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Weihnachtszeit – Märchenzeit

20.12.2008

„Alle Jahre wieder...“ werden aus den Fernseharchiven Märchenklassiker ausgegraben und an den Feiertagen ausgestrahlt. Stellt sich die Frage, ob die Forderung „Kinder brauchen Märchen"* auch heute noch Bestand hat oder ob die Geschichten von anno dazumal überholt sind. Das Spektrum der Märchenverfilmungen im Weihnachtsprogramm ist groß: von Realfilm-Klassikern über Disney-Verfilmungen bis hin zu Animationsfilmen á la „ Shrek" – Spannendes, Lustiges, Ernstes und Anrührendes gibt es rund um Weihnachten und Silvester zu sehen. Nicht alle Verfilmungen sind jedoch für alle Alterstufen gleichermaßen geeignet. Deshalb nimmt FLIMMO das reichhaltige Angebot rund um die Feiertage zum Anlass, sich dem Thema Märchenverfilmungen zu widmen.  

Es war einmal ... Märchenverfilmungen gestern und heute

Märchenfilme waren schon zur Anfangszeit des Kinos ein beliebtes Filmgenre. So wurde der Märchenklassiker „ Frau Holle" bereits 1906 verfilmt – natürlich ohne Ton und in schwarz-weiß. Auch in der Ära des Tonfilms waren Märchenfilme lange Zeit fester Bestandteil des Kinoprogramms. „ Die Geschichte vom kleinen Muck" von Wolfgang Staudte ist eine DEFA-Märchenverfilmung der DDR aus dem Jahr 1953 und gilt als die erfolgreichste Produktion der DEFA-Filmgeschichte. Die Handlung beruht auf dem gleichnamigen Märchen von Wilhelm Hauff und erzählt von einem kleinen Jungen, der mit Zauberpantoffeln und einem magischen Stock auf der Suche nach dem Glück ist. Dieser Klassiker gilt bis heute als Meilenstein, weil er mit seiner zeitlosen Parabel auf Glück und Zufriedenheit sowohl Kinder als auch Erwachsene berühren kann.

Besonders langanhaltender Beliebtheit erfreuen sich bis heute auch bekannte tschechische Märchenfilme, die zum Teil in Kooperation mit der DEFA entstanden sind. Die bekannteste Verfilmung dieser Ära ist „ Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" aus dem Jahr 1973, die auch dieses Jahr wieder im Weihnachtsprogramm zu sehen ist und zwar am ersten Weihnachtsfeiertag (ARD, 25.12., 10.30 Uhr). Der bekannte Aschenputtel-Stoff wird variiert, denn das äußerst selbstbewusste Aschenbrödel wartet nicht, bis ihr das Glück in Form einer guten Fee in den Schoß fällt. Stattdessen nimmt sie den Kampf gegen die Ungerechtigkeit auf – mit List, Witz und ihren drei Zaubernüssen.

Neuaufgelegt wurde die deutsche Märchenfilmtradition mit der Parodie „ 7 Zwerge – Männer allein im Wald" (2004) und der Fortsetzung „ 7 Zwerge – der Wald ist nicht genug" (2006) von Otto Waalkes. Ebenfalls parodistische Züge trägt die „ PRO 7-Märchenstunde", eine Film-Reihe, die in regelmäßigen Abständen zur besten Sendezeit weitergeführt wird.
Die aktuellsten Neuauflagen klassischer Märchen stehen in der ARD auf dem Programm: Unter dem Motto „Sechs auf einen Streich“ wurden sechs Märchen der Gebrüder Grimm mit prominenter Besetzung neu verfilmt und sind am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag nachmittags zu sehen. Außerdem gibt es am 20. Dezember zur Einstimmung ein „Making of“, das einen interessanten Blick hinter die Kulissen der Filmarbeiten liefert (ARD, 10.30 Uhr). Darüber hinaus sind Märchenverfilmungen, egal ob neueren oder älteren Datums, fester Bestandteil des KI.KA-Programms (immer sonntags um 12.00 Uhr).

