Flimmo.tv
Suchen in:
Aktuelles TV-Programm Sendungsarchiv

Liebe auf dem Schirm - (K)ein Thema für Kinder?

08.01.2019

Früher wurden zwischen Schulbänken heimlich Zettel mit »Willst du mit mir gehen? Ja? Nein? Vielleicht?« hin- und hergeschoben. Heute verschickt man per Smartphone Emojis mit Herzchenaugen und roten Bäckchen. Das Gefühl dabei ist allerdings immer noch dasselbe: ein neues, unbeschreibliches Kribbeln im Bauch. Das erste »Verliebtsein« ist und bleibt etwas Besonderes! Ab wann Kinder sich für das große Thema Liebe interessieren ist ganz unterschiedlich. Alter, Geschlecht und individuelle Reife spielen eine Rolle. Irgendwann ist es aber so weit. In Film und Fernsehen, im Internet, in der Musik und Literatur geht (fast) nichts ohne die Liebe. Was Kindern im Fernsehen und online begegnet, was sie von Liebesszenen halten und welche Problemfälle es gibt, wollte FLIMMO genauer wissen und hat dazu Mädchen und Jungen im Alter zwischen sieben und 13 Jahren befragt.

Der ausführliche Bericht ist hier abrufbar: Kinderbefragung

Erste Liebe im Kinderprogramm - Alles klar auf Wolke sieben?

Egal, ob in Kinderfilmen wie Bibi & Tina oder Die wilden Hühner, Serien wie Schloss Einstein oder in Zeichentrickfilmen wie Die Schöne und das Biest: Auch im Kinderprogramm sind große Gefühle keine Seltenheit. Ganz im Gegenteil, findet die neunjährige Tabea: »Da ist quasi in jedem Bibi & Tina-Film ein bisschen was dabei.« Vor allem für Mädchen sind die Geschichten rund um den ersten Freund oder die erste Freundin spannend. Sie fiebern mit ihren Lieblingsfiguren mit und können sich gut in sie hineinversetzen: Wird aus der heimlichen Schwärmerei mehr? Traut sich er oder sie, den ersten Schritt zu machen? Wer »geht« mit wem und warum? Wie reagieren die Freunde darauf?

Herzklopfen - Filme für Kinder


Ab 8 Jahren:

Anne liebt Philipp
(Norwegen, 2011, Flimmit*)

Der kleine Nick macht Ferien
(Frankreich, 2014, Amazon Prime)

StreetDance Kids - Gemeinsam sind wir Stars
(Großbritannien, 2013, Netflix)

Tsatsiki - Tintenfische und erste Küsse
(Schweden, 1999, Flimmit)

Ab 11 Jahren:

Blöde Mütze!
(Deutschland, 2007, Flimmit)

Die Farbe der Milch
(Norwegen, 2004)

The Liverpool Goalie - Oder: Wie man die Schulzeit überlebt
(Norwegen, 2010, Flimmit)

Rhabarber Rhabarber
(Niederlande, 2014, Netflix)

* Flimmit ist eine Video-on-Demand-Plattform, die vor allem europäische Produktionen im Programm hat.

 

 

Freundschaft und mehr

Die Clique spielt ab Mitte des Grundschulalters eine zentrale Rolle. Der Umgang mit Gleichaltrigen wird dabei ebenso wichtig wie das Suchen und Finden der eigenen Geschlechtsidentität. Ob und wann aus Freundschaft mehr wird, beschäftigt Mädchen und Jungen gleichermaßen. Die Mädchen meist früher, Jungen etwas später. Manchen Jungen im Grundschulalter gehen Liebesgeschichten im Kinderprogramm noch ganz schön auf die Nerven. Der zehnjährige Serdan zum Beispiel hat eine klare Meinung zu Liebeleien bei Schloss Einstein (KiKA): »Ich finde, in 'ne Serie sollte das nicht reingehören. Ist ja eigentlich voll blöd.« Auch das Thema Küssen spaltet das junge Publikum: Für die einen eklig und verzichtbar, für die anderen Ausdruck inniger Zuneigung. »Schön romantisch und ganz normal« sei das, meint die zwölfjährige Tanja. Elisa (zehn Jahre) dagegen mag den Austausch von Zärtlichkeiten auf dem Bildschirm nicht. »Wenn die sich geküsst haben, dann hab ich mir immer die Augen zugehalten, weil ich das ein bisschen eklig fand«, meint sie.

Harmonie ist Kindern wichtig

Den meisten Kindern ist bei aller Aufregung um die erste Liebe Harmonie wichtig. Ständiger Streit oder On-off-Beziehungen kommen nicht gut an. Für die zwölfjährige Lina gehört »ein schönes Happy End« dazu. Verliebte sollten sich unbedingt vertragen und trotz Konflikten am Ende wieder zusammenkommen. Trotzdem müssen Kinder irgendwann lernen, dass es zwischenmenschlich nicht immer nur harmonisch zugehen kann. Dazu können gute Kinder- und Jugendfilme Anregungen und Denkanstöße liefern. Vor allem solche, die Probleme und Hindernisse nicht ausklammern (siehe Kasten).

Ältere Kinder suchen Orientierung - auf allen Kanälen

Kommen Kinder in die Pubertät, ändert sich alles. Die Gefühle fahren Achterbahn – und plötzlich tauchen Fragen auf, die sich Kinder so noch nie gestellt haben: Wer bin ich eigentlich? Wie will ich als Frau oder Mann sein? Sehe ich gut aus? Was wünsche ich mir – vielleicht noch heimlich – von meinem ersten Freund oder meiner ersten Freundin?

