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Start in die Medienwelt - Richtige Begleitung von klein auf

07.05.2015

Fasziniert beobachtet die kleine Janine das Geschehen auf dem Bildschirm: »Vorsicht, da kommt der Böse!« Sie hält die Hände vor den Mund und springt auf: »Lauf schnell weg.« Ihre Geschwister amüsieren sich, die Mutter spricht beruhigend auf sie ein: »Das ist doch nur ein Film, das ist nicht echt.« Die Vierjährige hat sich schnell beruhigt und kuschelt sich an ihr Prinzessin Lillifee-Kissen. »Noch eine Folge!«

Kinder wachsen heute von Beginn an mit Medien auf. Bilderbücher, Hörgeschichten und elektronisches Spielzeug gehören in den meisten Familien ebenso zum Alltag wie Smartphones und Tablets. Die Lieblingshelden der Mädchen und Jungen laufen auf dem Computer, auf mobilen Geräten oder im TV. Für Eltern stellt sich mehr denn je die Frage, was für kleine Kinder angemessen ist. Ab welchem Alter können die Mädchen und Jungen die Medienwelt begreifen? Welche Geschichten sind für Kinder ab drei Jahren geeignet? Was fasziniert sie, welche Themen und Figuren sprechen sie an? Wie unterscheiden sich Mädchen und Jungen? Was können sie verstehen, was überfordert sie? Welche Geräte und Plattformen bieten geeignete Inhalte? FLIMMO hat Drei- bis Sechsjährige sowie deren Eltern und ErzieherInnen zum Thema Lieblingsfiguren, Medienumgang und Medienalltag befragt. Der ausführliche Bericht ist hier abrufbar: Kinderbefragung Oktober/November 2014.

Zusammen sind wir stark!

Hilfreiche Helden

»Sie ist das mutigste Burgfräulein in ganz Schrottland. « Bö ist für den fünfjährigen Moritz der Star bei Ritter Rost. »Sie ist stärker als Ritter Rost und muss auch noch den ganzen Haushalt machen.« Das imponiert dem Jungen, der die Geschichten am liebsten mit seiner älteren Schwester auf dem iPad anschaut.

Figuren, die anderen helfen und etwas Besonderes können, sind für viele Kinder wahre Helden. Im Gegensatz zu älteren Kindern liegen ihnen besonders kleine Hauptfiguren am Herzen, die den Größeren und Stärkeren Paroli bieten können. Noch wichtiger ist ihnen, dass »die Lieben« immer gewinnen und dass die Geschichten auf jeden Fall gut ausgehen.

Medienkonsum ab 0?

Babys und Kleinkinder erkunden ihre Umwelt mit Händen und Mund. Alles wird angefasst und in den Mund gesteckt. Das ist für ihre Entwicklung zentral. Medien sind bis zum Alter von drei Jahren weder notwendig noch sinnvoll. Wenn, dann sollte die Beschäftigung mit Tablet, Smartphone und Co. sehr dosiert und nur in Begleitung von Bezugspersonen stattfinden.

 

Für den vierjährigen Benjamin trifft Thomas und seine Freunde (SuperRTL) genau seinen Geschmack. Wenn Thomas anderen Loks hilft und mit ihnen gemeinsam Hindernisse überwindet, fiebert er mit. Kein Wunder: Vorschulkinder müssen sich vielen Herausforderungen stellen, ständig Neues lernen und sich gegen Größere behaupten. Da machen Geschichten rund um kleine Helden mit besonderen Eigenschaften und großem Zusammenhalt Mut. Eine Botschaft, die das kindliche Selbstbewusstsein und soziales Handeln stärken kann.



Prinzessin oder starke Kämpfer?

Geschlechter unterscheiden sich

Während die Unterschiede bei den Drei- und Vierjährigen noch nicht so ausgeprägt sind, entwickeln sich die Geschlechter im Laufe der Vorschulzeit auseinander. Bei den Fünf- und Sechsjährigen zeigen sich schon größere Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Während Mädchen in diesem Alter verstärkt für niedliche Tierfiguren oder zauberhafte Geschlechtsgenossinnen schwärmen, sind viele Jungen vor allem von Autos und anderen Gerätschaften fasziniert. Andere begeistern sich schon für Action und kämpferische Helden. Derzeit sind bei ihnen besonders Serien aus dem Lego-Universum angesagt, wie etwa Legenden von Chima oder Ninjago (beide SuperRTL). Für Eltern gilt es, bei solchen Vorlieben aufmerksam und kritisch zu sein. Die Sendungen vermitteln, dass Gewalt für die gute Sache gerechtfertigt ist. Umso wichtiger ist es, den jüngsten Actionfans alternative Vorbilder zu bieten.

