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Star Wars - Sternenkrieg im Kinderzimmer?

01.10.2012
Flimmo Broschüre 3-2012

"Da ist einfach ganz viel Action drin und ich mag halt die Filme mit Action." Für den siebenjährigen Niklas* ist "Star Wars" derzeit Thema Nummer eins. Mit seiner Vorliebe steht der Junge nicht alleine da: Kaum ein Kindergeburtstag, an dem nicht haufenweise kleine Anakins, Darth Vaders oder Yodas unterwegs sind. Kinderzimmer werden mit "Star Wars"-Postern geschmückt, die Bettwäsche zieren Star Wars-Schriftzüge und in der Freizeit werden Sammelkarten getauscht oder LEGO-Raumschiffe zusammengebaut. Als im Mai dieses Jahres "Episode I" in 3D in die Kinos kam, fragten sich viele Eltern: Sind die Jungen und Mädchen schon alt genug für das Action-Spektakel? Was fasziniert die Kinder an den Geschichten überhaupt? Und wie soll man als verantwortungsbewusste Eltern damit umgehen?

"Das ist eine andere Welt" – Was fasziniert Kinder?

Die Geschichte vom Kampf Gut gegen Böse in einer weit entfernten Galaxis ist eine Mischung aus Märchen, Fantasy und Science-Fiction. Viele Jungen sehen es ähnlich wie Niklas: Raumschlachten, Lichtschwertduelle und andere kämpferische Auseinandersetzungen machen für sie die Faszination von "Star Wars" aus. Die älteren Verfilmungen sind aus heutiger Sicht weniger spektakulär, denn "da ist die Technik noch nicht so weit gewesen" (Leon, 13 Jahre). Die neueren Verfilmungen Episode I bis III sind atemberaubende Action-Spektakel, in denen ein Höhepunkt den nächsten jagt. Kampfaktionen nehmen insgesamt großen Raum ein. Für FLIMMO ein Grund, warum sowohl die Serie als auch die Filme der Rubrik "Mit Ecken und Kanten" zugeordnet sind: Gewalt wird im Krieg der Sterne als unverzichtbar dargestellt. Auch wenn die Gewaltaktionen in eine fantastische Märchenwelt eingebettet sind, fordert der Krieg zahlreiche Todesopfer, an drastischen Kampfszenen wird nicht gespart.

Star Wars: Das Phänomen

Georg Lucas, der Erfinder von Star Wars, hat sich bereits vor Drehbeginn die Rechte an möglichen Fortsetzungen und der Vermarktung in jeglicher Form gesichert und verdient bis heute an den unzähligen Lizenzprodukten.

Die Filme

Die Erfolgsgeschichte begann mit der ursprünglichen Filmtrilogie (1978-83). Die Vorgeschichte erzählen die Episoden I bis III, die zwischen 1999 und 2005 in die Kinos kamen. Episode I ist von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) ab sechs Jahren freigegeben, alle anderen Teile ab zwölf Jahren.

Die Serie

Seit 2008 ist die Animationsserie "Star Wars – The Clone Wars" (derzeit Kabel 1) im deutschen Fernsehen zu sehen. Die Geschichte spielt zwischen Episode II und III. Neben den zentralen Helden, werden in der Serie weitere Figuren eingeführt, unter anderem die junge Jedi-Schülerin Ahsoka.

Lego Star Wars

Die Produktfülle von Lego ist gigantisch, die Kosten für das Spielzeug nicht ohne. Alle Sets zu besitzen hält sogar der ausgewiesene Star Wars-Fan Matthias (10 Jahre) für unrealistisch, denn "da müsste man so reich sein wie Dagobert Duck".

Digitale Spielwelten

Zahlreiche Action-Adventures wie Lego Star Wars – Die komplette Saga sind ab sechs Jahren freigegeben und für unterschiedliche Plattformen (PC, X-Box 360, PSP) verfügbar. Die Lego-Seite richtet sich als Vermarktungsplattform gezielt an (jüngere) Kinder und verbindet Produktwerbung mit Spielelementen.

Sammelkarten

Die Päckchen zu fünf Karten sind am Kiosk, in Spielwarengeschäften oder im Internet erhältlich. Mit den Spielkarten können Duelle ausgefochten werden, der eigentliche Reiz ist es aber, alle Karten einer Serie zu besitzen und im Sammelalbum aufzuheben. Um die Kartensets zu vervollständigen, wird untereinander getauscht.

