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Obdachlos auf Probe – Die harte Realität als Experiment

17. April 2020
Obdachlos auf Probe – Die harte Realität als Experiment

Wie fühlt es sich an, nichts zu besitzen, als das, was man am Körper trägt? Und völlig allein auf sich gestellt zu sein, ohne Freunde, ohne Bekannte oder Helfer? In dem neuen Format „Prominent und obdachlos – Gosse statt Glamour", das am 20.04.2020 um 20.15 Uhr gesendet wird, soll diese Frage mit einem eigenwilligen Experiment geklärt werden: Drei Promis, eine Frau, zwei Männer, wagen den Versuch und lassen sich in einer ihnen völlig fremden Stadt aussetzen. Hier müssen sie die kommenden 72 Stunden auf der Straße verbringen – ohne Geld und ohne Handy. Dabei finden sich die Promis in neuen und unbekannten Situationen wieder, die im absoluten Kontrast zu ihrem sonstigen Lebensstil stehen. Ununterbrochen von der Kamera begleitet, werden dabei die verzweifelten Momente und emotionalen Begegnungen der Teilnehmenden eingefangen. So sollen die Zusehenden laut dem Sender RTL ZWEI einen Einblick in das Leben von wohnungslosen Menschen bekommen.

Fragwürdiges Unterhaltungskonzept

Die Idee, Wohnungslosigkeit als befristetetes Experiment zu inszenieren, ist nicht neu und wurde bereits in früheren Fernsehformaten umgesetzt. Auch die 2012 erschienene Dokumentarreihe „Reich und obdachlos“ des ZDF basierte auf dem gleichen Prinzip. Das neue Format von RTL ZWEI stellt den Unterhaltungsaspekt in den Vordergrund. Die bittere Lebensrealität der von Not oder Ausgrenzung betroffenen Menschen wird als Wettbewerb inszeniert und vorgeführt. Dazu wird das Geschehen meist dramatisch und emotional in Szene gesetzt, sodass die Erfahrungen der „Kurzzeitobdachlosen“ kaum lebensechte Situationen abbilden. Gerade junge Zuschauer können aufgrund der realitätsnahen Inszenierung Schwierigkeiten haben, sich von dem Gezeigten zu distanzieren und zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. Die oberflächliche Beschäftigung mit dem Thema Armut vermittelt ein fragwürdiges Menschenbild. Tatsache ist, dass sich das psychische und körperliche Leid von wohnungslosen Menschen mit Experimenten wie diesem kaum nachempfinden lässt. Denn die Not von Obdachlosen ist nicht nach 72 Stunden vorbei, sie werden nicht von einem Kamerateam begleitet und können ihre Situation – wie das fragwürdige Experiment – nicht einfach abbrechen.

 

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