Flimmo.tv
Suchen in:
Aktuelles TV-Programm Sendungsarchiv

Von Lauras Stern bis James Bond – Spielfilme stehen für Kindern auf dem Programm

04.04.2006

„Eindrucksvolle Bilder. Gute Story. Besser als das Buch!“ Für den elfjährigen Moritz* sind Filme wie „Harry Potter" echte Fernseh-Highlights. Ab dem Grundschulalter gewinnt dieses Format an Attraktivität, die Mädchen und Jungen beginnen, filmische Erzählstrukturen zu erfassen und mit der Dramaturgie und der Sendelänge zurecht zu kommen. Im Gegensatz zu Serien, Shows und anderen regelmäßigen Angeboten sind die Sendeplätze für Spielfilme bei Kindern und Eltern keine feste Größe, die Auswahl muss von Fall zu Fall getroffen werden. Während jüngere Kinder dabei hauptsächlich von den Eltern und älteren Geschwistern geleitet werden, greifen ältere eher auf Programmzeitschriften und Hinweise aus anderen Medien zurück. Oftmals lassen sie sich auch von Trailern im Fernsehen anregen. Gerade hier liegt ein Problem, da mitunter vor und während familientauglicher Spielfilme auch auf wenig kindgerechte Angebote im Abendprogramm verwiesen wird.
Wie bei anderen Unterhaltungsangeboten des Fernsehens auch, verbinden Kinder mit dem Filmkonsum den Wunsch nach Spaß, Spannung und Anregung und auch bei Spielfilmen gilt: Was ankommt, wie sie mit unterschiedlichen Genres und Elementen umgehen und was für sie problematisch werden kann, hängt vor allem vom Alter und Geschlecht der Kinder ab.

Von tierischen Freunden und kleinen Abenteurern – Die Vorlieben der Jüngeren

Die Spielfilm-Favoriten der Sechs- bis Zehnjährigen stammen großteils aus dem Kinder- bzw. Familienprogramm: Von Klassikern wie „Pippi Langstrumpf "(„Die ist immer so lustig“) über aktuelle Animationsfilme wie „Findet Nemo" bis hin zu Familienfilmen wie „Free Willy". Für den achtjährigen Fabian ist der Streifen um den titelgebenden Orca-Wal ein Highlight, „weil ich gerne Wale mag und weil es eben um diesen Wal geht, ihn frei zu kriegen“. Die Freundschaft zwischen Mensch und Tier ist ein Thema das jüngere Kinder in Filmen generell gerne sehen. Bei den Jungen ab Anfang des Grundschulalters kommt die Vorliebe für kämpferische Helden dazu. Die Frage, wie man sich gegen Größere und Stärkere durchsetzen kann, beschäftigt diese Altersgruppe besonders. Einigen von ihnen imponieren trickreiche Figuren, die mit Köpfchen vorgehen. Für viele allerdings ist der Kampfkunst-Star Jackie Chan der Größte, „weil der immer so hin und her springt und andere haut“.
Mädchen dieses Alters können sich für gewalttätige Auseinandersetzungen dagegen überhaupt nicht begeistern. Ihnen liegen alltagsnahe Geschichten wie „Lauras Stern" am Herzen. Gerade Mädchen im Grundschulalter können Lauras Abenteuer gut nachvollziehen, Themen wie Freundschaft und Abschiednehmen werden kindgerecht aufbereitet.
Wenn die Filmhandlung märchenhafte Züge trägt, sind sowohl Mädchen als auch Jungen dieser Altersgruppe angetan. Für den achtjährigen Gregor ist beispielsweise „Der Indianer im Küchenschrank" ein toller Film, „weil das ist einfach so ein Märchenfilm, die gefallen mir immer, wenn das aussieht, als ob es echt ist.“ In dem preisgekrönten Streifen erwacht der Spielzeugindianer Little Bear zum Leben und wird für den Jungen Omri zum besten Freund. Der Film knüpft an kindliche Vorstellungswelten an und verbindet damit eine anrührende Geschichte über Außenseiter und das Überwinden von Vorurteilen. Damit ist "Der Indianer im Küchenschrank" auch aus pädagogischer Sicht ein Film-Highlight. 

Action und Spannung – Was ältere Kinder reizt

Für Kinder ab etwa zehn Jahren spielen Kinderfilme nicht mehr die Hauptrolle. Stattdessen rücken Fantasy- bzw. Actionfilme und Komödien in den Vordergrund. Allen voran die „Harry Potter"-Streifen, die Mädchen und Jungen gleichermaßen faszinieren. Rund 20 Prozent der Befragten nannten einen Harry-Potter-Film als ihren Lieblingsfilm. Der zwölfjährigen Sandra gefallen die Abenteuer des berühmten Zauberlehrlings, „weil das so cool mit Zauberei und so ist.“ Für viele ältere Kinder ist die spannungsreiche Inszenierung das Beste an diesen Filmen. „Harry Potter ist halt ein bisschen gruselig und eben auch spannend. Man muss auch immer ein bisschen miträtseln danach, so wie könnte das jetzt ausgehen“ (Marcel, elf Jahre).
Neben Spannung und Nervenkitzel sind Mädchen diesen Alters Beziehungsaspekte aller Art in Filmen wichtig. Dabei darf es aber nicht platt und klischeehaft zugehen. Romantik und Liebe im Film sollten flott und mit Humor inszeniert werden, damit sie bei den Mädchen Anerkennung finden, wie im Film „Tatsächlich Liebe": „Der ist halt lustig und auch ein bisschen romantisch“ (Kara, zwölf Jahre). Insgesamt sind die älteren Mädchen ein kritisches Publikum. So moniert die zwölfjährige Helene, dass es in Spielfilmen zu wenige weibliche Hauptfiguren gibt und dass es „für Zwölfjährige irgendwie fast keine Filme gibt, wo Kinder in meinem Alter mitspielen.“
Wie die jüngeren sind auch die älteren Jungs für Action Feuer und Flamme. Sogar ein alter Haudegen wie „James Bond" kommt bei vielen gut an. „Das ist für mich eigentlich mein größter Held und ich weiß auch dem seine Nummer, die ist 007“, so der zwölfjährige Lukas. Filmfiguren wie James Bond verkörpern einen Heldentypus, der ein fragwürdiges Weltbild vermittelt: Auf Seiten der Guten ist der Einsatz von Gewalt unverzichtbar, denn das Böse muss eliminiert werden. Wenn diese Botschaft auch noch mit einem „coolen“ Männlichkeitsideal à la James Bond verbunden wird, sind Jungs dafür besonders empfänglich.
In der Befragung wurden von einigen zwölf- und 13-jährigen Jungen auch harte Action- bzw. Horrorfilme als Favoriten genannt, die erst ab 16 bzw. 18 Jahren freigegeben sind. Für Eltern und andere Erziehende ist das ein Hinweis, den Filmkonsum der männlichen Heranwachsenden aufmerksam zu verfolgen und – wenn nötig – konsequent gegenzusteuern.

