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Wissen – Nix wie her damit

04.10.2000

„Ich dachte, das All sei aus dem Urknall entstanden. Aber anscheinend ist es doch anders". Fabian (neun) ist sichtlich beeindruckt. Aber: Nicht das Unterrichtsgeschehen in der Schule fesselt seine Aufmerksamkeit, sondern das Geschehen auf dem Bildschirm. Genauer gesagt, das populärwissenschaftliche Magazin „Welt der Wunder", in dem gerade der Frage nachgegangen wird, wie das Weltall entstanden ist. Fernsehangebote wie diese mag Fabian sehr. Schließlich „erfährt man da Sachen, die man sonst nicht erfährt".

Ich wusste gar nicht, dass ...

Kinder sind neugierig. Schon die Kleinsten fragen ihren Eltern Löcher in den Bauch und schier unstillbar scheint ihr Wissensdurst. So vieles hat die Welt zu bieten, so vieles gibt es für Kinder zu entdecken, so vieles wollen sie verstehen: Wie Menschen in den verschiedensten Erdteilen leben, wie sie miteinander umgehen und warum sie so handeln, wie sie handeln. Wie sich das Leben auf der Erde früher gestaltete und wie es wohl in der Zukunft sein wird, was Tiere fressen und wie sie jagen, wie ein Flugzeug gebaut und Medizin hergestellt wird, wozu ein Windrad gut ist und was die Ursachen und Folgen von Natur- und Umweltkatastrophen sind. Die Wissbegierde der Kinder kennt keine Grenzen. Auch was außerhalb der Erde passiert, interessiert sie brennend. Wie das Universum entstanden ist, wollen sie wissen, warum der Mond mal scheint und mal nicht, und was es bedeutet, wenn von 'schwarzen Löchern' die Rede ist. Kurz: Kinder haben unzählige Fragen, und sie haben Spaß daran, Neues zu erfahren und zu lernen. Da muss auch ihr Lieblingsmedium, das Fernsehen, herhalten.

Kinder machen sich kundig:

Im Kinderprogramm

  • Löwenzahn (ZDF, KI.KA)
  • Philipps Tierstunde (ARD, KI.KA)
  • ReläXX (KI.KA)
  • Die Sendung mit der Maus (ARD, KI.KA)
  • PuR (ZDF, KI.KA)
  • MUUH – Das Tiermagazin (SuperRTL)

Im Erwachsenenprogramm

  • Welt der Wunder (PRO 7)
  • Galileo (PRO 7)
  • Wildes Leben (SuperRTL)
  • Kopfball (ARD)

Diese Auswahl zeigt, welche Wissenssendungen Kinder zwischen sieben und 13 Jahren aus dem Kinder- und Erwachsenenprogramm kennen.

„Hat man nicht nur die Schule zum Lernen, hat man auch 'Löwenzahn'" begründet Serafina (acht) ihre Vorliebe für das schon legendäre Kindermagazin, in dem Peter Lustig den Dingen auf den Grund geht. Was für die einen „Löwenzahn" ist, ist für andere „Welt der Wunder" und für wieder andere „Philipps Tierstunde" oder „MUUH – Das Tiermagazin". Denn wie bei allen Fernsehangeboten, sind Kinder auch bei den Wissenssendungen wählerisch. Ihr Alter spielt hierfür eine wesentliche Rolle. Schließlich ändern sich mit dem Großwerden ihre Interessen und steigen ihre Ansprüche an die Gestaltung. So stehen bei den Jüngeren noch die eigens für Kinder gemachten Angebote hoch im Kurs. Die Großen hingegen wenden sich bevorzugt den Sendungen des Erwachsenenprogramms zu. Sie beschäftigen vor allem Fragen zur Zukunft oder zu geschichtlichen und globalen Ereignissen. Die Magazine „Welt der Wunder" und „Galileo" befriedigen ihren Wissensdurst. In einem Punkt sind sich aber alle Kinder einig: Die Art und Weise wie das neue Wissen vermittelt wird, entscheidet, ob sie dranbleiben oder nicht. Wortlastiges hat da keine Chance. „Der hat das gut erklärt, aber ich hab nichts verstanden", honoriert höflich ein Neunjähriger die Bemühungen des Moderators von „Kopfball". Was immer dieser an Wissenswertem zu erzählen hat, es kommt einfach zu trocken daher und deshalb nicht an.