Kleidung und Alltagsgegenstände

Von der Zahnbürste über Tassen bis hin zu Bettwäsche und Kleidung gibt es kaum eine Produktkategorie, die nicht im Star Wars-Look erhältlich ist. Als Symbole der Zugehörigkeit zur Gruppe der Star Wars-Fans sind solche Utensilien ab dem Grundschulalter äußerst beliebt.

Neben der Action sind es die Heldenfiguren, die Kinder faszinieren. Robin (8 Jahre) kann sich vor allem für den jungen Anakin begeistern: "Er ist mächtig. Und immer wenn irgendwas in Panik ist, geht er gleich hin. Also er hat nie Angst." Es ist durchaus nachvollziehbar, dass ausgerechnet ein jugendlicher Held für Kinder im Mittelpunkt steht, und das nicht nur wegen seiner Kampfkraft. "Ich finde seinen Geschmack halt gut. Ich hab auch eine ähnliche Frisur wie Anakin. Und außerdem hört er nicht immer auf Obi-Wan."

Fabian (9 Jahre) kann sich mit dem begabten, jugendlichen Rebellen identifizieren. Dass er seinem väterlichen Freund und Meister Obi-Wan nicht immer gehorcht, macht ihn doppelt sympathisch. In dieser Vorliebe spiegelt sich die eigene Wunschvorstellung, unbesiegbar zu sein und mit Eigensinn Erfolg zu haben – auch im Widerstand gegen Eltern oder ältere Geschwister.

Einige der befragten Mädchen fiebern ebenfalls mit ihren Lieblingsfiguren mit: So schwärmt Amber (10 Jahre) von der jungen Jedi-Schülerin Ahsoka aus der Animationsserie "Star Wars – The Clone Wars" (Kabel 1): "Sie ist toll und witzig, hat Action – das begeistert mich." Wenn lustige Figuren wie die Roboter R2-D2 und C3-PO oder der haarige Wookie Chewbacca für Entspannung sorgen, sind Jungen und Mädchen gleichermaßen angetan.
Auch die "Macht", die den Helden übermenschliche Kräfte verleiht, fasziniert Kinder. Menschen oder Dinge schweben zu lassen, weit zu springen oder andere fantastische Fähigkeiten wünscht sich so mancher "Star Wars"-Fan.

"Da hab ich ein bisschen geweint" – was Kindern zusetzt
Das Tempo, die Dramatik und der massive Gewalteinsatz sind Elemente, die jüngere Kinder überfordern können. Für den elfjährigen Paul war die Belastungsgrenze in Episode III überschritten, "wo sie dann gekämpft haben, dann ist er ja verbrannt geworden. Am Ende wird er zum Darth Vader gemacht". In diesem Teil wird aus Anakin der Bösewicht Darth Vader, der der dunklen Seite der Macht verfällt. Im entscheidenden Duell gegen seinen alten Meister Obi-Wan zieht er den Kürzeren, verliert mehrere Gliedmaßen und stürzt in glühende Lava. Einige Kinder haben geschildert, dass diese Szene Ängste hervorgerufen hat, andere mussten rausgehen oder sich die Hände vors Gesicht halten. Dass ausgerechnet der Lieblingsheld vieler Kinder böse wird, macht die Geschichte nicht leichter zu verkraften. Gerade dieser Teil der "Star Wars"-Reihe ist für Kinder unter zwölf Jahren deshalb nicht zumutbar.

Die Hintergrundgeschichte ist für die meisten Kinder unter zehn Jahren zu kompliziert, vielen fällt es schwer, die Handlung zusammenhängend wiederzugeben. Einige eingeschworene Fans genießen es jedoch, sich mit dem Expertenwissen zu Star Wars gegenüber Gleichaltrigen und Erwachsenen zu profilieren.

 

"Da bin ich Rekordhalter": Mehrfachvermarktung

"Star Wars" ist eine mitreißende Actionwelt, in die junge (und ältere) Fans völlig eintauchen können. Von den Filmen bis zu den Sammelkarten gibt es nichts, was es nicht gibt. Das Expertenwissen über Star Wars, rekordverdächtige Mengen an Spielzeug oder Sammelkarten bringen den jungen Fans neben Spaß auch Anerkennung unter Gleichaltrigen. Im Umkehrschluss kann es sein, dass Kinder, die aus finanziellen oder anderen Gründen wenig oder keinen Zugang zu solchen Medieninhalten und Produkten haben, ausgegrenzt werden.

