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Weihnachten hinter Gittern – ein Gespräch mit den Machern von neuneinhalb

12. Dezember 2008

Kindern zwischen acht und 13 Jahren Themen aus Politik und Gesellschaft nahe zu bringen, hat sich "neuneinhalb" (samstags in der ARD) auf die Fahne geschrieben. Am 20. Dezember 2008 (9.50 und 11.50 Uhr) begleitet das Magazin in der Folge „Weihnachten hinter Gittern“ den Gefängnisalltag einer 18-Jährigen. Wie eine solche Sendung entsteht und worauf dabei geachtet werden muss, hat FLIMMO von Redakteur Matthias Körnich (WDR) und Moderatorin Malin Büttner erfahren.

 

Wie sind Sie auf das Thema „Gefängnis“ gekommen?

M. Körnich: In jeder Ausgabe behandeln wir nur ein Thema, dafür aber ausführlich und hintergründig. Wir greifen dabei auch oft Themen, unbekannte Orte oder Lebenszusammenhänge auf, mit denen Kinder nicht tagtäglich in Berührung kommen, von denen sie dennoch wissen oder gehört haben. Mit dieser Folge zeigen wir, dass es Jugendliche gibt, die nicht idyllisch unterm Weihnachtsbaum Geschenke auspacken können.

M. Büttner: Außerdem haben wir schon oft Themen wie Strafe, Straffälligkeit und Gewalt bei Jugendlichen aufgegriffen. Da ist es nur logisch, auch mal die Konsequenzen zu zeigen und aus einem Gefängnis zu berichten. Dazu haben Erwachsene und auch Kinder Gedanken oder Vorstellungen, das Thema macht gleichzeitig aber auch Angst - und deshalb sollte man sich damit beschäftigen. Auch um die Angst zu besiegen.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein Thema wie dieses für Kinder aufbereiten?

M. Körnich: Wichtig ist, dass wir natürlich das Einverständnis des Mädchens haben, um überhaupt über sie berichten zu können. Ein Drehbuch, in dem schon vorher steht, was das Mädchen genau sagen soll, gibt es nicht. Bei vielen dokumentarischen Formaten ist das inzwischen üblich, vieles wird für die Kamera sogar künstlich inszeniert. Und wenn jemand etwas nicht sagen oder zeigen will, ist das auch okay. Mit dem Mädchen klären wir vorher, wie viel sie über sich preisgeben möchte. Die Recherche vorab ist dabei fast wichtiger als der Dreh selbst, auch um herauszufinden, ob wir das Thema angemessen aufbereiten können oder zu viel aussparen müssten.

M. Büttner: Meist arbeiten wir mit Kindern und Jugendlichen, da können sich die Kinder daheim besser identifizieren. Eisernes Prinzip ist, dass niemals jemand vorgeführt wird – wir wollen nicht, dass sich Leute lustig machen und auch keinen Voyeurismus bedienen. Das Mädchen hat zudem sehr schlimme Erfahrungen gemacht, Details darüber zu veröffentlichen kann man ihr und auch den Kindern vor dem Fernseher nicht zumuten. In solchen Fällen weichen wir auf Formulierungen aus wie z.B. „schlimme Dinge sind passiert“. Am Ende der Sendung geben wir immer einen positiven Ausblick, um die Kinder vor dem Bildschirm nicht mit einem schlechten oder hoffnungslosen Gefühl zurückzulassen. Es wird gezeigt, dass sich etwas positiv verändern kann, oder dass ein Wille da ist, was zu verändern. So werden wir die Jugendliche ja weiterhin begleiten: Im Frühjahr zeigen wir in einer weiteren Ausgabe die erste Zeit nach dem Gefängnis, weil sie viele Pläne hat und ihr Leben ändern will.

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