Flimmo.tv
Suchen in:
Aktuelles TV-Programm Sendungsarchiv

Alle Jahre wieder: TV-Aufreger als Dauerbrenner

15. Januar 2021
Alle Jahre wieder: TV-Aufreger als Dauerbrenner

Ob kuppeln, casten oder ekeln – auch in diesem Jahr kehren altbekannte Reality-Formate ins TV-Programm zurück, bei denen hoffnungsvolle Kandidaten, entschlossene C-Prominente und leicht bekleidete Heiratswillige für Aufregung sorgen (sollen): Auf ProSieben sucht Modelmama Heidi Klum erneut nach „Germany's Next Topmodel“, auf RTL kämpfen die Teilnehmenden von „Ich bin ein Star – Die große Dschungelshow“ um die Dschungelkrone und in „Der Bachelor“ (RTL) buhlen junge Damen um die Gunst eines Junggesellen. Währenddessen geben die Kandidaten von "Deutschlang sucht den Superstar" (RTL) ihr Gesangstalent zum besten, was mitunter peinlich werden kann. Und neben den Fernsehsendern haben auch die Streaming-Dienste eine Menge an Reality-TV-Formaten zu bieten. Auch wenn bei all den Sendungen coronabedingte Änderungen zu beobachten sind, bleibt das Prinzip doch gleich: Geschlechterklischees, Schadenfreude und Drama werden zu Unterhaltungszwecken ausgeschlachtet.

Ich bin ein Star – Die große Dschungelshow (RTL) Anders als das Original „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ spielt das neue Spin-Off-Format nicht im australischen Dschungel, sondern in Hürth, in Deutschland. In 18 Quadratmeter großen Hütten werden je drei Prominente auf engstem Raum zusammengepfercht, ohne Rückzugsmöglichkeiten oder separate Sanitäranlagen. Darüber hinaus müssen sich die Kandidaten den altbekannten Dschungelprüfungen und Ekelchallenges stellen. Beißen sich die Kandidaten durch diese 72 Stunden Dauerüberwachung, so winkt ein Preisgeld von 50 000€. Außerdem kann das Publikum per Telefon abstimmen, wer nächstes Jahr mit ins echte, australische „Dschungelcamp“ darf. Zwischendurch gibt es Besuch von Ex-Kandidaten, die gemeinsam mit den Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich ihre schlimmsten Dschungelerfahrungen Revue passieren lassen. Das Zeigen der Teilnehmenden in intimen Momenten und gefährlichen oder peinlichen Situationen stellt sie auf geschmacklose Weise bloß. Dies vermittelt nicht nur ein fragwürdiges Menschenbild, sondern befeuert auch Schadenfreude und Gehässigkeit. Zwar wird das Format erst nach 22 Uhr ausgestrahlt, doch durch die enge Verbindung zum Erfolgsformat „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ ist die mediale Reichweite enorm, sodass auch Kinder auf das Format neugierig werden.

Deutschland sucht den Superstar (RTL) Das Prinzip der Castingshow funktioniert nun schon seit 18 Jahren: Auch in diesem Jahr stellen sich hunderte von Sängern der strengen Kritik von Dieter Bohlen und seinen Jury-Kollegen. Schadenfreude fungiert dabei noch immer als Quotengarant, wenn die Auftritte von talentlosen Kandidatinnen und Kandidaten ausgeschlachtet und von der Jury mit Häme und Spott überzogen werden. Anstatt Individualität und Kreativität zu fördern, werden Kandidaten, die aus der Reihe tanzen, zu Unterhaltungszwecken vorgeführt.

Der Bachelor (RTL) Die Kuppelshow geht ab dem 20. Januar in die elfte Runde, doch anders als in den vorherigen Staffeln findet der Dreh nicht im exotischen Paradies, sondern im heimischen Deutschland statt. Alles andere bleibt allerdings gleich: 22 junge Frauen versuchen mit allen Mitteln die Aufmerksamkeit des Junggesellen auf sich zu ziehen. Ausschlaggebend sind dabei Aussehen und Sexappeal, denn nur wer attraktiv und gefällig ist, hat die Chance, am Ende eine der heißbegehrten Rosen zu erhalten. Der Konkurrenzdruck ist groß und Streitereien unter den Kandidatinnen werden als „Zickenkrieg“ und als „typisch weiblich“ in Szene gesetzt. Doch nicht nur die einseitigen Rollenklischees sind aus pädagogischer Sicht problematisch. Auch die vermittelten Vorstellungen von Beziehungsanbahnung und Liebe sind haarsträubend: Die Kandidatinnen werden wie Luxusware präsentiert, deren einzige Erfüllung darin besteht, dem Prinzen zu gefallen.

Germany’s next Topmodel (ProSieben) Auch in der 16. Staffel der Castingshow bleibt alles beim Alten: Heidi Klum macht sich ab dem 04. Februar auf Modelsuche und lässt die jungen Kandidatinnen bei verschiedenen Fotoshootings gegeneinander antreten. Das dabei transportierte Frauenbild ist nicht nur überholt, sondern gerade für junge Zuschauer problematisch. Anstatt Selbstbewusstsein und Individualität zu fördern, wird bedingungslose Anpassung erwartet – von einem kaum erreichbaren Schönheitsideal ganz zu schweigen. Der Konkurrenzdruck trägt sein Übriges dazu bei, sodass es häufig zu Streit und Missgunst unter den Mädchen kommt. Die dadurch vermittelten Botschaften können Kinder und Jugendliche stark verunsichern und ihnen eine einseitige und fragwürdige Weltsicht vermitteln.

Are You the One? (TVNow) Auch in der zweiten Staffel der Dating-Show treffen wieder je 10 Single-Männer und -Frauen im sonnigen Griechenland aufeinander, um vor laufender Kamera einen Partner zu finden. Auf Basis von im Vorfeld durchgeführten Persönlichkeitstests wurden dabei 10 potentielle Traumpaare gebildet, die den Kandidaten zunächst unbekannt bleiben. Nur wenn die vermeintlich perfekten Paare zueinanderfinden, erhalten sie ein Preisgeld. Überholte Rollen- und Geschlechterklischees sind dabei an der Tagesordnung, genau wie Streitereien und Intrigen. Neben oberflächlichen Werten geht es hier jedoch auch um Strategie, denn wer strategisch raffiniert vorgeht, wird finanziell belohnt. Wahre Gefühle und echte Zuneigung rücken in den Hintergrund, sodass Kindern ein extrem fragwürdiges Bild von Liebe und Partnerschaft vermittelt wird.

Fazit Reality-Formate erfreuen sich zwar immer größerer Beliebtheit, dennoch sollten sie besonders Kindern bis etwa zum Ende des Grundschulalters erspart bleiben. Egal ob Kuppel- oder Castingshow: Diese Formate bieten denkbar schlechtes Anschauungsmaterial, wenn es um Werte, Normen und Rollenbilder geht. Aber auch bei älteren Kindern sollten Eltern einen kritischen Blick auf solche Formate fördern, indem sie beispielsweise gemeinsam mit der Familie einzelne Folgen ansehen und anschließend diskutieren. Entscheidend ist, dass Kinder den Inszenierungscharakter der Formate wahrnehmen lernen und erkennen, dass diese nicht das „echte“ Leben abbilden. So können sich auch junge Zuschauer ein eigenes Urteil bilden und fragwürdige Vorbilder und medial inszenierte Wirklichkeiten hinterfragen und entschlüsseln lernen.

 

Copyright © Programmberatung für Eltern e.V. 1997 - 2021

Zum Seitenanfang