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Notruf - Dramatisierung alltäglicher Gefahren

25. Mai 1998

Zur besten Sendezeit, um 19.10 Uhr, kommt sonntags auf RTL die Reality-TV-Sendung »Notruf«; seit geraumer Zeit wird außerdem unter der Woche um 12.30 Uhr »Notruf täglich« geboten. Viele Kinder sehen »Notruf« regelmäßig - oft gemeinsam mit ihren Eltern. Was bietet »Notruf« und was fasziniert Kinder und Eltern daran?

»Notruf« zeigt gefährliche Situationen und Unfälle, in die ganz gewöhnliche Menschen - in vielen Fällen Kinder - geraten; völlig unerwartet, schicksalhaft und manchmal auch aus Leichtsinn. Was gezeigt wird, hat sich irgendwann wirklich abgespielt, in der Sendung aber ist es nachgestellt und spannend in Szene gesetzt. Das Muster ist immer das gleiche: Zunächst ist die Welt noch in Ordnung, es naht Gefahr, und dann, so eine 12-Jährige, »wird es immer so dramatisch gemacht, dass in der letzten Minute noch was passiert«. Am Ende aber geht alles gut aus, denn »es kommt immer jemand, der hilft«. Spannung wird hier mit Mitteln, wie sie zum Beispiel auch im Krimi eingesetzt werden, erzielt: Die Opfer sind in Großaufnahme zu sehen, es erklingt Musik, die nichts Gutes ahnen lässt ... Und manchmal wird das Geschehen sogar in Zeitlupe dargestellt.

Was aber für Kinder und auch für Eltern fast noch wichtiger ist, erklärt der 9-Jährige Sven: »Da kann ich lernen, was ich nicht machen soll, wie ertrinken oder Feuer.« Kinder wie Eltern nehmen das vermeintliche Lerngeschenk von »Notruf« gerne an. Die Kinder picken sich Regeln für den Kinderalltag heraus, die Eltern wollen ihren Nachwuchs auf Gefahren aufmerksam machen und dem mit den Fernsehbildern Nachdruck verleihen. Aber bietet »Notruf« wirklich Lebenshilfe? Nein, ganz im Gegenteil. Dargestellt wird hier eine Welt, die voller Gefahren steckt, Gefahren, die völlig unvermittelt über die Menschen hereinbrechen und von denen jeder betroffen sein kann. Ein Entrinnen gibt es nicht. Bei Kindern ist dies geeignet, Ängste zu schüren. In einer Phase, in der sie Selbständigkeit erlernen und erproben, vielfach von Unsicherheit begleitet, wie sie sich in der »großen Welt« verhalten sollen, werden sie durch »Notruf« und andere vergleichbare Angebote nur noch mehr verunsichert. Ein 13-Jähriger, der die Sendung schon durchschaut hat, bringt es auf den Punkt: »Das ist nicht normal, wenn man sowas im Fernsehen bringt, weil das ist eigentlich nur aus dem Alltagsleben. Und ich mein', das passiert nicht jedem Menschen. Das nützt doch nichts, das macht dem Menschen nur Angst und das bringt ihm nicht irgendwas zur Information oder damit er in seinem Leben besser zurechtkommt, das ist einfach Blödsinn.«

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