Faszination Märchen – (K)eine Frage des Alters

Egal ob die Volksmärchen der Gebrüder Grimm, orientalische Geschichten aus Tausend und einer Nacht oder die nordischen Vertreter von Hans Christian Andersen: Märchen berühren einen Bereich der kindlichen Vorstellungs- und Erlebniswelt, der bis heute bedeutsam ist. Im Kern geht es um Geschichten von Figuren, die sich in kritischen Zeiten bewähren müssen und dabei schier unerfüllbare Herausforderungen zu bewältigen haben. Dabei werden sie mit Situationen konfrontiert, die oft kindliche Ängste widerspiegeln, z.B. das Alleingelassen- Werden, wie es etwa bei „ Hänsel und Gretel" thematisiert wird. Oft wird den Heldinnen und Helden unverhofft Hilfe zuteil, etwa in Form von guten Feen, listigen Begleitern oder gutmütigen Geistern. Das Abtauchen in eine Welt voller Wunder und überirdischer Mächte erlaubt es Kindern, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und sich in diesen Märchenwelten unbewusst mit Ängsten, Wunschvorstellungen und Rollenmustern auseinanderzusetzen.

Manche Wertvorstellungen klassischer Märchen erscheinen aus heutiger Sicht antiquiert und verstaubt. In neueren Verfilmungen wird beispielsweise Wert darauf gelegt, den Prinzessinnen und anderen weiblichen Protagonisten eine aktivere Rolle zuzuschreiben. Aber auch die mitunter düstere Färbung und die Gewaltdarstellungen gerade manch Grimm’scher Märchen sorgten schon für pädagogische Debatten. Mittlerweile sind Märchen bei Kindern, Eltern und den meisten Fachleuten wieder gern gesehen – wenn dabei den Voraussetzungen der jeweiligen Alterstufen Rechnung getragen wird.

Vorschulkinder

Für Vorschulkinder ist das Vorlesen immer noch die beste Wahl, um ihnen Märchen nahe zu bringen. Die vertraute Stimme der Eltern oder anderer Bezugspersonen ist eine sinnliche Erfahrung, die Geborgenheit vermittelt. Besonders reizvoll ist es für die Jüngsten, sich die Lieblingsstelle immer wieder vorlesen zu lassen. Mit den Märchenfilmen im Fernsehen hat die Altersgruppe bis etwa fünf Jahre noch ihre Schwierigkeiten, da sie die Länge und der dramaturgische Aufbau meist überfordert. Wenn überhaupt, sollten die Kleinen gemeinsam mit älteren Bezugspersonen das Märchenreich im Fernsehen entdecken. Als Einstieg ins Programm ist  die Zeichentrickserie „ WunderZunderFunkelZauber – Die Märchen von Hans Christian Andersen" besonders geeignet: Die halbstündigen Episoden sind liebevoll animiert und konzentrieren sich auf wenige handelnde Figuren, so dass auch Fernsehanfänger gut folgen können.

Grundschulkinder

Bei Grundschulkindern ist die Konzentrationsfähigkeit und das Fernsehwissen schon so weit ausgeprägt, dass sie die Handlung eines Spielfilms meist mühelos nachvollziehen können. Gerade für Mädchen dieses Alters haben die klassischen Verfilmungen eine Menge zu bieten: Egal ob der „ Froschkönig" (ARD, 26.12, 16.35 Uhr), „ Aschenputtel" (ZDF, 25.12., 9.10 Uhr) oder „ Rumpelstilzchen" (ZDF, 26.12., 11.25 Uhr), die bekannten Geschichten sind für viele immer ein Wiedersehen wert. Besonders wichtig ist sowohl Mädchen als auch Jungen, dass die mitunter recht spannenden Geschichten ein gutes Ende nehmen. Gerade, wenn gleichaltrige Protagonisten in Gefahr geraten und sich dem schändlichen Bösen entgegenstellen müssen, ist durchaus mal Gruselstimmung angesagt. Oft sind es kurze Szenen, die unerwartete Schreckmomente beinhalten. Wenn Bilder oder Figuren der Märchenstoffe Kinder verunsichern, sollten Eltern mit Trost und ermutigenden Worten zur Stelle sein – oder die Mädchen und Jungen anregen, die angsteinflössenden Momente spielerisch oder kreativ zu bearbeiten.

