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Echt jetzt? Bachelor, DSDS und Co. gehen in eine neue Runde

11. Januar 2019
Echt jetzt? Bachelor, DSDS und Co. gehen in eine neue Runde

Alle Jahre wieder: Mit Beginn des neuen Jahres kehren altbekannte Formate ins Fernsehen zurück, die für Aufregung und Quote sorgen (sollen): In „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ (RTL) machen sich C-Prominente zum Affen, heiratswillige Damen buhlen um den „Bachelor“ (RTL) und bei „Germany‘s next Topmodel“ (ProSieben) liefern sich junge Frauen auf dem Laufsteg der Konkurrenz und Heidi Klum aus. Bei „Deutschland sucht den Superstar“ (RTL) präsentieren sich junge Gesangstalente einer kritischen Jury, was regelmäßig in Peinlichkeiten endet.

Deutschland sucht den Superstar (RTL)

Zum sechzehnten Mal suchen Dieter Bohlen und seine Jury Sängerinnen und Sänger, die zudem in Sachen Tanz und „Personality“ glänzen. Das Sendekonzept setzt auf scheinbar Bewährtes: Auftritte talentloser Kandidaten werden ausgeschlachtet, fiese Kommentare von Bohlen und Co. sind Programm. Die Show vermittelt vor allem eine Botschaft: Um Erfolg zu haben, muss man bereit sein, sich dem Werturteil einer höheren Instanz zu unterwerfen. Individualität, Kreativität und kritisches Denken bleiben dabei auf der Strecke. Und die Gewinner der Talentshow verschwinden jedes Jahr schnell aus der öffentlichen Wahrnehmung. Wobei die derzeitige Staffel mit der neuen Jury-Besetzung für Glaubwürdigkeit sorgen soll: An Bord sind der erfolgreiche Sänger Xavier Naidoo und der ehemalige Superstar-Gewinner Pietro Lombardi.

Der Bachelor (RTL)

In der neunten Staffel der Kuppelshow ist der Bachelor in Mexiko auf der Suche nach seiner Herzensdame. Auch diesmal versuchen die zwanzig jungen Frauen mit allen Mitteln, den Junggesellen für sich zu gewinnen. Äußerlichkeiten sind dabei ausschlaggebend: Attraktiv, sexy und gefällig müssen die Kandidatinnen sein – Folge für Folge siebt der Bachelor aus, bis er am Ende seiner Favoritin die heißbegehrte Rose übergibt. Der Konkurrenzdruck unter den Frauen ist entsprechend groß, als „typisch weiblich“ wird der „Zickenkrieg“ in Szene gesetzt. Daran haben so manche junge Fans nichts auszusetzen, so zieht ein zwölfjähriges Mädchen die Sendung als Anschauungsmaterial heran: „Da kriegt man schon mit, was man eher nicht machen sollte gegenüber Männern. Was bei Männern nicht so gut ankommt.“ Haarsträubend ist aus pädagogischer Sicht, welche Vorstellungen von Beziehung und Liebe vermittelt werden: Die einzige Erfüllung der Kandidatinnen besteht darin, ihrem Prinzen zu gefallen – dabei werden sie wie Luxusware präsentiert, die zum Bachelor gehört wie Sportwagen, Champagner und Designeranzug.

Ich bin ein Star holt mich hier raus! (RTL)

Bereits zum dreizehnten Mal ziehen ab heute zwölf mehr oder weniger prominente Menschen ins „Dschungelcamp“ ein. Sie lassen geschmacklose Dschungel-Prüfungen über sich ergehen und sind sich auch sonst für keine Peinlichkeit zu schade, um an das Preisgeld von 100.000 Euro zu kommen. Das Publikum wird dabei wird zum Voyeur gemacht: Häme und Schadenfreude sind wesentliche Bestandteile der Sendung. Wie Menschen hier in gefährlichen, peinlichen und ekligen Situationen bloßgestellt werden, vermittelt ein fragwürdiges Menschenbild. Das Publikum kann sich durch Telefonabstimmung sogar aktiv ins Geschehen einbringen und darüber entscheiden, wer im Dschungel bleibt oder rausfliegt. Auch wenn das Format hauptsächlich erst nach 22 Uhr ausgestrahlt wird: Das mediale Echo auf solche Shows macht natürlich auch Kinder neugierig und so ist es nicht überraschend, dass das „Dschungelcamp“ Gesprächsthema auf dem Schulhof ist. „Highlights“ der Sendung finden sich auch im Internet und in der begleitenden App wieder.

