bis zu einer bestimmten Uhrzeit. Vor allem, wenn am nächsten Tag Schule ist, sollte irgendwann Schluss sein.

Für einige Kinder hat es einen besonderen Reiz, in Sportspielen an der Konsole gegeneinander anzutreten. Sich zu messen und gemeinsam Spaß zu haben, fasziniert Mädchen und Jungen bei FIFA oder Mario Kart. Bewegungsspiele auf der Wii sind ebenfalls beliebt, weil »es Spaß macht und man sich bei der Wii trotzdem mitbewegt, obwohl es ein Fernsehspiel ist« (Selina, 12 Jahre). Für den elfjährigen Anton hat der digitale Sport ganz praktische Gründe: »Weil man so Sachen wie zum Beispiel Baseball machen kann, ohne die nötige Ausrüstung. Und man kann auch spielen, wenn man alleine ist und gerade kein Freund kommen kann.«

Sportidole

Zwischen Vorbild und Vermarktung

Bekannte Sportler wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi sind längst internationale Popstars, die rund um den Globus verehrt und vermarktet werden. Fußball-Stars gehören auch für die befragten Kinder zu den wichtigsten Idolen. Der achtjährigen Emily hat es vor allem der Torhüter Manuel Neuer angetan. Ganz konkret motiviert sie die Vorstellung ihres
Idols bei eigenen sportlichen Aktivitäten: »Ich hab beim Rennen den Manuel Neuer im Kopf. Dann hab ich versucht die Luft reinzunehmen und einfach zu
rennen und dann war ich echt schnell,  ich hab es nicht geglaubt.«

Für Kinder sind Spielstärke, Charaktereigenschaften, aber auch das Aussehen bis hin zur Frisur wichtig. Tricks und Schusstechnik werden studiert und
anschließend geübt. Für manche sind aber auch lokale Sportgrößen wichtige persönliche Vorbilder, etwa die Kletterlehrerin oder die Spieler im örtlichen
Handballverein.

Das Geschäft mit dem Fußball, bei dem Stars Millionengehälter beziehen und als Werbeträger Kindern und Jugendlichen teure Produkte nahebringen,
ist die andere Seite der Medaille. Die massiven kommerziellen Interessen sind selbst den älteren befragten Kindern kaum bewusst. Wenn Sportler Werbung für fragwürdige Produkte wie etwa ungesunde Lebensmittel machen oder auf ihrer Facebook-Seite teure Sportkollektionen anpreisen, ist das aus Sicht von FLIMMO durchaus diskussionswürdig.

Kinderfilme rund um Sport

ab 7 Jahren

Carlitos und das Land der Träume 
Spanien, 2008
Ella und das große Rennen
Finnland, 2012
Teufelskicker
Deutschland, 2010

ab 10 Jahren

Abseits für Gilles
Belgien, 2005
Billy Elliot - I Will Dance
Gr0ßbritannien, 2000
Nur Mut, Jimmy Grimble
Großbritannien, 2006
 Starke Mädchen weinen nicht
Niederlande, 2012
The Liverpool Goali oder: Wie man die Schulzeit überlebt!
Norwegen, 2010

 

Sport im Kinderprogramm

Auch im Kinderprogramm geht es mitunter sportlich zu. Großer Beliebtheit erfreuen sich nach wie vor Die wilden Kerle, egal ob als Spielfilm-Reihe oder
Zeichentrickserie. Für Clara (11 Jahre) ist das einzige Mädchen in der Jungengang die Identifikationsfigur schlechthin: »Von der Vanessa könnte man sich eine Scheibe abschneiden. Sie weiß ja selber, dass sie gut Fußball spielen kann und setzt ihre Meinung durch. Das finde ich voll gut.«

In Fußball HELDEN comic (KiKA) wird der Werdegang bekannter Fußballer und Fußballerinnen nachgezeichnet. Die Mischung aus Real- und Zeichentrickproduktion zeigt die Hürden und Probleme, die die heutigen Stars überwinden mussten.

Die elfjährige Sanna spricht die Serie Dance Academy (KiKA) besonders an: »Ich finde auch immer die Probleme cool, wie sie die lösen. Und ich mag, dass es so ein bisschen an eine Liebesgeschichte grenzt.« Tanzen stößt vor allem bei Mädchen auf Interesse. Bei Sendungen wie Dance Academy und Let’s Dance (RTL) zeigen sich die jungen weiblichen Fans beeindruckt von der Körperbeherrschung der Tänzer, dem harten Training und nicht zuletzt von der
mitreißenden Musik.