So was sieht man nicht jeden Tag

Beeindruckende Tier- und Naturaufnahmen und faszinierende Bilder aus dem Weltall – die zum Beispiel effektvoll demonstrieren, „wie die Sonne geboren wurde" – ziehen Kinder in den Bann. Begeistert sind sie auch, wenn sie durch die filmische Präsentation das Geschehen regelrecht miterleben und sie sich lebhaft vorstellen können, wie es „früher ausgesehen hat" oder wie es ist, „in einer Rakete zu sitzen". Ist das Ganze von einer „spannenden Musik" begleitet, die „genau zu dem passt, was die erklären", sind Jungen wie Mädchen Feuer und Flamme. Die Filmbeiträge in „Galileo" oder „Welt der Wunder" treffen da für viele ins Schwarze. Faszination allein ist aber nicht der Grund, warum Kinder so viel Wert auf eine bildliche Wissensvermittlung legen. Sie wollen die Informationen durch eigene Anschauung auf ihren Wahrheitsgehalt abklopfen. Wenn „die das einfach sagen", aber „nicht mal zeigen, dass man sich davon überzeugen kann", findet Jan (elf) es nicht gut. Experimente, wie sie „MUUH" oder „Kopfball" bieten und anschauliche Demonstrationen von Prozessen sowie Vor-Ort-Reportagen, wie sie in „Löwenzahn" vorkommen, schätzen Kinder deshalb. Und sie honorieren es, wenn das Gesagte und Gezeigte von sachkundigen Autoritäten bestätigt wird. Als solche betrachten Kinder zum Beispiel die Tierärzte in „Philipps Tierstunde". Bei all dem darf der Spaß natürlich nicht zu kurz kommen. Kinder lachen gerne, auch und gerade wenn Lernen auf dem Programm steht. Lustige Einlagen, die zwischendurch für Entspannung sorgen, sind in den Augen der Kinder ein Muss. „Ohne lustig geht gar nichts", spricht Victor (zehn) ihnen aus dem Herzen. 

Die sieht aus, als ob sie Kindern was gut erklären kann

Wie eine moderierende Person auftritt, wie sie sich gibt, wie sie redet und wie sie aussieht, nehmen Kinder genau unter die Lupe. Und sie wissen genau, wie die ideale Moderatorin bzw. der ideale Moderator sein muss. Peter Lustig aus „Löwenzahn" kommt dem ziemlich nahe. Denn er ist „nett, witzig, kann gut erklären und weiß viel über die Natur". Ohne in kindisches Gehabe zu verfallen, ist er ebenso neugierig wie die Kinder. Er „geht rum und fragt, wie das funktioniert" und kann sich dabei in sie hineinversetzen. „Wenn der was sagt, ein Wort, was wir nicht verstehen, dann denkt der auch, dass wir das nicht verstehen und dann erklärt er das". Außerdem „verbabbelt er sich nie" und „redet nicht zu schnell und nicht zu langsam". Ansonsten finden Kinder junge und im Outfit moderne Menschen gut, und den Mädchen gefiele eine Moderatorin noch viel besser. Und was kommt nicht an? Sieht jemand „so politisch aus" und ist mit Anzug und Krawatte „zu fein angezogen" sammelt er bei Kindern nicht gerade Pluspunkte. In Ungnade fällt auch, wer sich „aufspielt, so eingebildet tut" oder „viel zu schnell und ohne Punkt und Komma redet". Eindeutig gegen den Strich geht es dem Fernsehnachwuchs, wenn Erwachsene 'besserwisserisch' auftreten, so wie 'ich weiß alles und ihr wisst nichts, also lasst es euch von mir erklären'". 'Klein gemacht' zu werden, missfällt allen Kindern. 

