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Erwachsen auf Probe – ein umstrittenes TV-Experiment

29. Mai 2009

"Erwachsen auf Probe ist kein Spiel – es ist das wahre Leben." Mit diesem Slogan startet RTL "das größte TV-Experiment mit Jugendlichen in Deutschland". "Erwachsen auf Probe" heißt die siebenteilige Doku-Soap, die bereits im Vorfeld für Gesprächsstoff sorgte: Vier Tage lang müssen vier Teenagerpaare unter ständiger Kamerabeobachtung ein "Erwachsenenleben" führen. Sie müssen den Haushalt erledigen, sich um fremde Kinder kümmern und mit den daraus resultierenden Problemstellungen umgehen. Ziel ist es, den Teenagern vor Augen zu führen, wie beschwerlich es ist, Eltern zu sein. Dabei vertraut der Sender vor allem auf die abschreckende Wirkung der "Leihkinder". Wie zu erwarten, entfaltet diese Konstellation prompt ihre Wirkung: Bei den Teenagereltern auf Probe liegen die Nerven blank, es kommt zu Streit, Schuldzuweisungen und vereinzelt zu Handgreiflichkeiten zwischen den Partnern. Die Kamera hält drauf, in Großaufnahme werden die verunsicherten Nervenbündel vorgeführt. Wenn es brenzlig wird, schreiten die leiblichen Eltern ein, Tipps gibt es von Erzieherinnen und der "Expertin" Katja Kessler. Um das Experiment auf die Spitze zu treiben, werden die Jugendlichen nach der ersten Babyrunde mit Schützlingen unterschiedlicher Altersstufen konfrontiert. Kleinkinder, Schulkinder und Jugendliche kommen nach und nach "zum Einsatz". Mit dem Argument, dass die künstliche Erziehungssituation überwacht wird und jederzeit eingegriffen werden kann, sollen die Befürchtungen hinsichtlich einer Gefährdung der kindlichen Versuchskaninchen zerstreut werden.

Inwieweit das Wohl der beteiligten Kinder tatsächlich gefährdet wird, müssen Psychologen, Kindertherapeuten und letztendlich die für den Jugendschutz zuständigen Stellen entscheiden. Davon abgesehen ist die Tatsache, dass Kinder und Teenager zu Unterhaltungszwecken einem Millionenpublikum vorgeführt werden, aus pädagogischer Sicht mehr als fragwürdig. Säuglinge, die im besonderen Maße der Fürsorge und dem Verantwortungsgefühl der Erwachsenen ausgeliefert sind, einem solchen Spektakel auszusetzen, ist schlicht zynisch. Für FLIMMO ist die Sendung aus diesem Grund ein klarer Fall für die Rubrik "Mit Ecken und Kanten".

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