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Wo guckst du was? TV in der Familie und anderswo

05.05.2014

"Guck nicht so ein Puppentheater." Opa ist mit Maximilians Programmauswahl ganz und gar nicht einverstanden. Ein kurzer Griff zur Fernbedienung und schon steht statt der geliebten Animationsserie Dragons (SuperRTL) der Presseclub (Das Erste) auf dem Programm. Bei den Großeltern gelten andere Regeln als zu Hause und so muss der Zehnjährige an diesem Wochenende wohl oder übel auf seine Lieblingssendung verzichten. "Die wollen immer Nachrichten schauen und dann gehe ich eben hoch an den Computer", gibt Maximilian zu Protokoll (FLIMMO hat 61 Kinder im Alter zwischen 7 und 13 Jahren zu ihren Fernsehvorlieben und dem Fernsehkonsum in der Familie und außerhalb befragt: zum ausführlichen Bericht). Dass er dann zu viel Zeit vor dem Rechner verbringt, ist wiederum seiner Mutter nicht recht. Die Diskussion nach dem Wochenende ist vorprogrammiert. Kein Einzelfall: In vielen Familien ist der "richtige" Umgang mit Medien ein Thema, Regeln und Absprachen werden aber sehr unterschiedlich gehandhabt. So ist es kein Wunder, dass Konflikte auftauchen, wenn bei Verwandten oder Freunden ferngesehen bzw. der Computer, die Spielekonsole oder das Tablet genutzt wird. Schließlich ist es vielen Eltern ein Anliegen, dass überall die gleichen Richtlinien gelten.

Kinder ändern sich - Regeln wachsen mit

Bei kleinen Kindern achten die meisten Eltern sehr genau darauf, was und wie viel angeschaut wird. Allerdings ist das angesichts der medialen Entwicklung nicht so leicht. In vielen Familien haben mobile Geräte wie Smartphones und Tablets Einzug gehalten und die Neugier der Kleinsten kennt keine Grenzen. Trotzdem sollten die Mädchen und Jungen nicht zu früh mit Filmen, Clips oder Serien in Berührung kommen, egal ob auf dem TV-Gerät oder auf dem Tablet. Stattdessen sind Mal- oder Bastelbücher, Vorlesegeschichten oder Wimmelbilder die bessere Wahl. Ob traditionell in Papierform oder auf den neuen Geräten ist eher zweitrangig. Viel wichtiger ist es, dass die Medien gemeinsam genutzt werden. Gerade kleine Kinder brauchen Geborgenheit und Unterstützung bei der Verarbeitung neuer Eindrücke. Und natürlich sollten die Kleinen auch mit geeigneten Medieninhalten nur sehr dosiert und sparsam in Kontakt kommen.

Zeiten und Inhalte

Werden die Kinder älter, gehören in vielen Familien Fernsehen, Computer und mobile Medien zum Alltag. Den Mädchen und Jungen wird schon mehr zugetraut, trotzdem sind Regeln wichtig. Viele Eltern bestehen darauf, dass die Mädchen und Jungen nicht zu lange vor den Geräten sitzen: "Also am längsten wäre eigentlich eineinhalb Stunden", erzählt der zehnjährige Marvin. In manchen Familien richten sich die Fernsehregeln nach dem Tagesablauf. Für die gleichaltrige Janina ist spätestens eine Stunde vor dem Zubettgehen Schluss: "Ab 19 Uhr muss ich langsam zum Ende kommen."
Mindestens ebenso wichtig wie der zeitliche Aspekt ist die Frage, was angeschaut werden darf. Während jüngere Kinder sich für das Kinderprogramm begeistern können, entwickeln Kinder ab Ende des Grundschulalters mitunter Fernsehvorlieben, die ihrem Alter nicht angemessen sind. Dann ist es wichtig, ihnen zu erklären, was noch nicht geeignet ist und warum. Wie intensiv über die "richtigen" Inhalte für Kinder verhandelt wird, ist von Familie zu Familie allerdings sehr unterschiedlich. Bei älteren Kindern vertrauen manche Väter und Mütter darauf, dass ihnen ein eigenverantwortlicher Medienumgang zuzutrauen ist. Für die 13-jährige Rebecca ist das kein Problem, "weil ich weiß ja, wo meine Grenzen sind. Dann denke ich: ›Nee, da kann ich eine Woche lang nicht mehr schlafen‹ oder so".

Endlich außer Haus - andere Orte, andere Regeln?

Der Großteil der befragten Kinder schaut zumindest ab und an auch außerhalb der eigenen vier Wände fern, vor allem bei den Großeltern oder bei Freunden. Für etwa zwei Drittel der Kinder gelten nach eigenen Angaben auch dann Regeln, zumeist dieselben wie daheim. In manchen Fällen wird die Situation aber auch ausgenutzt. So erzählt der siebenjährige Jerome: "Bei der Oma dürfen wir so lange gucken wie wir wollen. Wenn wir mittagessen dürfen wir gucken, wenn wir abendessen dürfen wir gucken. Nur zum Frühstück nicht."

