Flimmo.tv
Suchen in:
Aktuelles TV-Programm Sendungsarchiv

Was Vorschulkinder mit dem Fernsehen anfangen – und wie Eltern sie richtig begleiten

08.06.2005

Fernsehen will gelernt sein – von den ersten Erfahrungen mit der Flimmerkiste bis hin zur bewussten Auswahl und zum kritischen Blick auf das Programmangebot ist es ein langer Weg. Denn kleine Kinder müssen erst lernen, mit dem Medium Fernsehen umzugehen, Inhalte zu verstehen und Botschaften zu entschlüsseln. Die Drei- und Vierjährigen sind noch an den direkten Augenschein gebunden, nehmen Szenen unverbunden wahr und können nicht zwischen den Eigenarten unterschiedlicher Sendungen unterscheiden. Für sie sind Zeichentrickserien genauso „echt" wie Nachrichtensendungen. Den Fünf- und Sechsjährigen gelingt es mit zunehmender Fernseherfahrung schon leichter, Unterschiede festzustellen, Muster von Sendungen zu erfassen und zu benennen. Die fünfjährige Miriam zum Beispiel erklärt, was die Sendung „Käpt'n Blaubär" ausmacht:„Der erzählt immer gelügte Geschichten."
Weil der „richtige" Fernsehumgang von kleinen Kindern eng mit ihren Verstehensfähigkeiten und ihrer Wahrnehmung verbunden ist, hat sich FLIMMO dieses Themas angenommen.*

Vorschulkinder lieben Fernsehfiguren

Dreh- und Angelpunkt im Fernseherleben der Drei- bis Sechsjährigen sind die zentralen, handelnden Figuren. Die Mädchen und Jungen konzentrieren sich auf deren Tun, beobachten, wie sie aussehen und was sie können. Der fünfjährige Ruben etwa ist von der Zeichentrickfigur Spiderman fasziniert, weil „der kann fliegen und der kann auch ein Netz auf jemand spannen". Darüber hinaus gefällt ihm, „dass der Spiderman so rot und weiß aussieht". Die fünfjährige Katharina ist besonders von „Bibi Blocksberg" angetan: „Ich mag an Bibi, dass sie auf einem Besen fliegen kann." Darüber hinaus schätzt sie an dem pfiffigen Mädchen, wie sie dank ihrer Hexenkünste mit schwierigen Situationen umzugehen vermag: „Da passieren immer Missgeschicke und die werden dann in Ordnung gebracht."
Schon bei den Vorschulkindern beginnen sich die Vorlieben der Geschlechter zu unterscheiden. Mädchen lassen sich tendenziell eher auf Mädchenfiguren wie „Bibi Blocksberg" ein. Oder auf niedliche Tierfiguren, wie den kleinen Zeichentrickhasen Felix: „Der spricht immer so süß und davon habe ich noch ein Kuscheltier" (Anja, vier Jahre). Die Jungen konzentrieren sich schon sehr früh auf männliche Figuren. Über die Hälfte von ihnen haben sich einen ziemlich schrägen Gesellen als Lieblingsfigur ausgesucht: „SpongeBob Schwammkopf" (SuperRTL) ist ein ausgelassenen-alberner Meeresbewohner, der allerhand skurrile Abenteuer erlebt. Der vierjährige Lukas findet es gut, „dass der SpongeBob solche falsche Sachen macht, dass er so verrückt ist."

Die Fernsehhighlights der Vorschulkinder

Mädchen

Jungen

Teletubbies:
Die kindlichen Fantasiefiguren Tinky Winky, Dipsy, Lala und Po erleben kleine Alltagsabenteuer. In kurzen Einspielern werden außerdem Themen aus der Lebenswelt der Jüngsten aufgegriffen.
SpongeBob Schwammkopf:
Der tollpatschige Schwamm Bob lebt mit seinen Freunden auf dem Grund des Ozeans. Dort widerfahren den originellen Meeresbewohnern witzige Begebenheiten.
Briefe von Felix:
Stoffhase Felix entdeckt auf seinen Weltreisen fremde Länder und Kulturen. In seinen Briefen berichtet er der kleinen Sophie von seinen aufregenden Abenteuern.
Bob, der Baumeister:
Gemeinsam mit Freundin Wendy und den sprechenden Baustellenfahrzeugen erledigt Bauarbeiter Bob alle Aufgaben, die auf einer Baustelle anfallen. Auch kleine Probleme müssen dabei gelöst werden.

