Flimmo.tv
Suchen in:
Aktuelles TV-Programm Sendungsarchiv

TV-Aufreger zum Jahresbeginn

10. Januar 2020
TV-Aufreger zum Jahresbeginn

Alle Jahre wieder: Mit Beginn des neuen Jahres kehren altbekannte Formate ins Fernsehen zurück, die für Aufregung und Quote sorgen (sollen): In „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ (RTL) machen sich C-Prominente zum Affen, heiratswillige Damen buhlen um den „Bachelor“ (RTL) und bei „Germany‘s next Topmodel“ (ProSieben) liefern sich junge Frauen auf dem Laufsteg der Konkurrenz und Heidi Klum aus. Bei „Deutschland sucht den Superstar“ (RTL) präsentieren sich junge Gesangstalente einer kritischen Jury, was regelmäßig in Peinlichkeiten endet. Auch „Big Brother“ wird bald wieder auf Sendung gehen: Pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum startet das umstrittene Format ab 10. Februar auf SAT.1. Das Motto lautet „Totale Überwachung“, was in Zeiten von realen Risiken digitaler Überwachung besonders zynisch erscheint.

Deutschland sucht den Superstar (RTL) Zum 17. Mal suchen Dieter Bohlen und seine Jury Sängerinnen und Sänger, die ihr Talent unter Beweis stellen wollen. Das Sendekonzept setzt auf Schadenfreude: Auftritte talentloser Kandidaten werden ausgeschlachtet, fiese Kommentare von Bohlen und Co. sind Programm. Am Ende treten aus Hunderten von Bewerbern nur 26 Talente in Südafrika um den Titel an. Die Show vermittelt vor allem eine Botschaft: Um Erfolg zu haben, muss man bereit sein, sich dem Werturteil einer höheren Instanz zu unterwerfen. Individualität, Kreativität und kritisches Denken bleiben dabei auf der Strecke.

Der Bachelor (RTL) In der zehnten Staffel der Kuppelshow ist der Bachelor in Mexiko auf der Suche nach seiner Herzensdame. Auch diesmal versuchen über zwanzig jungen Frauen mit allen Mitteln, den Junggesellen für sich zu gewinnen. Äußerlichkeiten sind dabei ausschlaggebend: Attraktiv, sexy und gefällig müssen die Kandidatinnen sein – Folge für Folge siebt der Bachelor aus, bis er am Ende seiner Favoritin die heißbegehrte Rose übergibt. Der Konkurrenzdruck unter den Frauen ist entsprechend groß, als „typisch weiblich“ wird der „Zickenkrieg“ in Szene gesetzt. Haarsträubend ist aus pädagogischer Sicht, welche Vorstellungen von Beziehung und Liebe vermittelt werden: Die einzige Erfüllung der Kandidatinnen besteht darin, ihrem Prinzen zu gefallen – dabei werden sie wie Luxusware präsentiert, die zum Bachelor gehört wie Sportwagen, Champagner und Designeranzug.

Ich bin ein Star holt mich hier raus! (RTL) Bereits zum 14. Mal ziehen ab heute zwölf mehr oder weniger prominente Menschen ins „Dschungelcamp“ ein. Sie lassen geschmacklose Dschungel-Prüfungen über sich ergehen und sind sich auch sonst für keine Peinlichkeit zu schade. Das Publikum wird zum Voyeur: Häme und Schadenfreude sind wesentliche Bestandteile der Sendung. Wie Menschen hier in gefährlichen, peinlichen und ekligen Situationen bloßgestellt werden, vermittelt ein fragwürdiges Menschenbild. Das Publikum kann sich durch Telefonabstimmung sogar aktiv ins Geschehen einbringen und darüber entscheiden, wer im Dschungel bleibt oder rausfliegt. Auch wenn das Format hauptsächlich erst nach 22 Uhr ausgestrahlt wird: Das mediale Echo auf solche Shows macht natürlich auch Kinder neugierig und so ist es nicht überraschend, dass das „Dschungelcamp“ Gesprächsthema auf dem Schulhof ist. Die Vermarktung der Sendung läuft auf Hochtouren, „Highlights“ finden sich unter anderem in Social Media oder in einer Podcast-Reihe wieder.

Germany‘s next Topmodel (ProSieben, Joyn) Ab 30. Januar geht Heidi Klum immer donnerstags erneut auf Modelsuche. Unterm Strich bleibt alles beim Alten. Das betrifft vor allem das Frauenbild, das „GNTM“ vermittelt: Jung, sexy und zu allem bereit – so stellen die jungen Frauen ihre Idealmaße zur Schau und unterwerfen sich dem Diktat von Heidi Klum. Das Traumbild von Schönheit und Ruhm ist für junge Zuschauer doppelt problematisch: Zwar schreibt sich die Sendung Vielfalt, Persönlichkeit und Einzigartigkeit auf die Fahnen, am Ende aber wird ein mediales Schönheitsideal zur Messlatte und bedingungslose Anpassung gefordert. Zudem können Erwartungen in ein aufregendes Leben voller Glamour und medialem Ruhm geweckt werden, die für viele unerfüllbar bleiben. Für die 13-jährige Lotte macht genau das den Reiz an „Germany’s next Topmodel“ aus: „Die kriegen da immer so ganz, ganz ausgefallene Kleidung oder so riesig hohe Schuhe und dann ist es immer lustig, dass man sieht wie die da so laufen. Das ist auch unterhaltsam, wegen Zickenkrieg und so.“ An dieser Aussage zeigt sich, dass fragwürdige Vorstellungen über faires Miteinander und ein insgesamt abwertendes Menschenbild befördert werden können.

Was Eltern tun können Ob beim Kuppeln oder Casten: Solche Formate bieten Kindern denkbar schlechtes Anschauungsmaterial in Bezug auf Werte, Normen und Rollenbilder. Daher sollten Kindern bis etwa Ende des Grundschulalters solche Sendungen am besten erspart bleiben. Bei älteren Kindern ist es wichtig, einen kritischen Blick auf DSDS und Co. zu fördern. Wird der Gruppendruck und die Neugier zu groß, können Eltern mit älteren Kindern gemeinsam eine Folge ansehen und ins Gespräch kommen und diskutieren. Wenn man eine Sendung genau unter die Lupe nimmt, zeigt sich schnell, was an DSDS und Co. fragwürdig ist. Entscheidend ist, Kindern zu vermitteln, dass diese Sendungen inszeniert sind. Sie bilden nicht das „wirkliche“ Leben ab. Zur kindlichen Entwicklung gehört es, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Das funktioniert am besten, wenn Kinder angeregt werden, hinter die Kulissen zu blicken. Auch fragwürdige Vorbilder und eine medial inszenierte Wirklichkeit können auf diese Weise entschlüsselt und hinterfragt werden.

 

Copyright © Programmberatung für Eltern e.V. 1997 - 2020

Zum Seitenanfang