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Alles echt? – Wie Kinder mit Fernsehrealität umgehen

17. Februar 2009

„Das hat was mit Fantasie zu tun, da bin ich mir ganz sicher, dass es das nicht gibt.“ Dem elfjährigen Tobias machen gruselige Gestalten in der Serie "Charmed" (PRO 7) keine Angst. Er hat gelernt, Dämonen, Zauberkräfte und andere übernatürliche Phänomene in einer solchen Serie eindeutig dem Reich der Fantasie zuzuordnen. Mit zunehmendem Alter sammeln Kinder Erfahrungen und Wissen über Darstellungsweisen und fiktionale Bestandteile von Fernsehsendungen. Sie kennen den Unterschied zwischen Serien und Spielfilmen, zwischen Shows und Informationssendungen und wissen, den jeweiligen Realitätsbezug abzuschätzen. Die Fähigkeit, die Fernsehrealität zu durchschauen, hat aber selbst bei älteren Kinder Grenzen. Dann nämlich, wenn in dokumentarischem Stil erfundene Geschichten als Realität präsentiert werden. Bei Gerichtsshows ("Das Jugendgericht" auf RTL) oder Ermittlungsshows wie "K11- Kommissare im Einsatz" (SAT.1) wird etwa der Eindruck erweckt, die Zuschauer seien bei Ermittlungen und Strafverfolgungen vermeintlich echter Fälle live dabei, mal aus dem Blick einer Überwachungskamera, mal in der Optik eines Nachtsichtgeräts etc. Für Kinder ist diese Art der Darstellung problematisch: Die Geschichten und Szenen werden von Vielen als „echt“ wahrgenommen. Nicht nur, dass damit ein schiefes Bild der Methoden der Verbrechensbekämpfung vermittelt wird, auch die klischeehafte Darstellung von Tätern, Opfern und Tathergängen liefern fragwürdiges Anschauungsmaterial.

Ein ähnlicher Fall sind Reality-Soaps wie "Die Abschlussklasse" oder "Freunde, das Leben geht weiter" (VIVA). Die jungen Leute dokumentieren scheinbar ihr Leben, die vorgebliche Authentizität macht es schwer, die Inszenierung als solche zu durchschauen. Umso größer ist das Risiko, dass Kinder Bezüge zu ihrem eigenen Leben herstellen und sich an den klischeehaften medialen Vorgaben ein Vorbild nehmen. Deshalb sollten Eltern dem Nachwuchs die Machart von Reality-Formaten bewusst machen. Informationen über Inszenierungstricks und Darstellungsweisen helfen den Mädchen und Jungen, sich zu distanzieren, um solchen Formaten nicht auf den Leim zu gehen.

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