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Erste Medienhelden - Was kleine Kinder sehen

04.05.2018

Kinder lieben Geschichten. Von klein auf begleiten sie Puuh der Bär oder die Tiere vom Bauernhof als Bilder- oder Vorlesebuch. Hörspiele gehören für viele schon früh dazu, vom Dauerbrenner Pumuckl bis zu Rabe Socke. Aber auch kurze Filme und Serien mit Ritter Rost, Bibi und Tina oder Feuerwehrmann Sam stehen im Kindergartenalter auf dem Programm. Die meisten Kinder können nicht genug von ihren Helden bekommen. »Nochmal!« heißt es immer wieder, wenn das Buch, der Clip oder das Hörspiel zu Ende ist. Viele Eltern können ein Lied davon singen. Die Mädchen und Jungen genießen die Nähe zu Mama und Papa beim gemeinsamen Zuhören und Zuschauen. Sie entdecken Neues und Bekanntes, erleben Interessantes und Spannendes. Oftmals werden Themen angesprochen, die sie in ihrer Entwicklung gerade beschäftigen. Sie gehen emotional mit und schließen ihre Lieblingsfi guren ins Herz. Was sie sehen, welche Figuren ihnen am besten gefallen und was sie besonders beschäftigt, hat sich FLIMMO erzählen lassen.*

* FLIMMO hat Drei- bis Sechsjährige und ihre Eltern zum Fernseherleben der Kinder befragt. Der ausführliche Bericht ist hier abrufbar: Kinderbefragung

Kindgerechtes für die Kleinsten

Gerade bei den Kindergartenkindern ist es wichtig, eine altersgerechte Auswahl zu treffen. Die Geschichten müssen kurz sein und wenige Figuren haben, eine geradlinige Story und vor allem ein gutes Ende. Für Kinder ab etwa zwei bis drei Jahren sind einfache kurze Videos mit einprägsamen Figuren ein guter Einstieg. Die Clips mit der Maus und dem Elefanten haben schon einige Generationen von kleinen Kindern bestens unterhalten. Auch der dreijährige Jerome ist begeistert: »Der Elefant macht so törö, die Maus klappklapp. Mit den Augen.« Die Geschichten kommen ohne Sprache aus, die Zeichentrickfiguren sind sehr reduziert, meistens gibt es eine überraschende, witzige Pointe. Auch Unser Sandmännchen ist so ein Klassiker, der für manche auch heute noch zum gemeinsamen Fernsehritual gehört.

Kleine Helden kommen an

Figuren, die anderen helfen und etwas Besonderes können, sind die Größten für die Kleinen. Besonders am Herzen liegen ihnen Figuren, die den Größeren und Stärkeren Paroli bieten können, weil sie schlau und mutig sind. Die fünfjährige Carla mag zum Beispiel Conni am liebsten, »weil ich die einfach toll finde!« Das Mädchen hat einige Pixi-Bücher und ist ein großer Fan der Zeichentrickserie im KiKA. Die clevere Hauptfigur, die sich jederzeit zu helfen weiß, kommt an. Conni ist wie die beste Freundin von nebenan. Das gilt bei vielen Mädchen auch für Bibi und Tina. Der vierjährigen Lisa gefällt an der Serie, dass die zwei so gut reiten können. »Und auch anderes können die gut, zum Beispiel ein Rad schlagen«, sagt sie. Wichtig ist den Kleinen aber auch, dass der Humor nicht zu kurz kommt. »Ich liebe Olaf am allermeisten, weil der macht immer Quatsch«, beschreibt Lisa ihre Lieblingsfigur aus dem Disney-Film Die Eiskönigin.

Geschichten für Jungen und Mädchen

Viele Eltern nervt die Trennung nach Geschlechtern schon im Kindergartenalter: Prinzessinnen und Einhörner für die Mädchen, für die Jungs Rennautos und kämpferische Helden. Dabei haben viele Themen, die kleine Kinder ansprechen, eigentlich nichts mit dem Geschlecht zu tun:

Klein gegen groß

Kindergarten- und Vorschulkinder sind oft »die Kleinen«. Sie fühlen sich nicht ernst genommen und wollen auch mal »die Bestimmer« sein. Deshalb machen ihnen kleine Figuren Spaß, die den Größeren eins auswischen. Dieses Strickmuster gefällt dem sechsjährigen Fabian besonders an der Trickserie Tom & Jerry: »Die Maus ist sehr klein und kann gut entwischen und der Kater kann nichts gut.«

Weniger ist mehr - die richtige Dosis

Fernsehanfänger sollten nicht länger als 20 Minuten am Stück schauen, pro Tag maximal 30 Minuten, egal auf welchem Gerät. Es muss aber nicht eine tägliche Ration sein. Manchmal ist es besser, bewusst Sendepausen einzulegen - wenn das Wetter gut ist oder andere Aktivitäten geplant sind. Dafür kann es Ausnahmen geben, zum Beispiel bei Krankheit oder bei einer längeren Autofahrt.