Bibi Blocksberg:
Die junge Hexe Bibi sorgt mit ihren Zauberkünsten und ausgefallenen Ideen für reichlich Trubel bei Freunden und Familie. Deren Rückhalt ist dem cleveren Mädchen aber trotzdem immer sicher.

Yu-Gi-Oh:
Beim Kartenspiel verwandelt sich der unscheinbare Yugi in sein unbesiegbares Alter Ego Yu-Gi-Oh. Die Kartenmonster erwachen bei den Duellen zum Leben und liefern sich spektakuläre Kämpfe.

Vorschulkinder wollen wiederentdecken

Ebenso wichtig wie die Fähigkeiten und Eigenschaften der handelnden Figuren ist den jüngsten Kindern die Nähe zu ihrer eigenen Alltagswelt. Entdecken sie etwas, was sie schon kennen oder zu sich selbst in Beziehung setzen können, sind sie begeistert: „An dem Bob mag ich am liebsten das Werkzeug. Weil das so aussieht, wie mein Papa hat" (Paul, fünf Jahre). Der fünfjährige Max ist von der Ausrüstung des Zeichentrickhasen Felix fasziniert: „Der Koffer gefällt mir. Weil da gute Sachen drin sind: Ein Seil, ein Kompass, eine Karte." Und Max berichtet stolz, dass er auch einen Kompass hat, mit dem er die Abenteuer von Felix nachspielt. Das Wiederentdecken bekannter Elemente hat gerade für die Kleinsten einen besonderen Reiz. Zum einen wird ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Verlässlichkeit vermittelt, zum anderen kann es helfen, Inhalte zu begreifen und zu behalten.

Vorschulkinder gehen mit  

Besonders für die Jungen ist „Bob, der Baumeister" (SuperRTL) eine Hauptfigur im Programm. Die kleinen Geschichten rund um Bob und seine sprechenden Baufahrzeuge und -gerätschaften machen ihnen einen Heidenspaß. Der sechsjährige Jonas erklärt, worum es geht: „Die tun Sachen bauen und schön machen, so verputzen." Auch Ferdinand, vier Jahre alt, erzählt eifrig von seiner Lieblingsserie: „Dann kommt der Baggi und der hat geschaufelt und der Bob der Meister hat gesägt." Dass Ferdinand seine Erzählung mit lebhafter Mimik und Gestik illustriert, zeigt, dass er im wahrsten Sinne des Wortes mitgeht und das Bildschirmgeschehen in spielerischer Weise nachvollzieht.
Diese „tatkräftige" Auseinandersetzung ist typisch für das Vorschulalter und sollte ernst genommen und unterstützt werden. Nichts ist für die Kleinen schlimmer, als vor dem Fernseher still sitzen zu müssen. Die Möglichkeit, sich vor dem Bildschirm zu bewegen, zu spielen, herumzuhüpfen und zu singen, gehört zu ihrer natürlichen Art, das Gesehene zu verarbeiten.

Vorschulkinder haben nicht nur altersgerechtes im Blick

Neben Sendungen wie „Briefe von Felix" oder „Bob, der Baumeister" sehen viele der befragten Kinder auch Sendungen, die auf ältere Zielgruppen zugeschnitten sind. Häufig erwähnen befragte Kinder japanische Zeichentrickserien, die nachmittags auf RTL II zu sehen sind. Besonders populär ist „Yu-Gi-Oh". Patrick, fünf Jahre, erzählt, worum es dabei geht: „Das ist der Junge, der die Karten hochzieht und mit dem bösen Jungen kämpft. Und da kommt immer der eiskalte Drache raus, der Feuer spuckt und Wasser." Obwohl überwiegend die Jungen von „Yu-Gi-Oh" schwärmen, weiß auch die vierjährige Lisa aufschlussreiche Details zu berichten: „Dort gibt es einen Friedhof, da werden immer die Karten tot."
Wegen der dramatischen Monsterkämpfe, die Gewalt als einziges Mittel zur Konfliktlösung propagieren, und der rasanten Schnittfolge ist „Yu-Gi-Oh" für Vorschulkinder kaum geeignet. Trotzdem fällt es vielen Eltern schwer, ihre Kinder – und vor allem die Jungen – davon fern zu halten. Zu groß ist die Neugier, die von älteren Geschwistern, Freunden im Kindergarten und natürlich nicht zuletzt von Sammelkarten und vielen Merchandising-Artikeln geschürt wird.