Ein weiteres Problem ist, dass die Star Wars-Fans immer jünger werden. Kein Wunder, denn mit LEGO-Spielzeug, Laserschwertern von einschlägigen Fast-Food-Ketten oder Sammelkarten am Kiosk werden schon die Grundschulkinder auf den Geschmack gebracht. Die Eltern müssen früher oder später entscheiden, wann der Krieg der Sterne im Kinderzimmer Einzug halten darf. Oft sehen die Väter diese Frage weniger kritisch als die Mütter, schließlich haben nicht wenige selbst als Kinder oder Jugendliche im Kino mitgefiebert. Einige Kinder berichten sogar, dass Star Wars ein gemeinsames Hobby von Vätern und Söhnen ist.

Von Harry Potter bis Spiderman: Actionwelten für Kinder lassen sich von der Unterhaltungsindustrie bestens vermarkten. Die Botschaft vom gerechten Kampf für die gute Sache wird auf vielen Wegen an die Kinder herangetragen. Umso wichtiger ist es, dass Eltern bei allzu einseitigen Actionvorlieben gegensteuern. Hier ist Engagement gefragt und im Zweifelsfall auch Konsequenz, um Grenzen zu ziehen, damit die Lust an Spannung und Action nicht problematische Züge annimmt.

Tipps für Eltern

Im Zweifelsfall gemeinsam schauen

Kommen Ihnen Zweifel, ob die eigenen Kinder Star Wars schon gewachsen sind, sollten Sie am besten gemeinsam gucken. So kann man bei "schlimmen" Szenen Trost spenden oder abschalten, wenn es den Kindern zu viel wird. "Episode III – Die Rache der Sith" sollte Kindern unter zwölf Jahren generell nicht zugemutet werden.

Geschichten erzählen

Wenn schon die Jüngsten vom Star Wars-Fieber gepackt werden, aber das Anschauen der Filme oder der Serie nicht zur Debatte steht, greifen manche Väter zu einer ebenso einfallsreichen wie traditionellen Methode: Sie erzählen einzelne Szenen als Gutenachtgeschichten. Drastische Details werden in diesem Fall natürlich weggelassen.

Maß halten: Nicht nur aus Kostengründen

Nicht alles, was auf dem Markt ist, muss gekauft werden. Kinder sollten sich von klein auf ein maßvolles Konsumverhalten angewöhnen. Deshalb kann es nicht schaden, auch mal Nein zu sagen. Wichtig ist, den Kindern die Gründe zu erklären und beispielsweise die Altersangemessenheit und Qualität von Produkten zum Thema zu machen.

Kreativ sein

Statt nur "Fertigprodukte" auch mal die eigene Fantasie und Kreativität nutzen: Warum nicht eigene Sammelkarten malen oder ein Star Wars-Brettspiel basteln? Mit eigenen Ideen lässt sich vieles realisieren. Das macht Spaß und kostet nicht die Welt. Außerdem können in der kreativen Auseinandersetzung Heldenbilder hinterfragt und Botschaften kritisch unter die Lupe genommen werden.

 *FIMMO hat 67 Mädchen und Jungen zum Thema "Star Wars" befragt. Dabei ging es um die Filme und die Animationsserie, aber auch um Sammelkarten, Spiele und andere Produkte des Star Wars-Universums.

FLIMMO bespricht das aktuelle Fernsehprogramm und gibt Tipps zur Fernseherziehung. Bewertet werden Sendungen, die 3- bis 13- jährige Mädchen und Jungen gerne sehen oder mit denen sie als Mitseher in Berührung kommen. Um einen schnellen Überblick zu bieten, sind die Sendungen in drei Rubriken eingeteilt.

Was bedeuten die Rubriken?

Kinder finden's prima

Von Sendungen in dieser Rubrik sind Kinder angetan. Auch wenn nicht alles den Geschmack der Erwachsenen trifft, "Kinder finden's prima".

Mit Ecken und Kanten

Sendungen in dieser Rubrik werden von Kindern gemocht, haben aber auch „Ecken und Kanten“. Sie enthalten Bestandteile, die Kindern nicht nur gut tun.

Nicht für Kinder

Sendungen in dieser Rubrik enthalten Bestandteile, die für Kinder schwer verkraftbar sind. Am besten hält man Kinder davon fern, da sie überfordert, verunsichert oder geängstigt werden können.

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