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Grenzenloser Spaß? Was Kinder lustig finden

06.05.2019

Humor in Film, Fernsehen und im Internet ist ein weites Feld. Was einer zum Brüllen komisch findet, entlockt einem anderen nicht mal ein müdes Lächeln. Gerade in Zeiten von Social-Media-Plattformen wie YouTube ist die Bandbreite enorm groß. Kinder lieben Spaß und Unterhaltung und suchen dies auch gezielt in den Medien.

Manches, was auf den ersten Blick altersgerecht erscheint, entpuppt sich allerdings als weniger geeignet. Ist zum Beispiel Ironie im Spiel, kommen erst ältere Kinder auf ihre Kosten. Werden Häme und Schadenfreude als Unterhaltung präsentiert, sollten Eltern sehr genau hinschauen. Wenn der Spaß zu Lasten von anderen geht, wenn Menschen diskriminiert, beleidigt oder herabgesetzt werden, hört für viele Kinder der Spaß auf. In Gesprächen mit Mädchen und Jungen* merkt man schnell, dass dieses Thema ihnen nahegeht.

*FLIMMO hat Kinder zwischen acht und 13 Jahren zum Thema "Humor in den Medien" befragt. Der ausführliche Bericht ist hier abrufbar: Kinderbefragung

Spaß verstehen - Wie sich das Humorverständnis entwickelt

Vorschulkinder

Was Kinder lustig finden, hängt vom Alter und von ihrem Entwicklungsstand ab. Mädchen und Jungen bis etwa Ende des Vorschulalters können sich vor allem über Slapstick und Albernheiten amüsieren. Ein lustiges Geräusch, ein komisches Kostüm oder eine absurde Grimasse reichen aus, um die Kleinen zum Lachen zu bringen. Gerne schauen sie niedlichen, kindlichen Tierfiguren wie Peppa Wutz dabei zu, wie sie Spaßiges erleben.

Grundschulkinder

Kinder im Grundschulalter mögen alberne Figuren und aberwitzige Aktionen. Slapstickeinlagen sind immer noch für einen Lacher gut. Mit zunehmendem Alter wächst aber auch das Verständnis für hintergründige Formen von Humor. So wird Sprachwitz zunehmend wichtiger, zum Beispiel, wenn eine Figur etwas übertrieben wörtlich nimmt.

Spaß in Serie

Ab 3 Jahren

Animanimals
KiKA-Player, kika.de

Peppa Wutz
YouTube: Peppa Pig Deutsch Offizieller Kanal; Amazon Prime, Netflix, kividoo,
SuperRTL

Ab 5 Jahren

Shaun das Schaf
KiKA, Amazon Prime, maxdome, Netflix

ALVINNN!!! und die Chipmunks
SuperRTL, Amazon Prime, maxdome,
kividoo

Ab 9 Jahren

Türkisch für Anfänger
Amazon Prime, Netflix

K.C. Undercover
Disney Channel

Ab 11 Jahren

Leider lustig!
zdf.de, YouTube

Walulis
YouTube, funk.net

 

Streiche, Täuschungen und anderer Schabernack machen ihnen ebenfalls großen Spaß, besonders wenn ein Kleiner den Größeren eins auswischt. Auch Missgeschicke oder die unerwartete Auflösung einer Situation sind für diese Altersgruppe unterhaltsam. Je älter Kinder werden, desto mehr können sie sich darüber amüsieren, wenn Klischees durch den Kakao gezogen werden. Anspielungen in Filmen, zum Beispiel auf bekannte Persönlichkeiten oder Trends, können viele Kinder am Ende des Grundschulalters schon nachvollziehen.

Ältere Kinder

Teenager wollen sich von der Erwachsenenwelt abgrenzen. Derbe Sprüche, respektlose Gags und Streiche kommen in diesem Alter gut an. Besonders YouTube ist dabei für viele Jugendliche eine schier unerschöpfliche Fundgrube: Comedy, Parodien und witzige Clips, die untereinander verschickt werden, sind äußerst beliebt. YouTuber sind Vorbilder in Sachen Schlagfertigkeit und Witz. Auch wenn Eltern der Zugang zu dieser Art Humor oft fehlt, sollten sie Interesse zeigen und die Vorlieben der Mädchen und Jungen nicht abtun.

Humor in Bewegten Bildern - Was Kinder schauen

Zeichentrick - Tempo und Turbulenzen

Für viele Kinder sind Zeichentrickserien der Einstieg in die Welt der bewegten Bilder. Die Maus- Clips mit ihrem einfachen Humor ohne Worte sind absolute Klassiker. Aber auch Animanimals zeigen lustige Überraschungen und originelle Späße, die schon die Kleinsten verstehen. Aberwitzige Neckereien wie bei Phineas und Ferb oder Tom und Jerry sind Dauerbrenner für Grundschulkinder. Die neunjährige Rosa stellt klar, dass man bei Sendungen wie Tom und Jerry die überzogene Gewalt nicht ernst nehmen kann: »Wenn da irgendwas auf sie drauffällt oder so, dann sind sie plötzlich so platt wie ein Teppich, obwohl das in echt gar nicht geht.« 

Ironie verstehen

Kleine Kinder können mit Ironie nichts anfangen. Sie nehmen jede Aussage wörtlich: Was gesagt wird, ist auch so gemeint. Erst ab etwa Mitte des Grundschulalters beginnen sie zu verstehen, dass das Gesagte auch eine unterschwellige Bedeutung haben kann. Ältere Kinder können Ironie - je nach Kontext - meist nachvollziehen.

