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Romantik und Liebe im Film - Gemischte Gefühle bei den Kindern

27. September 1999

"Und dann knutschen sie da vielleicht eine Viertelstunde lang rum." Benjamin (9) ist empört. Statt sich in spannende Abenteuer zu stürzen, widmen sich Held und Heldin dem Küssen, und das auch noch viel zu ausgiebig. Bei jüngeren Kindern stoßen Spielfilme, die sich hauptsächlich um diesen "langweiligen Herzschmerz-Kram" drehen, auf wenig Begeisterung. Erste Liebe, Herzklopfen und das obligatorische Kribbeln im Bauch - derlei Gefühlsduselei entlockt ihnen nur gelangweiltes Kopfschütteln. Das allerdings kann sich schlagartig ändern. Dann nämlich, wenn die Liebe auch für sie zum Thema wird. Da die Mädchen ihren männlichen Altersgenossen in diesem Punkt weit voraus sind, wundert es wenig, wenn Filme wie "Die Braut, die sich nicht traut", "Titanic", "Shakespeare in Love" oder der neueste Kinohit, "Notting Hill", zu ihren Favoriten zählen und sie darüber regelrecht ins Schwärmen geraten. Romantik pur erleben sie hier, und das Gesehene bietet ihnen jede Menge Stoff zum Träumen. So wie die Heldin aus Titanic geliebt zu werden und in den Armen des Mannes ihrer Träume in den Sonnenuntergang schippern zu können! (Ohne die anschließende Katastrophe zu erleben, versteht sich ...) Erwachsenen mögen solche Träume vielleicht kitschig erscheinen, sie sind es auch. Aber sie sind wichtig. Denn auf solch romantischen Fantasiereisen setzen sich Mädchen auch mit ihrer künftigen Rolle als Frau auseinander, als Persönlichkeit und in Beziehung zum anderen Geschlecht. Sie erproben weibliches Verhalten, prüfen Eigenschaften und Fähigkeiten der jeweiligen Filmheldin, verändern sie, fügen neue hinzu oder werfen sie einfach über Bord. Bereitet ihnen außerdem der Alltag im allgemeinen und die Liebe im besonderen gerade Kummer, dann helfen Träume wie diese, ihn zu überwinden, Abstand zu gewinnen und wieder ein Stück erwachsener zu werden. Und die Jungen? Liebe und Romantik im Film stehen bei ihnen nicht gerade hoch im Kurs. Aber auch sie haben Träume. Denn nicht anders als die Mädchen wollen auch sie von ihrer Umgebung geliebt und anerkannt werden. Dass diese Anerkennung die Liebe vom anderen Geschlecht einschließt, das so offen zuzugeben tun sich leider immer noch viele schwer. Was nicht bedeutet, dass ihnen das Thema Liebe nicht in Kopf und Bauch rumgeht. In einem Punkt aber schwimmen Mädchen und Jungen auf gleicher Welle: Ein Liebesfilm, der bei ihnen ankommt, darf sich nicht um langweilige Erwachsenengefühle drehen. Märchenhaftes, witziges und spannendes Geschehen muss er bieten, mit einem Schuß Romantik für die Mädchen und einer Prise Action für die Jungen. Ein solcher Film hat gute Chancen, bei den (schon großen) Kindern die Nummer eins zu werden.

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