Germany‘s next Topmodel (ProSieben)

Anfang Februar geht Heidi Klum erneut auf Modelsuche, unterm Strich bleibt alles beim Alten. Das betrifft vor allem das Frauenbild, das „GNTM“ vermittelt: Jung, sexy und zu allem bereit – so stellen die jungen Frauen ihre Idealmaße zur Schau und unterwerfen sich dem Diktat von Heidi Klum. Auch in der 14. Staffel behält Heidi die Oberhand: Sie ist wird von ständig wechselnden Jurymitgliedern unterstützt. Das Traumbild von Schönheit und Ruhm ist für junge Zuschauer doppelt problematisch: Statt selbstbewusst die eigene Individualität samt körperlicher Eigenheiten zu akzeptieren, wird ein mediales Schönheitsideal zur Messlatte – und bedingungslose Anpassung gefordert. Zudem können Erwartungen in ein aufregendes Leben voller Glamour und medialem Ruhm geweckt werden, die für viele unerfüllbar bleiben. Für die 13-jährige Lotte macht genau das den Reiz an „Germany’s next Topmodel“ aus: „Die kriegen da immer so ganz, ganz ausgefallene Kleidung oder so riesig hohe Schuhe und dann ist es immer lustig, dass man sieht wie die da so laufen. Das ist auch unterhaltsam, wegen Zickenkrieg und so.“ An dieser Aussage zeigt sich, dass fragwürdige Vorstellungen über faires Miteinander und ein insgesamt abwertendes Menschenbild befördert werden können.

Was Eltern tun können

Ob beim Kuppeln oder Casten: Solche Formate bieten Kindern denkbar schlechtes Anschauungsmaterial in Bezug auf Werte, Normen und Rollenbilder. Daher sollten Kindern bis etwa Ende des Grundschulalters solche Sendungen am besten erspart bleiben. Bei älteren Kindern ist es wichtig, einen kritischen Blick auf DSDS und Co. zu fördern. Wird der Gruppendruck und die Neugierde zu groß, können Eltern mit älteren Kindern gemeinsam eine Folge ansehen und ins Gespräch kommen und diskutieren. Wenn man eine Sendung genau unter die Lupe nimmt, zeigt sich schnell, was an DSDS und Co. fragwürdig ist. Entscheidend ist, Kindern zu vermitteln, dass diese Sendungen inszeniert sind. Sie bilden nicht das „wirkliche“ Leben ab. Zur kindlichen Entwicklung gehört es, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Das funktioniert am besten, wenn Kinder angeregt werden, hinter die Kulissen zu blicken. Auch fragwürdige Vorbilder und eine medial inszenierte Wirklichkeit können auf diese Weise entschlüsselt und hinterfragt werden.

FLIMMO bespricht das aktuelle Fernsehprogramm und gibt Tipps zur Fernseherziehung. Bewertet werden Sendungen, die 3- bis 13- jährige Mädchen und Jungen gerne sehen oder mit denen sie als Mitseher in Berührung kommen. Um einen schnellen Überblick zu bieten, sind die Sendungen in drei Rubriken eingeteilt.

Was bedeuten die Rubriken?

Kinder finden's prima

Von Sendungen in dieser Rubrik sind Kinder angetan. Auch wenn nicht alles den Geschmack der Erwachsenen trifft, "Kinder finden's prima".

Mit Ecken und Kanten

Sendungen in dieser Rubrik werden von Kindern gemocht, haben aber auch „Ecken und Kanten“. Sie enthalten Bestandteile, die Kindern nicht nur gut tun.

Nicht für Kinder

Sendungen in dieser Rubrik enthalten Bestandteile, die für Kinder schwer verkraftbar sind. Am besten hält man Kinder davon fern, da sie überfordert, verunsichert oder geängstigt werden können.

 

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