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Morgen, Kinder, wird's was geben

28. November 2003

"Bald ist Schluss mit dem Gemütlichkeitsfernsehen", ließ unlängst der Deutschland-Chef der holländischen Produktionsfirma Endemol verlauten und kündigte für das Jahr 2004 stattdessen noch mehr "Spannungsfernsehen" an. Spannend findet er - wie offenbar auch einige Verantwortliche bei den Sendern - vor allem, wenn "echte" Menschen vor der Kamera mit Ausnahmesituationen fertig werden müssen. Ein Beispiel ist die französische Show "Exhausted", die eines der Vorbilder dafür ist, womit wir uns 2004 erfreuen sollen. "Exhausted" bedeutet "erschöpft" und der Titel ist bereits der Kern des Programms. Nach einem längeren Schlafentzug müssen die Kandidatinnen und Kandidaten schwierige Aufgaben lösen und Stunts überstehen. Den "Realitätsfaktor", der dieser Show den Kick gibt, können wir bereits im laufenden Programm erleben und im nächstens Jahr wird's noch mehr davon geben: Mehr à la "Lenßen & Partner" (SAT.1), wo man Detektive bei der Arbeit begleitet und weil das ziemlich langweilig ist, wird dem Ganzen mit ein bisschen Unschärfe und Wackelkamera Spannung eingehaucht. Einstellen können wir uns wohl auch auf mehr so genannte Doku-Soaps wie "Do It Yourself - S.O.S." (PRO 7), "Schnulleralarm!", "Frauentausch" (beide RTL 2), bei denen dem Durchschnittsmenschen bei mehr oder weniger alltäglichen Verrichtungen zugesehen werden kann. Und geplant sind wohl auch mehr Castingshows à la "Deutschland sucht den Superstar" (RTL) oder "Popstars" (PRO 7), über die Nachwuchstalente aller Sparten ihren Durchbruch erhoffen. Am "echten" Leben anderer teilzuhaben, durchs Schlüsselloch des Nachbarn zu schauen oder seine Mühen und Hoffnungen auf dem Weg zum Star zu verfolgen - für manchen hat das offenbar einen besonderen Reiz. Kinder finden bestimmte Schlüssellochguckereien eher langweilig, es ist ihnen z.B. egal, ob jemand einen Nagel gerade oder schief in die Wand schlägt. Andere Angebote berühren sie unangenehm, z.B. das Kinderkriegen vor der Kamera. Bei wieder anderen, wie bei "Lenßen & Partner" gelingt ihnen die Trennung von Fiktion und Realität nicht zuverlässig. Einige Angebote wie die Castingshows verfolgen sie jedoch neugierig und beginnen selbst von Glitzerwelt und Ruhm zu träumen.

Auf dem FLIMMO-Wunschzettel für das Jahr 2004 steht solches Anschauungsmaterial für das "echte" Leben nicht. Stattdessen wünscht sich FLIMMO Sendungen, die das Unterhaltungsbedürfnis von Kindern und ihre Neugier auf das Leben befriedigen, ohne sich auf Kosten der Schwächen anderer zu amüsieren. Und ohne vorzugaukeln, es gehöre zum "echten" Leben, sich vor jeder Kamera zu produzieren.

 

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