Ganz unterschiedliche Sportarten werden bei Kann es Johannes? (KiKA) in den Mittelpunkt gestellt. Moderator Johannes bleiben nur 48 Stunden Zeit, um eine neue Sportart zu erlernen. Für Mädchen und Jungen vor dem Bildschirm
kann das ein Anreiz sein, selbst aktiv zu werden und Neues auszuprobieren.

Auch zahlreiche Kinderfilme haben Sport zum Thema (siehe Kasten). Dabei geht es zum Beispiel um Zusammenhalt und Teamgeist, das Überwinden von Widerständen und den Glauben an die eigene Stärke. Solche Geschichten
sprechen vor allem Kinder ab dem Grundschulalter an und können Mut machen, selbst aktiv zu werden und die eigenen Ziele konsequent zu verfolgen.

 

Tipps für Eltern

  • Wennschon, dennschon:
    Machen Sie das Sportereignis zum Familienevent. Das ermöglicht Erklärungen, Fachsimpelei und im Bedarfsfall tröstende Worte, wenn das eigene Team verloren hat.
  • Sportschauen ist gut, selber Sport treiben ist besser:
    Schon aus gesundheitlichen Gründen sollten Heranwachsende möglichst oft aktiv sein. Außerdem kann Sport Teamfähigkeit, soziale Kompetenz und Durchhaltevermögen stärken. Medien können Anreiz und Informationsquelle sein.
  • Vermarktungsstrategien und Werbeversprechen hinterfragen:
    Das Millionengeschäft mit dem Sport ist für Kinder nicht leicht zu durchschauen. Daher ist es wichtig, sie dabei zu unterstützen.

"Sport ist gut für den Kopf..."

Ein Interview mit Verena Bentele, frühere Biathletin, Skilangläuferin, vierfache Weltmeisterin
und zwölffache Paralympics-Siegerin. Seit 2014 ist sie Beauftragte der Bundesregierung
für die Belange behinderter Menschen.


Welche Bedeutung kann Sport für Kinder haben?
Kinder lernen durch Sport viele Dinge, die fürs Leben wichtig sind. Ausdauer etwa,
denn man muss ja jede Woche ins Training. Die Kraft wird mehr und damit auch das
Selbstbewusstsein. Man weiß aus Untersuchungen, dass sich sportlicher Erfolg auch
positiv auf schulischen Erfolg auswirkt: Wenn beim Turnen der Salto am Reck endlich klappt,
dann gibt das Motivation für andere Dinge. Sport ist gut für den Kopf: Man lernt, dass es
sich lohnt zu trainieren und dranzubleiben. Im Sport finden Kinder auch Vorbilder, die
erfolgreich sind, die etwas erreicht haben. Ich fand das als Kind inspirierend. Ich habe
immer viel Sport gemacht, musste aber nicht in jeder Sportart Gewinnerin sein. Es ist genauso
okay, Sport zu treiben, weil es Spaß macht.


Wie kann man fördern, ohne Kinder zu »drillen«?
Es ist eine Gratwanderung. Einerseits sollten Eltern ihre Kinder motivieren durchzuhalten,
wenn es mal nicht so rund läuft. Jedes Mal nachzugeben, wenn man keine Lust hat,
bringt einen nicht weiter. Das Bild von Eltern, die permanent am Schwimmbecken stehen
und ihre Kinder durchs Schwimmbad triezen, finde ich aber nicht sehr positiv. Wenn ein Kind das
nicht möchte, geht das vielleicht eine Weile gut, aber irgendwann wird es einen riesigen
Knacks geben.

Haben Sie diesbezüglich einen Wunsch an Medien?
Das Fernsehen sollte mehr Sport mit Menschen mit Behinderung zeigen. Das
wäre für viele Familien eine Inspiration. Sie sehen, dass ihr Kind an Sportereignissen
teilnehmen und auch einen Sport für sich finden kann. Ich bekomme immer wieder
Anrufe von Eltern mit einem Kind mit Behinderung, die fragen: Wie kann ich mit meinem
Kind Skifahren, Hockey spielen etc. Es muss unbedingt gezeigt werden, dass es möglich
ist, dass alle Kinder mit Bewegungsdrang auch Sport machen können.

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