Die Elternperspektive: Klassiker und Wissenssendungen sind gefragt

Alle befragten Eltern machen sich ausgiebig Gedanken über den „richtigen" Fernsehumgang ihres Nachwuchses im Vorschulalter. Dabei zeichnen sich drei Strategien ab: Einige Eltern wählen solche Angebote aus, die ihnen als Kindern selbst Spaß gemacht haben. Neuverfilmungen bekannter Geschichten stoßen dabei aber nicht immer auf Gegenliebe: „Da gibt es so einen Pippi-Langstrumpf-Verschnitt. Das ist für mich völlig verfremdeter Quatsch", so eine Mutter. Andere Eltern wählen einen Sender, dem sie ihr Vertrauen schenken. Vor allem der KI.KA wurde in diesem Zusammenhang genannt, aber auch SuperRTL sowie ARD und ZDF. Eine dritte Strategie ist es, bewusst Sendungen auszuwählen, die Kindern mehr als Unterhaltung zu bieten haben, nämlich Wissenswertes und Anregungen für eigene Aktivitäten. Der Klassiker schlechthin, „Die Sendung mit der Maus", ist bei Eltern und Kindern gleichermaßen beliebt, häufig wird sie auch gemeinsam geguckt. Aber auch „Art Attack" fällt in diese Kategorie, weil konkrete Mal- und Bastelvorschläge zu Eigenaktivitäten anregen. Dass sich mit solchen Angeboten die Erwartungen der Eltern und die Wünsche der Kinder verbinden lassen, belegt die Aussage der vierjährigen Maren: „Der Art Attack macht immer was. Er bastelt schöne Dinge: Ein Schiff, ein Auto, eine Frau mit Glitzer und Kleber."

Tipps für Eltern

Spielerische Verarbeitung unterstützen
Vorschulkinder sind beim Fernsehen mit Leib und Seele bei der Sache. Dieses Mitgehen brauchen sie, um das Gesehene zu verarbeiten. Gerade wenn es auf dem Bildschirm aufregend wird, sollte man sie anregen, mit dem Gesehenen spielerisch umzugehen.

Geschichten in kleinen Happen servieren
Kinder im Vorschulalter haben eine kurze Aufmerksamkeitsspanne. Deshalb ist eine Geschichte, die länger als ca. 20 Minuten dauert, für sie kaum durchzuhalten. Die Lieblingsgeschichte, auf Video oder DVD aufgezeichnet, kann in kleinen Stücken angeschaut werden – und noch dazu so oft man will.

Vor Überforderungen schützen
Gerade bei den Vorschulkindern ist eine sorgfältige Auswahl altersgerechter Angebote wichtig. Actionreiche Kost wie „Yu-Gi-Oh" ist für die Vorschulkinder zu aufregend. Aber auch bei kindgerechten Sendungen können einzelne Szenen den Fernsehanfängern zuviel werden. Hier ist es wichtig, auf die Signale der Kinder zu reagieren und ihnen bei Bedarf mit Rat oder Trost zur Seite zu stehen.

Problemfall Merchandising
Den Produkten zu Fernsehsendungen und -figuren ist mittlerweile kaum noch zu entrinnen. Viele Kinder kommen erst durch Figuren oder Spielzeug auf die Idee, die entsprechende Sendung anschauen zu wollen. Nicht alle Wünsche müssen erfüllt werden, vor allem, wenn - wie bei „Yu-Gi-Oh" - zweifelhafte Inhalte transportiert werden.

Wichtig: Auch mit den Großeltern und anderen Verwandten klare Absprachen treffen, was gekauft wird und was nicht.

* FLIMMO hat 30 Kinder in Kindergärten und ausgewählte Mädchen und Jungen in ihren Familien sowie deren Eltern befragt. Dabei kamen spielerische Methoden mit Erzählanreizen zur Anwendung.

 

Das große MedienQuiz von FLIMMO und TLM

Google + FLIMMO App
 

Copyright © Programmberatung für Eltern e.V. 1997 - 2017

Zum Seitenanfang