Bei einigen der befragten Mädchen steht das Thema »Prinzessin sein« ganz oben. Mit Prinzessin Lillifee oder der Eisprinzessin können sie Traumvorstellungen ausleben. Die schönen Kleider, eine tolle Krone, aber auch die Hilfsbereitschaft der Märchenfiguren üben eine große Anziehungskraft aus. Wie Eltern mit den Klischees und Rollenbildern umgehen, hängt natürlich von den eigenen Vorstellungen und Wertmaßstäben ab. Trotzdem kann es nicht schaden, gerade den Mädchen originelle und selbstbewusste Figuren abseits kitschiger Stereotype nahezubringen. Zauberkräfte wie Bibi und Tina (ZDF) zu haben, ist für die sechsjährige Franziska ein Traum: »Zum Beispiel könnte ich mir dann ein Haustier hexen!« Dass sie die Geschichten aus Film und Fernsehen auf ihren Alltag beziehen und eigene Wünsche und Fantasien einbringen, ist typisch für diese Altersgruppe.

Bewegter Alltag

Spass für die Kleinsten

Wenn Zeichentrickfiguren außergewöhnliche und unerwartete Dinge tun, amüsieren sich viele Mädchen und Jungen köstlich. Die vierjährige Zoe hat eine lustige Szene aus Die Sendung mit der Maus (Das Erste/KiKA) in Erinnerung: »Die hat schon mal ihren Bauch aufgemacht und einen Stift rausgeholt. Das war voll lustig.«

Für die Drei- und Vierjährigen hat Spaß vor allem auch mit eigener Aktivität zu tun. Statt vor dem Bildschirm still zu sitzen, wollen sie herumtollen und tanzen, die Erlebnisse direkt verarbeiten. Einige Sendungen des Vorschulprogramms wie Die Sendung mit dem Elefanten (Das Erste/ KiKA) greifen genau dieses Bedürfnis auf: Die jungen Zuseher werden angeregt mitzusingen, zu hüpfen und das Erlebte auszudrücken.

Auch für die älteren Vorschulkinder ist das aktive Verarbeiten von Medieninhalten wichtig. Bilder zu malen oder zu basteln ist ebenso sinnvoll, wie mit anderen Familienmitgliedern über das Gesehene zu sprechen. Eltern können Erlebnisse und Eindrücke natürlich auch aufgreifen, um in der Realität aktiv zu werden. Statt Benjamin Blümchen dürfen auch mal wieder echte Elefanten im Zoo auf dem Programm stehen.

Schnell und unerwartet

Überforderung und andere Risiken

Selbst bei ausgewähltem Kinderprogramm kann es vorkommen, dass manche Elemente die Jüngsten überfordern. Ein schneller Schnitt, ein unheimlicher Schatten oder ein plötzliches, bedrohliches Geräusch: Kleine Kinder sind noch leicht zu verunsichern. Vor allem Film- und Fernsehanfänger stoßen schnell an ihre Grenzen, wenn ihnen Szenen zu spannend oder unheimlich werden. Besonders sensibel reagieren Kinder, wenn entwicklungsbedingte Ängste berührt werden, etwa die Angst von den Eltern getrennt oder im Dunkeln allein zu sein. Selbst bei sorgfältiger Auswahl und fürsorglicher Begleitung sind manche Schreckmomente nicht zu vermeiden. Wichtig ist es dann, Trost zu spenden und die Ängste nicht abzutun. Die Kinder müssen sicher sein, dass Eltern und andere Bezugspersonen helfen, Schrecken und Ängste zu vertreiben und Geborgenheit spenden. Auch Hörspiele oder Bücher können Szenen enthalten, die Kinder überfordern. Deshalb sollte auch bei der Auswahl der Gutenachtgeschichte aufgepasst werden.

Wer darf was?