Anderen helfen

Anderen in Not beizustehen, ist Mädchen und Jungen gleichermaßen wichtig. Gerade kleine Kinder haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und wollen, dass es allen gut geht. Heldenhafte Retter im Einsatz, wie bei Feuerwehrmann Sam, kommen deshalb so gut bei ihnen an. Für den vierjährigen Valentin ist Sams Kollegin Ellie ein echtes Vorbild, »weil die alles am besten kann«. Auch Nella, die Ritterprinzessin hat als Retterin und Beschützerin ihrer Untertanen vor allem für Mädchen Vorbildcharakter. Für Alba (5 Jahre) ist besonders beeindruckend: »Die ist so cool, weil sie Menschen rettet. Sie ist ein Kind, aber sie macht das alleine.«

Magische Abenteuer

Fantastische Erlebnisse jenseits des Alltags faszinieren Kinder seit Generationen. Auch heutzutage stehen zauberhafte Elfen, trickreiche Hexen und andere Fabelwesen hoch im Kurs. Die Serie Mia and me greift dies auf: Die Reise der jungen Mia in die Elfenwelt Centopia erfüllt den Wunsch nach magischen Abenteuern und Zauberkräften. Dass sich Mia auf ihre elfischen Mitstreiter jederzeit verlassen kann, ist besonders wichtig.

Kampf gegen die Bösen

Dieses Thema liegt den Jungen zwar näher, aber auch bei »Mädchenserien« wie Nella, die Ritterprinzessin, Elena von Avalor oder Mia and me steht der Kampf gegen Bösewichter auf dem Programm. »Mia muss immer gegen die Bösen kämpfen. Gegen die böse Zauberin mit dem schwarzen Hut. Es gibt da noch so einen Spiderman, der ist ganz blau und hilft der«, erzählt die fünfjährige Amelie.

Was kleine Kinder überfordert

Die Frage, was den Mädchen und Jungen vor dem Bildschirm zu viel wird, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Logisch, dass realitätsnahe Gewalt und blutige Bilder in Sendungen für diese Altersgruppe nichts zu suchen haben. Verwirrende Geschehnisse düstere Bilder oder dramatische Musik können schnell zu viel werden. Aber auch einzelne Szenen in kindgerechten Sendungen können unvermutet für Aufregung sorgen. Erwachsene können nicht immer nachvollziehen, warum an sich harmlose Situationen oder Figuren plötzlich doch Angst machen.

YouTube als Kindersender?

Im Familienalltag kann YouTube durchaus praktisch, aber auch problematisch sein. Kommentare zu den Videos sind mitunter nicht jugendfrei. Auch Werbeeinblendungen sind nicht unbedingt kindgerecht. Beim Abspielen der Clips werden am Seitenrand stets ähnliche angezeigt, die auch automatisch starten können. Das verleitet dazu, immer weiter schauen zu wollen. Außerdem gibt es durchaus Mängel beim Thema Jugendschutz. Seit letztem Jahr ist YouTube Kids mit – laut Anbieter – ausschließlich kindgerechten Inhalten online. Dennoch sollten Eltern ein Auge darauf haben, was sich Kinder anschauen, denn eine hundertprozentige Sicherheit gibt es auch hier nicht.

