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50 Jahre Maus - FLIMMO im Interview mit Christoph Biemann

11. März 2021
50 Jahre Maus - FLIMMO im Interview mit Christoph Biemann

Seit 50 Jahren vermittelt „Die Sendung mit der Maus“ vom WDR Kindern Unterhaltung und Wissen auf Augenhöhe. Aus diesem Anlass hat FLIMMO mit Christoph Biemann gesprochen. Spannende Sachgeschichten, lustige Lachgeschichten und ein immergrüner Pullover – Christoph und die Maus sind aus dem Kinderfernsehen nicht wegzudenken.

Hand aufs Herz: Welches ist dein Lieblingstier: Maus, Elefant oder Ente?

Vom Charakter her ist mir der Elefant näher als die Maus. Die Maus ist ja eher so Armin, der alles weiß, alles kann. Ich bin eher so einer, der sucht und entdeckt Dinge gerne, der neugierig ist, die Nase irgendwo reinsteckt.

Die Maus ist auch nach 50 Jahren ungebrochen beliebt – was ist ihr Geheimrezept?

Es gibt mehrere Geheimnisse. Eines ist, dass wir unterhalten wollen und nicht belehren – das wird oft missverstanden. Das kann man am besten, indem man was erklärt und das so tut, dass man auch verstanden wird. Da stoßen wir eben auch immer wieder an unsere Grenzen, überwinden diese und gehen neue Wege. Das andere Geheimnis ist, dass für die Maus Menschen arbeiten, vor und hinter der Kamera, die einfach so ein bisschen verrückt sind. Die vor allem aber viel Herzblut und Ehrgeiz haben, eine tolle Sendung zu machen und Kinder zu unterhalten.

Was sind aus deiner Sicht die Meilensteine in der Entwicklung der Maus und findest du die gut?

Eine wirkliche Revolution gibt es bei der Maus nicht. Das ist immer so graduell gegangen – Neues und auch Altes oder Altbekanntes wechseln sich ab. Aber mit einer gewissen Kontinuität. Das muss sein. Aber natürlich gibt es viele neue Gesichter – das ist schon wichtig. Armin und ich sind ja jetzt auch ungefähr 50 Jahre älter. Aber neue Autorinnen und Autoren fehlen ein bisschen. So verrückte wie Armin sind schwer zu finden.

Das heißt, man kann in der Rückschau sagen, man könnte alles nochmal so machen?

Ich denke, man muss eine gewisse Philosophie beibehalten. Zum Beispiel, dass man auf Augenhöhe mit den Kindern kommuniziert und nicht von oben herab und solche ganz grundlegenden Sachen. Aber auf der anderen Seite muss man auch Neues ausprobieren, auch in der Technik. Zum Beispiel mit Drohnen arbeiten. Oder damals war die Maus ja auch Vorreiterin bei Zeitlupenaufnahmen und Zeitraffern.

Das Aufwachsen von Kindern hat sich in den vergangenen 50 Jahren ja stark verändert. Macht sich das auch in eurer Arbeit bemerkbar?

Ich finde, Kinder sind genauso neugierig und körperlich aktiv wie früher. Da hat sich gar nicht so viel getan, wie man vielleicht denkt. Aber die Umwelt hat sich natürlich verändert und damit für uns auch die Fragestellungen. Am Anfang der Maus wurde gezeigt, wie ein Ball gemacht wird. Heute fragt man auch: Was ist, wenn ein Ball kaputt geht? Was ist mit dem Plastikmüll? Was kann man wiederverwerten? Solche Fragen waren vor 50 Jahren nicht aktuell. Natürlich beschäftigt das die Kinder heute – und deswegen machen wir auch Filme über diese Themen.

Wer bestimmt das Thema einer Folge? Woher kommen die Ideen?

Am Anfang des Jahres besprechen wir uns mit der Redaktion im WDR und machen eine Themenliste. Im Laufe des Jahres kommen dann noch Ideen dazu. Wenn ich Zeitung lese oder über die Straße gehe, fällt mir auch schon mal was auf, bei dem ich denke, das könnte eine Mausgeschichte sein. Viele Anregungen kommen aber von Kindern oder aus der Zuschauerpost. Da müssen wir uns keine Gedanken machen, dass uns nach 50 Jahren die Themen ausgehen.

Wir kennen dich ja, weil du vor der Kamera stehst. Aber bist du auch hinter der Kamera aktiv?

Das ist sogar meine Hauptarbeit. Ich bin Regisseur, Produzent, also ein Allrounder: Von der Steuererklärung über den fertigen Film bis zur Annahme von Preisen.

Du sprichst total wenig in den Folgen. Warum eigentlich?

Die ersten Sachgeschichten waren noch völlig ohne Text. Und ganz langsam ist das Wort dazu gekommen. Als sich die Christoph-Figur entwickelt hat, da war es gut einen zu haben, der auf der einen Seite unwissend ist und Probleme hat, die er nicht lösen kann. Durch ein Gegenüber oder die Stimme aus dem Off kommen dann Anregungen: Versuch doch mal dies oder das. Es ist ja nichts schlimmer, als wenn jemand vor der Kamera vermittelt, ich bin der Oberschlaue. Das finde ich unsympathisch und hilft auch nicht. Ich als die Figur „Christoph“ bin praktisch auf demselben Wissensstand wie das Publikum. Die können dann mit auf die Reise gehen und mit mir die Lösung finden.

Erinnerst du dich an eine Kinderfrage, die nicht zu beantworten war?

Ja, zum Beispiel: Wo wohnt Gott? Auch, wenn wir uns eigentlich auf die Fahne geschrieben haben, wir können alles beantworten und es kaum etwas gibt, wo wir zurückschrecken. Fragen zu Sex wären nicht so Thema für die Maus, genauso wie alles rund um Gewalt, Folter oder sowas. Aber die kommen natürlich auch.

Wir haben auch noch Kinderfragen für dich. Die Geschwister Olivia, 4, und Jakob, 8 Jahre fragen: Was war das Lustigste, was du jemals bei einer Sendung erlebt hast?

Schwer zu sagen. Ich habe mal was Lustiges erfunden. Nämlich das Ei-Erschrecken. Man nimmt ein Ei so zwischen Daumen und Zeigefinger, brüllt laut „Huaaaa“ und erschreckt es. Das hat für Lacher gesorgt.

Und Paula, 6 Jahre, will wissen: Wie viel verdienst du mit der Sendung?

Genug! Aber ich bin auch nicht reich oder so. Ich hab ein gutes Auskommen, muss mir keine Sorgen um meine Brötchen machen.

Und jetzt, das Schlusswort: Was gibst du Kindern mit auf den Weg? Gerade in Zeiten von Corona.

Es gibt ganz viele Dinge – die sind auf dem Tisch, die sind in der Wohnung –, die eine eigene Geschichte haben. Da kann man dahintergucken, sich überlegen, wo kommen die her. Also, seid neugierig, habt Spaß am Entdecken und ja, lauft auch mal durch den Wald!

 

Bild: WDR/Annika Fußwinkel

 

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