Kinder nicht mit Medien ködern

Auch bei getrennt lebenden Vätern oder Müttern gibt es mitunter ganz unterschiedliche Vorgaben. Für den zehnjährigen Tom ist das Wochenende bei seinem Vater besonders toll, "weil da kann ich bei ihm schön fernsehgucken. Endlich mal gute Filme, also alle Kanäle, die er hat". Auf der einen Seite ist der Wunsch verständlich, die Mädchen und Jungen verwöhnen zu wollen, wenn sie schon einmal da sind. Übermäßiger Medienkonsum oder gar ungeeignete Inhalte sollten allerdings tabu sein. Stattdessen kann das andere Umfeld neue Eindrücke oder ungewohnte Einblicke liefern: Vielleicht können sich zum Beispiel Enkel und Großeltern gemeinsam für spannende Tierdokus begeistern oder andere gemeinsame Interessen entdecken.

Lieber zusammen schauen

Viele Kinder gaben an, dass sie sich wünschen würden, häufiger auch mit Freunden oder der Familie ihre Lieblingsserien oder Filme anzuschauen. Für die elfjährige Flora ein Traum: "Am coolsten wäre das bei meiner Freundin, mit der ganzen Familie. Mit ihrer und meiner. Und dann was zu knabbern und abends gemütlich auf dem Sofa sitzen." An sich eine gute Idee, gemeinsame Medienerlebnisse machen nicht nur mehr Spaß, auch der Austausch über das Gesehene ist für das Medienverständnis und die Verarbeitung förderlich. Bei Freunden zu Besuch können Film- oder Medienerlebnisse ein toller Gruppenspaß sein. Wichtig ist aber auch, dass sich Eltern nicht gegeneinander ausspielen lassen. Wenn die eigenen Sprösslinge behaupten, bei der befreundeten Familie laufe von früh bis spät der Fernseher und selbst die jüngsten Geschwister hätten schon sämtliche Star Wars-Filme gesehen, muss dies nicht der Realität entsprechen. Am besten ist es immer noch, sich abzusprechen, was die Mädchen und Jungen außer Haus sehen dürfen, und was nicht. Auch mit den eigenen Geschwistern kann das gemeinsame Schauen Spaß machen. Allerdings stehen Eltern in diesem Fall vor der Herausforderung, für alle Altersgruppen unterhaltsame und verkraftbare Fernsehkost zu finden.

Wie, wo, was schauen Kinder? Medienumgang ändert sich

Die meisten Kinder schauen ihre Lieblingssendungen immer noch auf dem TV-Gerät. Mit weitem Abstand folgen PC und Laptop, andere Geräte wie Smartphones oder Spielekonsolen werden kaum genannt. Vor allem ältere Kinder im Alter von 12 oder 13 Jahren haben uns erzählt, dass beim Fernsehschauen auch noch andere Geräte genutzt werden. Am Häufigsten wird nebenbei das Smartphone verwendet, vor allem, um mit anderen zu kommunizieren. So wird das gerade Gesehene kommentiert oder es werden Neuigkeiten ausgetauscht. Für manche ist es reizvoll, bei langweiligen Szenen nebenbei im Internet zu surfen oder kurze Spiele zu spielen. Eltern sollten diese Entwicklung kritisch begleiten, denn zu viele Medienreize auf einmal können Kinder überfordern. Dabei ist zu beachten, dass ihnen die Familienmitglieder als Vorbild dienen. Wer selbst auf Schritt und Tritt das Smartphone nutzt und sich kaum vom Bildschirm trennen kann, darf sich nicht wundern, wenn es die Mädchen und Jungen den Erwachsenen gleichtun.

Tipps für Eltern

  • Gemeinsam schauen

    Kinder sollten Medien am besten gemeinsam nutzen. Ein spannender Filmabend mit der ganzen Familie oder Spielen mit Freunden sind allemal besser als alleine vor den Geräten zu sitzen.

  • Absprachen treffen

    Um den Medienkonsum in vernünftige Bahnen zu lenken, brauchen Kinder klare, nachvollziehbare Regeln. Damit diese nicht bei nächstbester Gelegenheit unterlaufen werden, ist es nötig, sich mit befreundeten Eltern, Großeltern oder dem Expartner auf eine gemeinsame Linie zu einigen.

  • Sorgfältige Auswahl

    Bei der Auswahl kindgerechter Inhalte sollten Kinder und Eltern an einem Strang ziehen. Die pädagogisch wertvollste Senung hat keinen Nutzen, wenn sie nicht den Geschmack der Kinder trifft. Deshalb sollte gemeinsam beratschlagt werden, was geschaut werden darf. Orientierung bietet FLIMMO unter Aktuelles TV-Programm

  • Aufzeichnen und Speichern

    Gerade, wenn Kinder außer Haus unterwegs sind, können Aufzeichnungen oder DVDs für ein gemeinsames Filmvergnügen mitgegeben werden. So kann man vorab bereits klären, was auf dem Programm stehen soll. Im FLIMMO-Archiv unter www.flimmo.tv/sendungsarchiv kann man sich über kindgerechte Sendungen informieren. Filmempfehlungen für Kinder gibt es auch unter www.kinderfilmwelt.de und www.kinofenster.de.

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