Deshalb ist es wichtig, auf das Verhalten der Kleinen vor dem Bildschirm zu achten. Nervöse Reaktionen wie Fingernägelkauen oder die Hände vors Gesicht halten deuten auf Überforderung hin. Wenn Kinder solche Signale zeigen, brauchen sie Trost und Unterstützung bei der Verarbeitung. Manchmal hilft es, das gute Ende abzuwarten. Und manchmal hilft nur noch abschalten und trösten.
Für viele Kinder sind Trennung und Verlust schwer zu ertragen. Für die fünfjährige Vivien ist zum Beispiel der Film Drachenzähmen leicht gemacht »eigentlich schon ganz schön gefährlich«. Besonders eine Szene, in der der Vater der jungen Hauptfigur Hicks stirbt, war für sie sehr schwer zu verdauen. Auch wenn die Helden selbst in Gefahr geraten, kann Spannung und Nervenkitzel schnell in Verunsicherung umschlagen. Manchmal halten sich Angst und Vergnügen die Waage: »Da gibt es eine böse Königin und die ist gruselig. Aber die Sendung ist auch lustig irgendwie«, erzählt die fünfjährige Amelie über Mia and me.


Vermarktung und Konsum

Das Problem: Figuren und Geschichten, die eher für Kinder im Grundschulalter und aufwärts gedacht und gemacht sind, werden mit Spielzeug und Sammelkarten schon den Vorschulkindern schmackhaft gemacht. Egal, ob Drachenzähmen leicht gemacht als Playmobil-Kollektion oder Ninjago, Star Wars oder Herr der Ringe von Lego: Die Spielzeughelden wecken Wünsche. Besonders, wenn ältere Geschwister oder Freunde aus dem Kindergarten die Figuren und Sammelbilder haben. Eltern werden mit dem Argument konfrontiert »Die anderen haben das auch!«. Eltern bleibt nichts anderes übrig, als klare Grenzen zu ziehen und im Notfall auch Verbote auszusprechen. Ein kleiner Trost: Oft ist die Welle der Begeisterung schnell verebbt … wenn nicht schon die nächste anrollt.

Viele Geräte - viele Möglichkeiten

In vielen Familien sind Laptops, Smartphones oder Tablets Alltagsbegleiter. Schon die Jüngsten sehen, wie die Familienmitglieder vor den Bildschirmen sitzen. Kleinkinder bis etwa zwei Jahren sollten ohne mediale Reize ihre Umgebung erkunden können. Ab dem dritten Lebensjahr können gemeinsam altersgerechte Clips oder digitale Bilderbücher ausprobiert werden – wenn die Kleinen Interesse zeigen. Wenn nicht, kann der Einstieg in die Medienwelt natürlich auch erst später erfolgen. Auf welchem Weg geguckt wird, ist von Familie zu Familie unterschiedlich. Auf dem Tablet, dem PC oder auf dem großen Fernsehschirm gibt es ein breites Angebot. Das lineare Programm hat online viel Konkurrenz bekommen: Die Mediatheken der Sender, kostenpflichtige Streaming- Anbieter oder auch Videoportale. Die Vorteile sind klar: Die Sendungen können zeitlich flexibel und oft ohne Werbeunterbrechung angeschaut werden. Meist ist es möglich, Pausen einzulegen und die Lieblingsstelle zu wiederholen. Am wichtigsten ist jedoch, gemeinsam mit den Kleinen Altersgerechtes anzuschauen. Hier kann FLIMMO helfen: Das Onlineangebot und die App bieten Einschätzungen zum aktuellen TV-Programm, aber auch zu Filmen und Sendungen im Netz.

Fazit: Was kleine Kinder brauchen

Kleine Kinder brauchen einen anregungsreichen Alltag mit vielen unterschiedlichen Eindrücken und Erlebnissen. Zentral ist die Interaktion mit anderen Kindern, Eltern und Bezugspersonen. Medieninhalte sollten auf keinen Fall im Mittelpunkt stehen. Dennoch können kindgerechte Geschichten Anregungen bieten und Neugier und Fantasie fördern. Egal, ob Conni, Prinzessin Lillifee oder die Ninjago- Kämpfer: Die Helden der Kleinen treffen oft nicht den Geschmack der Erwachsenen. Trotzdem sollten sich Eltern auf die Lieblinge ihrer Kinder einlassen und ihre Begeisterung nicht abtun. Am meisten profitieren Kinder, wenn sie sich aktiv mit dem Gesehenen auseinandersetzen können. Das bedeutet, mit Kindern über ihre Helden zu reden und sie zu animieren, Bilder zu malen, Geschichten nachzuspielen oder zu basteln. Auf jeden Fall sollte das Anschauen von Filmen oder Sendungen in den Familienalltag eingebettet sein und ihn nicht dominieren.

Das große MedienQuiz von FLIMMO und TLM

 

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