Trauer und drastische Bilder – Wann es Kindern zuviel wird

Je nach Alter und Medienerfahrung können auch vermeintlich „harmlose“ Filme Kinder verunsichern oder gar belasten. Gerade bei jüngeren Kindern ist es nicht immer leicht einzuschätzen, welche Filmpassagen ihnen nahe gehen können und wann sie mit Angst und Verunsicherung reagieren. So können schon eine spannende Verfolgungsjagd oder Geschichten von schmerzhaften Abschieden wie zum Beispiel im Disney-Klassiker „König der Löwen" den Jüngeren sehr nahe gehen. Aber auch Kinder über zehn Jahren haben ihre Grenzen: Drastische Gewalt, die in realitätsnahe Geschichten eingebettet ist, macht den meisten Kindern schwer zu schaffen. Die 13-jährige Kathrin kann das bestätigen: „'Der Untergang', den hab ich mit meiner Mutter geguckt, den fand ich sehr schrecklich und das fiel mir schwer, den zu gucken. Diese traurigen Gesichter und die ganzen Toten, das hat mir nicht gefallen.“ Der Film schildert die letzten Tage der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland, das historische Geschehen ist beklemmend realitätsnah und drastisch inszeniert. In Fällen wie diesen ist es Kindern kaum möglich, sich vom Geschehen auf dem Bildschirm zu distanzieren. Die Bilder von Toten und Verwundeten überschreiten ihre „Schmerzgrenze“. Besondere Belastungen bergen Filme, in denen Kinder die Opfer von Gewalt werden oder wenn familiäre Gewalt oder Missbrauch thematisiert werden.

Spielfilme im Fernsehen – Was Eltern beachten sollten

  • Gerade für jüngere Kinder bietet es sich an, gute Filme aufzuzeichnen oder auf Kauf- oder Leih-DVDs zurückzugreifen: Damit stehen die Highlights zum gemeinsamen Anschauen jederzeit zur Verfügung.
  • Vor allem bei jüngeren Kindern ist es wichtig, bei gemeinsamen Filmschauen sensibel auf ihr Verhalten zu reagieren. Erklärungen und tröstende Worte sind bei belastenden Szenen ein gutes Rezept. Wenn der Schrecken zu groß ist, hilft allerdings nur abschalten.
  • Gewaltdarstellungen, Klischees und fragwürdige Welt- und Menschenbilder bergen für Kinder Belastungen. Deshalb ist eine sorgfältige, gemeinsame Auswahl des Spielfilmsangebots bei allen Altersgruppen ratsam. Aktuelle und pädagogisch fundierte Einschätzungen zu Spielfilmen im Fernsehen sind auf FLIMMO-Online zu finden, DVDs und Videos werden auf Top-Videonews besprochen.
  • Interessante Filme bieten jede Menge Gesprächsanreize: Über Geschlechterrollen, Männlichkeitsideale, die verschiedenen Formen von Gewalt usw. In der Familie und im Freundskreis können anregende Auseinandersetzungen durch das gemeinsame Medienerlebnis angestoßen werden.

FLIMMO bespricht das aktuelle Fernsehprogramm und gibt Tipps zur Fernseherziehung. Bewertet werden Sendungen, die 3- bis 13- jährige Mädchen und Jungen gerne sehen oder mit denen sie als Mitseher in Berührung kommen. Um einen schnellen Überblick zu bieten, sind die Sendungen in drei Rubriken eingeteilt.

Was bedeuten die Rubriken?

Kinder finden's prima

Von Sendungen in dieser Rubrik sind Kinder angetan. Auch wenn nicht alles den Geschmack der Erwachsenen trifft, "Kinder finden's prima".

Mit Ecken und Kanten

Sendungen in dieser Rubrik werden von Kindern gemocht, haben aber auch „Ecken und Kanten“. Sie enthalten Bestandteile, die Kindern nicht nur gut tun.

Nicht für Kinder

Sendungen in dieser Rubrik enthalten Bestandteile, die für Kinder schwer verkraftbar sind. Am besten hält man Kinder davon fern, da sie überfordert, verunsichert oder geängstigt werden können.

Google + FLIMMO App
 

Copyright © Programmberatung für Eltern e.V. 1997 - 2017

Zum Seitenanfang