Du bis kein Werwolf

Über Leben in der Pubertät (WDR/KiKA)

Die Moderatoren Ralph Caspers und Christine Henning beschäftigen sich unverkrampft und mit viel Humor mit Fragen rund um die Pubertät. Sie klären auf, wie sich der menschliche Körper beim Erwachsenwerden verändert und geben hilfreiche Tipps. Neben rein biologischen Veränderungen geht’s aber auch um Themen wie Liebe, Gefühle und Freundschaft sowie Konflikte mit den Eltern. Alle Folgen online unter: www.dubistkeinwerwolf.de.

Fragwürdige Vorbilder in Serie

In dieser aufregenden Übergangszeit bekommen mediale Vorbilder eine besondere Bedeutung. Filmfiguren, YouTuber, aber auch Musik- oder Social-Media-Stars liefern Orientierung – ob das den Eltern immer gefällt, oder nicht. Idole wie Elyas M’Barek aus Fack ju Göhte sind Vorbild und Schwarm zugleich. Der 13-jährige Jakob findet, dass der Film die Gefühlslage junger Menschen realitätsnah darstellt. »Es wird halt so gezeigt, wie die sich fühlen in dem Alter, wenn man sich dann verliebt. Also wie man sich dann verhält.« Auch wenn ältere Kinder Bekanntes aus ihrem Alltag wiederentdecken, aus pädagogischer Sicht hat der Film Ecken und Kanten: Der Humor lebt von Klischees und Vorurteilen, auch die Sprache ist nicht kindgerecht.

 

Reality-TV - Alles echt?

Noch dicker kommt es im Reality-TV. Sogar manch Erwachsenem fällt es hier schwer, Realität von Fiktion zu unterscheiden. Für Kinder ist das fast unmöglich. Sie sehen zum Beispiel bei Berlin – Tag und Nacht (RTL II) scheinbar das wahre (Liebes-)Leben. Stattdessen wird eine Pseudo- Wirklichkeit gezeigt, die vor allem Emotionen schürt und Gefühle übertrieben darstellt. Ständige Partnerwechsel, Eifersuchtsszenen, Intrigen und Gewalt werden als Normalität verkauft. Die gezeigten Rollenbilder sind problematisch, ebenso wie der Umgang mit Beziehungen und Sexualität. Auch Kuppelshows wie Der Bachelor (RTL) vermitteln haarsträubende Vorstellungen von Beziehungsanbahnung und Liebe. Einige ältere Kinder durchschauen die Inszenierung und ärgern sich über das gezeigte Frauenbild, zum Beispiel die zwölfjährige Paola: »Manchmal ist es halt auch blöd, weil die Frauen sind alle in einer WG und zicken dauernd rum und schuldigen dann andere beim Bachelor an.« Um mitreden zu können, wird die Sendung trotzdem angeschaut.

YouTube ist kein Kinderkanal

Die Kinderbefragung hat gezeigt, dass Kinder auf YouTube mit Inhalten konfrontiert werden können, die sie überfordern.
Erotische Anleitungen, Verweise auf Sexseiten oder Lieder mit sexuellen Anspielungen – manche Videos sind nicht kindgerecht.

Da YouTube eine Alterseinstufung »ab 18 Jahren« hat und auf Geräten mit installiertem Jugendschutzprogramm nicht aufgerufen werden kann, verstoßen derartige Inhalte nicht gegen den Jugendmedienschutz.

Eltern sollten sich bewusst sein, dass einige Videos auf YouTube nicht für Kinder geeignet sind.

YouTuber im Rampenlicht

Bei älteren Kindern und Teenagern ist YouTube die wichtigste Plattform für Videos. Entsprechend bekannt sind YouTuber wie Bibi von Bibis Beauty Palace und ihr Mann und Co-Star Julienco. Das Paar hat in den letzten Monaten das gemeinsame (Liebes-)Glück besonders ausgiebig online präsentiert. Seit Kurzem haben die beiden Nachwuchs. Für die zwölfjährige Valerie sind die frischgebackenen Eltern ein echtes Vorbild: »Mir gefällt's bei denen. Ich finde auch, dass sie wirklich ein perfektes Paar sind, also dass sie megagut zusammenpassen.« Dass die beiden ihr Privatleben auf YouTube in Szene setzen und ihre Emotionen für hohe Klickzahlen zur Schau stellen, ist den jungen Fans kaum bewusst. Klar ist, dass die erste Liebe bei Heranwachsenden ein wichtiges Thema ist. Kinder brauchen in dieser turbulenten Zeit verständnisvolle Zuhörer und positive Vorbilder. Und Eltern dürfen sich bei der Gelegenheit an die eigenen Gefühlsausbrüche erinnern, die auch ohne YouTube und Kuss- Emojis sicher unvergessen sind.

Tipps für Eltern

  • Kinder brauchen sensible Gesprächspartner, auch und gerade beim großen Thema Liebe. Dafür ist eine stabile Vertrauensbasis entscheidend.

  • Die Welt der Kinder und Jugendlichen ist heute von Medien geprägt. Deshalb ist es wichtig, ihre Medienidole zu kennen und über Rollen- und Vorbilder aus den Medien zu sprechen.

  • Manchmal sind auch Eltern mit ihrem Latein am Ende. Gerade in der Pubertät können Konflikte und Fragen auftauchen, die Kinder lieber außerhalb des Elternhauses besprechen wollen. Im Netz gibt es Hilfe zum Beispiel unter www.kika.de/kummerkasten oder www.nummergegenkummer.de

    Das große MedienQuiz von FLIMMO und TLM

     

    Copyright © Programmberatung für Eltern e.V. 1997 - 2019

    Zum Seitenanfang