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Wissen von A bis Z – Fernsehangebote auf dem Prüfstand

04.01.2005

Für den zehnjährigen Markus ist die Sendung „Wissen macht Ah!" (ARD) ein echtes Fernsehhighlight, „weil die da Themen nehmen, die auch im Alltag drankommen.“ Kinder sind neugierig auf die Welt, die sie umgibt, und werden nicht müde, ihre Umwelt mit Fragen zu löchern. Auch das Fernsehen bietet ihnen – neben Spaß und Entspannung – einen Fundus an Informationen, die viele Kinder mit Begeisterung aufnehmen. Bei ihrer Suche nach Antworten können sie allerdings auch über Angebote stolpern, die statt kindgerechter Inhalte ein verzerrtes und fragwürdiges „Wissen“ über die Welt vermitteln. Umso wichtiger ist es für Eltern, sich mit den Sendungen zu beschäftigen, die bei Kindern unter „wissenswert“ laufen.

Was anregend ist, kommt gut an

Geht es darum, sich zu informieren, spielt das Fernsehen für Kinder eine wichtige Rolle.* Dort gibt es eine große Fülle an Angeboten, die sich explizit an Kinder wenden: Sie reichen von Magazinsendungen wie „PuR" (ZDF) über Kindernachrichtensendungen wie „logo!" (ZDF) bis hin zu Kunst- und Bastelsendungen wie „Art Attack" (SuperRTL). Aber nicht alles, was sich an Kinder richtet, kommt bei ihnen auch an: Von den 25 Sendungen, die bei der Befragung zur Diskussion standen, waren lediglich elf bekannt. Eindeutige Favoriten sind solche Sendungen, in denen gebastelt und experimentiert wird. Für den elfjährigen Ben steckt „WOW - die Entdeckerzone" (SuperRTL) voller Anregungen und Ideen: „Also, da erfährt man wirklich sehr viel und das ist auch gut gemacht und da will man auch dranbleiben. Einmal hab ich Kupfergeld in Essig gelegt. Das war ein Spaß. Meine Mutter wollte das Geld gar nicht mehr zurück, es war ganz grün.“ Die Lieblingssendung der achtjährigen Michaela ist „Wissen macht Ah!", „weil da machen sie sehr viele Experimente und sie zeigen viele Filme, sie erklären auch vieles und es ist einfach auch ein bisschen auf lustig gemacht.“

Die beliebtesten Wissenssendungen bei Kindern

Wissen macht Ah
Moderator Ralph und Kollegin Shary beantworten jeweils fünf ausgefallene Fragen zu einem Thema

Finger Tips
Stepgen und Ferne stellen kreative Bastel-, Mal- oder Kochideen vor und regen durch ausführliche Erklärungen zum Nachmachen an

WoW - Die Entdeckerzone
Mit der Unterstützung engagierter Nachwuchswissenschaftler erklären Nina und Marcus Alltagsphänomene.

Die Sendung mit der Maus
Neben interessanten Sachgeschichten, die Warum-Fragen von Kindern beantworten, sorgen kurze Episoden mit der Maus und ihren Freunden für Spaß.

Art Attack
Moderator Neil demonstriert, wie man mit einfachen Mitteln nützliche und originelle Dinge basteln kann.

Neben der Faszination für Experimente, die alltäglichen Fragen auf den Grund gehen, lassen sich Kinder von Bastelanregungen begeistern. Pia (zehn Jahre) schaut sich am liebsten die Sendung „Finger Tips" (SuperRTL) an, „weil da viele Basteltipps drin sind und die sind einfach und die erklären die auch gut.“ Etwa die Hälfte der Kinder gaben an, dass sie einiges, was sie in den Sendungen gesehen haben, selbst ausprobieren: malen, nachbasteln, Experimente wiederholen oder bei einer Postkartenaktion mitmachen.
Neben der Möglichkeit, selbst aktiv werden zu können, reizen Mädchen und Jungen vor allem Themen, bei denen sie Bezüge zu ihrer eigenen Alltagswelt herstellen können. Die zehnjährige Helene findet, „dass man in Tiersendungen viel lernen kann, weil ich ein Haustier hab’ und mich für Tiere interessiere“. Darüber hinaus eröffnen Sendungen wie „WOW – Die Entdeckerzone" oder „PuR" Kindern auch Einblicke in Lebensbereiche, die außerhalb ihrer eigenen Welt liegen. Besonders älteren Kindern ist dieser Aspekt wichtig, denn „da sieht man mal, wie es in anderen Ländern oder so zugeht“ (Meike, zwölf Jahre).

Bei Eltern zählt der Informationswert  

Bevorzugte Medien zur Information

Bücher
Fernsehen
Internet
Zeitschriften
Radio
Zeitung
CD-Rom
85%
73%
66%
44%
19%
17%
17%
(bei 59 befragten Kindern; Mehrfachnennungen möglich