Regeln und Konflikte

Laut der befragten Eltern gehören kindgerechte Geschichten, die auf unterschiedlichen Geräten und Kanälen laufen, von klein auf zum Kinderalltag. Mit Laptop, Tablet und Smartphone sind viele Geräte im Einsatz, die Nutzung – sei es im Familienkreis oder alleine – wird sehr unterschiedlich gehandhabt. Vieles wird unabhängig vom Fernsehprogramm angeschaut, Mediatheken oder eigene Aufzeichnungen machen’s möglich.

Probleme bereitet manchen Eltern, wenn Kinder neben der Fernsehsendung oder dem Film auch die zahlreichen Spiel- und anderen Medienangebote nutzen möchten. Eine Mutter nennt stellvertretend das Thema Spielen auf dem Tablet als Herausforderung: »Seit wir das auf einer langen Autofahrt mal eingeführt haben, will die Jüngste ständig am Tablet spielen. Pettersson und Findus oder so.« Da das Medienangebot für die jüngste Altersgruppe mittlerweile so ausufernd ist, müssen sich Eltern gut informieren und nachvollziehbare Regeln aufstellen. Bei den Drei- bis Sechsjährigen handeln viele Eltern in Sachen Medienerziehung nach dem Motto »Weniger ist mehr« – ein Grundsatz, dem sich FLIMMO nur anschließen kann.
 

Fünf Tipps für den Medienstart

  • Gemeinsam schauen

    Je jünger die Kinder sind, desto wichtiger ist es, sie mit Medien nicht allein zu lassen. Eine sensible und verantwortungsbewusste Begleitung von Anfang an fördert die Kompetenz im Umgang mit Medieninhalten.

  • Sensibel auf Signale reagieren

    Gerade kleine Kinder machen auch ohne Worte deutlich, was in ihnen vorgeht. Reagieren Sie mit Trost und Unterstützung, wenn die Kinder Zeichen von Überforderung und Angst zeigen und helfen Sie bei Verständnisproblemen.

  • Aktive Verarbeitung fördern

    Kinder brauchen die Möglichkeit, Gesehenes und Gehörtes aktiv zu verarbeiten. Nutzen Sie gemeinsame Gespräche sowie Mal- und Bastelaktionen, um mehr darüber zu erfahren, wie Kinder die Inhalte und Geschichten erleben.

  • Altersgerechtes Auswählen

    Im Fernsehen, aber auch im Internet gibt es eine Vielzahl von kindgerechten Angeboten. Es müssen nicht immer die Klassiker sein. Empfehlungen finden Sie unter anderem auf flimmo.tv, kinderfilmwelt.de, internet-abc.de oder klicktipps.net.

  • Merchandising: Bewusst Grenzen setzen

    Nicht alles, was der Markt zur Lieblingsfigur hergibt, muss gekauft werden. Wichtig ist, sich auch mit anderen Familienmitgliedern wie etwa Großeltern zu verständigen. Und ebenso wichtig ist es, Grenzen zu setzen, wenn die Jüngsten durch Artikel wie Ü-Eier, Legospielzeug oder Spielfiguren auf Filme aufmerksam werden, die für ihr Alter ungeeignet sind wie zum Beispiel Star Wars oder Herr der Ringe.

    FLIMMO bespricht das aktuelle Fernsehprogramm und gibt Tipps zur Fernseherziehung. Bewertet werden Sendungen, die 3- bis 13- jährige Mädchen und Jungen gerne sehen oder mit denen sie als Mitseher in Berührung kommen. Um einen schnellen Überblick zu bieten, sind die Sendungen in drei Rubriken eingeteilt.

    Was bedeuten die Rubriken?

    Kinder finden's prima

    Von Sendungen in dieser Rubrik sind Kinder angetan. Auch wenn nicht alles den Geschmack der Erwachsenen trifft, "Kinder finden's prima".

    Mit Ecken und Kanten

    Sendungen in dieser Rubrik werden von Kindern gemocht, haben aber auch „Ecken und Kanten“. Sie enthalten Bestandteile, die Kindern nicht nur gut tun.

    Nicht für Kinder

    Sendungen in dieser Rubrik enthalten Bestandteile, die für Kinder schwer verkraftbar sind. Am besten hält man Kinder davon fern, da sie überfordert, verunsichert oder geängstigt werden können.

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