Comedy und Sitcoms - Absurder Alltag

Ab etwa Mitte des Grundschulalters sind Comedy- Shows und Sitcoms beliebt. Kinder in diesem Alter mögen es, wenn mit Humor Grenzen überschritten werden und chaotische Charaktere den Alltag auf den Kopf stellen. Ein schrulliges Genie wie Sheldon Cooper aus der Serie The Big Bang Theory zum Beispiel, der mit seiner Schlaumeierei seine Nerd-Freunde zur Weißglut treibt. »Sheldon ist wirklich der, der am meisten besserwissert«, findet die zehnjährige Karla. Figuren wie Kid Danger, die den ganz normalen Teenageralltag und ihre Heldenrolle unter einen Hut bringen müssen, sorgen ebenfalls für gute Unterhaltung: »Ich find's cool, weil es ist halt ein Junge, und der ist ein geheimer Superheld. Und der hat auch eine Schwester, die ist eine Ausrasterin« (Kenan, 10 Jahre). 

Comedy-Formate wie Knallerfrauen sind zwar für ein erwachsenes Publikum gemacht, manche ältere Kinder schauen trotzdem zu. Für die elfjährige Hannah hat der Spaß ein Ende, wenn es um sexuelle Inhalte geht: »In der Folge Heißer Flirt liegt sie mit einem Mann im Bett – das war eklig!«.

YouTube - Katzenvideos, Pranks und Challenges

Ob lustige Clips mit tollpatschigen Vierbeinern, Parodien von Musikvideos oder satirische Comedy- Formate: Gerade weil YouTube eine große Bandbreite an Unterhaltung bietet, ist es bei Kindern und Jugendlichen so beliebt. Der spezielle Humor von YouTubern wie Simon Desue oder Ray Fox kommt bei vielen Kinder ab Mitte des Grundschulalters gut an. »Über die Witze und die Videos vom Simon Desue muss ich lachen. Die Art gefällt mir« berichtet zum Beispiel der elfjährige Mick. Clips, die Schadenfreude wecken, haben auf YouTube und in TV-Formaten wie Upps – die Pannenshow Hochkonjunktur. Auch Kinder können über die größeren und kleineren Pannen der Mitmenschen lachen. Der neunjährige Raphael hat dabei gemischte Gefühle: »Man hat halt ein bisschen Mitleid, aber ich denk mir: Das ist nicht wirklich passiert, das ist nur im Fernsehen.« Was echt ist und was nur gespielt, beschäftigt die Mädchen und Jungen.

Vor allem das Spiel mit fragwürdigen Mutproben oder derben Streichen in Form von Pranks und Challenges auf Social-Media-Plattformen reizt viele Kinder. Dass die Streiche für die Betroffenen gefährlich oder beschämend sein können, vergessen manche. Problematisch wird es auch bei grenzwertigen Aktionen, bei denen Menschen ernsthaft zu Schaden kommen. Weil Schadenfreude und Häme eigentlich verpönt sind, kommt es in manchen Familien zu Konflikten. Die neunjährige Livia sieht zum Beispiel manchmal die Torgshow des YouTubers Freshtorge. Auch wenn sie manche Witze nicht versteht, schaut sie die Comedy-Show gemeinsam mit ihrem älteren Bruder an, sehr zum Missfallen ihrer Mutter: »Er zeigt dann zum Beispiel Sachen wie wenn sich jemand verletzt hat und das mag halt meine Mutter nicht.«

Wo der Spaß aufhört

Für die zwölfjährige Carlotta ist die Schmerzgrenze überschritten, wenn Menschen ausgelacht und bloßgestellt werden, zum Beispiel in Prank-Videos oder mit Witzen auf Kosten anderer: »Zum Beispiel wenn man gemobbt wird in einem Witz. Wenn man ausgelacht wird und über einen gelästert wird. Das verletzt einen innen drinnen. Und manchmal werden die dann auch so psychisch krank, dass die dann zur Therapie müssen.« Wie sich Menschen fühlen, die Opfer von Spott und Häme sind, können viele der befragten Kinder nachfühlen: »Weil das halt auch weh tut und wenn man ausgelacht wird, fühlt man sich irgendwie einsam « (Neven, 11 Jahre).

Für viele Kinder gibt es klare Grenzen des Humors, die von medialen Angeboten überschritten werden. Vor allem schwarzer Humor auf Kosten von Minderheiten und beißende Satire à la Jan Böhmermann lehnen viele ab. Die neunjährige Ella ärgert sich, wenn bestimmte Gruppen diskriminiert werden: »Ich finde extrem frauenfeindliche Dinge nicht gut und wenn Leute über Behinderungen Witze machen.«

Was Eltern beachten sollten

Kinder brauchen altersgerechte Unterhaltungsangebote, die sie nicht überfordern. Die Zeichentrickserie Die Simpsons zum Beispiel, ist für Kinder bis etwa elf Jahren eher unverständlich. Die ironischen Anspielungen und der zum Teil schwarze Humor können Jüngere verwirren und überfordern. Für angehende Teenager ist die Mischung aus Familienchaos und hintersinnigem Humor dagegen durchaus unterhaltsam. Ähnliches gilt für viele Angebote im TV oder auf YouTube: Für jedes Alter gibt es Highlights, die Spaß machen. Im Zweifel hilft ein Blick auf www.flimmo.tv.

Clips, die Minderheiten diskriminieren oder Einzelne bloßstellen, sollten tabu sein. Machen Sie den Mädchen und Jungen klar, dass diese Art von Späßen Menschen verletzt. Und dass die Verbreitung über Social-Media-Plattformen eine fatale Wirkung haben kann. Werden die eigenen Kinder Opfer von Cybermobbing oder Bullying, sind Eltern gefragt: Hier gilt es, den Mädchen und Jungen den Rücken zu stärken und gemeinsam gegen die Täter vorzugehen. Mehr Informationen dazu auf www.webhelm.de und www.klicksafe.de.

 

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