Ältere Kinder

Bei den älteren Kindern lässt die Begeisterung für traditionelle Märchen oft nach, aber auch für sie gibt es zu Weihnachten Märchenhaftes: In „ Shrek – Der tollkühne Held" (PRO 7, 26.12., 20.15 Uhr) und „ Shrek 2 – Der tollkühne Held kehrt zurück" (ARD, 01.01, 20.15 Uhr) ist alles anders: Statt eines tapferen Helden in strahlender Rüstung steht ein griesgrämiger Oger im Mittelpunkt und die angeblich so schutzbedürftige Prinzessin erweist sich als selbstbewusste Kämpferin mit eigenwilligen Ansichten. Allerlei Seitenhiebe auf Klischees bekannter Märchen und Szenen populärer Filme machen Shrek zu einem besonderen Vergnügen für filmversierte Kinder und Erwachsene. Auch wenn viele Anspielungen eher den Nerv des erwachsenen Publikums treffen dürften, kommen schon Kinder ab Mitte des Grundschulalters wegen der originellen Figuren und einer fantasievollen Geschichte auf ihre Kosten. Den Jungen gefallen vor allem die respektlosen Sprüche von Shreks treuem Begleiter, einem sprechenden Esel. Und neben spaßiger Unterhaltung kommt – wie es sich für ein richtiges Märchen gehört – auch die Moral nicht zu kurz: Die inneren Werte zählen und auch ein sogenannter Außenseiter kann zum Held des Tages werden.

Wenn kleine und größere Märchenfans das eigene Wissen auf die Probe stellen wollen, sei ihnen „ Pilawas großes Märchenquiz" ans Herz gelegt, das am 25. Dezember um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen ist. Mädchen und Jungen sind meist begeistert, wenn sie vor dem Fernseher mitraten können und außerdem einen Fernsehabend im trauten Familienkreis verbringen dürfen.

Märchenwelten im Programm – Anregendes für Kinder

Eine Märchenverfilmung im Fernsehen kann ein guter Ausgangspunkt sein, um sich intensiver mit den dort behandelten Themen zu beschäftigen. Mit Kindern ab dem Grundschulalter kann man zum Beispiel über Gut und Böse, über Herausforderungen des Lebens, oder den Unterschied zwischen Fantasie und Wirklichkeit reden. Für ältere Kinder kann eine Märchenverfilmung darüber hinaus als Einstieg für die Beschäftigung mit dem Medium Film dienen. So kann man gemeinsam eine Verfilmung im Fernsehen genauer unter die Lupe nehmen und mit der literarischen Vorlage vergleichen. Oder man regt die Mädchen und Jungen dazu an, sich an einer Bildergeschichte oder einem Hörspiel zum Lieblingsmärchen zu versuchen. Möglichkeiten gibt es viele, das Gesehene und Gehörte kreativ zu bearbeiten. Und ganz nebenbei lernen die jungen Märchenfans etwas über die Medien und ihre Machart.

 

  *Kinder brauchen Märchen

von Bruno Bettelheim, DTV München 2008

FLIMMO bespricht das aktuelle Fernsehprogramm und gibt Tipps zur Fernseherziehung. Bewertet werden Sendungen, die 3- bis 13- jährige Mädchen und Jungen gerne sehen oder mit denen sie als Mitseher in Berührung kommen. Um einen schnellen Überblick zu bieten, sind die Sendungen in drei Rubriken eingeteilt.

Was bedeuten die Rubriken?

Kinder finden's prima

Von Sendungen in dieser Rubrik sind Kinder angetan. Auch wenn nicht alles den Geschmack der Erwachsenen trifft, "Kinder finden's prima".

Mit Ecken und Kanten

Sendungen in dieser Rubrik werden von Kindern gemocht, haben aber auch „Ecken und Kanten“. Sie enthalten Bestandteile, die Kindern nicht nur gut tun.

Nicht für Kinder

Sendungen in dieser Rubrik enthalten Bestandteile, die für Kinder schwer verkraftbar sind. Am besten hält man Kinder davon fern, da sie überfordert, verunsichert oder geängstigt werden können.

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