Von den Wissenssendungen, die Kindern geläufig sind, kennen Eltern gerade mal die Hälfte. Bekannt sind ihnen vor allem die Klassiker wie „Löwenzahn" (ZDF) und „Die Sendung mit der Maus" (ARD). Geht es darum, was eine gute Sendung auszeichnet, zählt für viele Eltern der Lerneffekt. Eine Mutter sagt: „Wissen macht Ah! schauen wir öfter an, da lernt meine Tochter viel, da zitiert sie mir auch Sachen.“ Insgesamt ist festzustellen, dass Eltern eher auf anwendbares Allgemeinwissen Wert legen, während Kinder einen weiter gefassten Wissensbegriff haben: Der witzig animierte Basteltipp zählt bei ihnen mindestens ebensoviel wie Fakten über Natur, Technik oder die Länder der Erde.
Einige Eltern nutzen die Wissenssendungen dazu, mit ihren Kindern über bestimmte Themen ins Gespräch zu kommen. So berichtet eine Mutter: „Ja, das war vor kurzem, da kam bei „Willi will’s wissen" (ARD) eine Sendung über den Tod. Und das ist ein Thema, das meine Tochter unheimlich beschäftigt hat, seit mein Vater gestorben ist. Und das hat sie unheimlich berührt und da haben wir nach der Sendung lange Diskussionen darüber geführt.“

Fragwürdiges Wissen und vorgebliche Realität

Kinder holen sich ihre Informationen allerdings nicht nur aus Sendungen, die speziell für sie gemacht und gedacht sind. Neben Nachrichtensendungen, Wissensmagazinen und Quizshows stehen auch Boulevardmagazine und die nachmittäglichen Gerichtsshows bei Kindern unter dem Aspekt „Wissen und Information“ auf dem Programm. Das ist insofern problematisch, als weder die Themen dieser Angebote noch die Art der Darstellung Kindern Brauchbares liefern. Die dramatisch in Szene gesetzten Fälle kreisen meist um extreme Einzelschicksale, die einen verzerrten Ausschnitt der Realität abbilden. Die FLIMMO-Befragung der Kinder hat ergeben, dass vor allem Grundschulkinder diesen Sendungen einen relativ hohen Informationsgehalt und Unterhaltungswert beimessen. Vor dem Hintergrund der pseudorealistischen Inszenierung solcher Sendungen sind gerade die jüngeren Kinder gefährdet, den Botschaften dieser Angebote bedingungslos Glauben zu schenken oder sie gar als Vorbild zu nehmen. Für Cosima (neun Jahre) sind z. B. Gerichtshows der Stoff, an dem sie fürs Leben lernt: „Also wenn man mal Richter werden will, kann man viel lernen oder sich das mal angucken und auch ein Beispiel davon nehmen.“
Für jüngere Kinder ist das Fernsehen ein glaubwürdiges Medium, dem sie großes Vertrauen schenken. Ihr Erfahrungshintergrund reicht in der Regel nicht, die Qualität und den Wahrheitsgehalt von Informationsangeboten einzuschätzen. Bei Kindern, die wenig Möglichkeiten haben, ihr Wissen zu erweitern und ihre Erklärungsfähigkeiten auszubauen, setzt sich diese Einstellung dem Fernsehen gegenüber auch im Altersverlauf fort.

Eltern sind Vorbild

Wenn es darum geht, wie Kinder mit Informationsangeboten im Fernsehen umgehen, spielen die Eltern eine zentrale Rolle. Das, was Kinder unter Information im Fernsehen verstehen und wie sie damit umgehen, lernen sie ganz wesentlich von den Eltern oder anderen Bezugspersonen in der Familie. So beschreibt der zehnjährige Boris, warum er sich überhaupt für Boulevardmagazine interessiert: „Wenn Mama so was guckt, wie zum Beispiel „taff." (PRO 7) oder „SAM" (PRO 7), das habe ich dann auch schon mitgeguckt.“ Weil Kinder ein Recht haben, sich angemessen zu informieren, sollten Eltern versuchen, die Neugierde ihres Nachwuchses in vernünftige Bahnen zu lenken. Kinder brauchen Unterstützung bei der Auswahl und Verarbeitung der Informationen, die das Fernsehen an sie heranträgt.

 Eltern sind deshalb in unterschiedlicher Weise gefordert:

  • Eltern sollten gemeinsam mit ihren Kindern die interessantesten und spannendsten Angebote heraussuchen. Dabei ist es wichtig, Altersgerechtes auszuwählen und gleichzeitig die Vorlieben der Mädchen und Jungen zu berücksichtigen.
  • Eltern müssen sich über ihre Vorbildfunktion im Klaren sein; sie sollten dementsprechend einen bewussten und kritischen Umgang mit dem Medium Fernsehen vorleben.
  • Wenn es um Informationen im Fernsehen geht, sollten Kinder möglichst viel und oft begleitet werden. Vor allem sollte die Entwicklung von Qualitätskriterien unterstützt werden, damit Kinder z. B. erkennen, wann Sendungen einen verzerrten Ausschnitt aus der Realität als das „wahre und ganze Leben“ verkaufen, wie es unter anderem bei Gerichtsshows der Fall ist.
  • Geht es um Nachrichten im Fernsehen, sind für Kinder spezielle Angebote wie „logo!" (KI.KA) gegenüber Nachrichten des Erwachsenenprogramms meist die bessere Wahl, da sie auf drastische Darstellungen verzichten und die Informationen kindgerecht aufbereiten. Sollten Kinder trotzdem in den Nachrichten des Erwachsenenprogramms mit blutigen Bildern konfrontiert werden, brauchen sie Hilfe, um das Gesehene zu verarbeiten.

* FLIMMO hat im Dezember 2004 59 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren und 20 Eltern zum Thema „Wissens- und Informationsangebote im Fernsehen" in München, Landau und Marburg befragt.

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