Das könnten sie auch mal bringen

Etwas Neues zu erfahren und zu lernen bereitet Kindern Vergnügen, gleich welchen Alters sie sind. Die Sender ARD, ZDF und KI.KA kommen da im Großen und Ganzem ihrer Neugierde entgegen. Eigens für Kinder gemachte Wissensangebote sind Teil ihres Programms. In der ersten Reihe sitzen allerdings die Mädchen und Jungen, die sich ausschließlich für das Leben von Tieren interessieren. Dokumentationen und Magazine rund um dieses Thema sind in der Überzahl, besonders während der Woche. Bei den privaten Anbietern sind Wissenssendungen eher Mangelware. Richten sie sich an die Kinder, stellen auch sie die Tierwelt in den Mittelpunkt. Schade eigentlich. Zwar sind Tiersendungen Garanten dafür, zumindest jüngere Kinder vor den Bildschirm zu locken, ihrer Wissbegierde ist damit freilich nicht Genüge getan. Kinder wollen über vieles Bescheid wissen. Vor allem aber wollen sie verstehen, warum Menschen so und nicht anders handeln, und sie wollen wissen, wie es zu bestimmten Ereignissen kommt – zu Kriegen oder Naturkatastrophen –, und „was man dagegen tun kann". Ihnen mit einer Vielfalt an Angeboten – und zwar nicht nur am Wochenende – die Welt zu erklären, unterstützt sie beim Großwerden und gehört zu einem Programm, das Kinder mögen.

„Wenn man das ganz oft anschaut, weiß man ziemlich viel", drückt der siebenjährige Jonas seine Begeisterung für Wissenssendungen aus, und damit steht er nicht alleine. Besonders favorisieren Kinder solche Sendungen, die Mädchen und Jungen ihrer Generation auch selbst zu Wort kommen lassen und die sie zur Eigenaktivität ermuntern. 

Und den Eltern rät FLIMMO:

Tiersendungen sind verschieden
Und nicht jede ist automatisch ein Angebot für Kinder. Besonders den Jüngeren kann's ab und an zu aufregend werden. Nicht zuletzt auch, weil manche Sendungen in sehr reißerischer Weise das Jagdverhalten von Tieren präsentieren. Ein Auge darauf zu haben, ob die Kinder dem Geschehen in der Tierwelt gewachsen sind, ist deshalb nicht verkehrt.

Von den Nachrichten braucht man Kinder nicht fernhalten
Kinder wollen über unsere Wirklichkeit Bescheid wissen, und es ist wichtig sie auch mit den negativen Dingen dieser Wirklichkeit vertraut zu machen. Aber sie brauchen Hilfe, Erklärungen zu den Ereignissen und auch emotionale Zuwendung, wenn sie von den Nachrichtenbildern überfordert sind. Etwa, wenn Tote und Verletzte zu sehen sind. Kindernachrichten wie „logo!" erklären übrigens die Wirklichkeit anschaulich und ohne belastende Darstellungen.

Bildung durchs Fernsehen allein reicht nicht

  • Kinder wollen Erwachsene als Anlaufstelle haben. Besonders für die Fragen, die sie in punkto Menschen und ihr Tun beschäftigen und zu denen ihnen das Fernsehen nur wenig Antworten bietet.
  • Kleinere oder größere Erkundungstouren machen Kindern Spaß, gleich, ob ein Besuch im Museum, die Erforschung eines Ameisenhügels auf der Wiese oder die Beobachtung der Sterne am Himmel auf dem Programm stehen.
  • Kinder genießen es, wenn sich Eltern auch mal mit ihnen gemeinsam eine Wissenssendung ansehen. So können sie gleich an Ort und Stelle ihre Fragen los werden.
  • Andere Medien haben auch einiges an Wissenswertem parat: Bücher, Hörkassetten, CD-ROMs ...

FLIMMO bespricht das aktuelle Fernsehprogramm und gibt Tipps zur Fernseherziehung. Bewertet werden Sendungen, die 3- bis 13- jährige Mädchen und Jungen gerne sehen oder mit denen sie als Mitseher in Berührung kommen. Um einen schnellen Überblick zu bieten, sind die Sendungen in drei Rubriken eingeteilt.

Was bedeuten die Rubriken?

Kinder finden's prima

Von Sendungen in dieser Rubrik sind Kinder angetan. Auch wenn nicht alles den Geschmack der Erwachsenen trifft, "Kinder finden's prima".

Mit Ecken und Kanten

Sendungen in dieser Rubrik werden von Kindern gemocht, haben aber auch „Ecken und Kanten“. Sie enthalten Bestandteile, die Kindern nicht nur gut tun.

Nicht für Kinder

Sendungen in dieser Rubrik enthalten Bestandteile, die für Kinder schwer verkraftbar sind. Am besten hält man Kinder davon fern, da sie überfordert, verunsichert oder geängstigt werden können.

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